Klettenlabkraut
Bestimmt hast du als Kind auch schon mal die kleinen, klebrigen Stängel des Klettenlabkrauts (Galium aparine) jemandem heimlich an den Rücken geheftet. Doch hinter dem lustigen Spielzeug verbirgt sich ein echtes Kraftpaket der Natur. Es wird traditionell angewendet zur Unterstützung des Stoffwechsels und des Lymphsystems. Aber auch in der Küche: ob als frischer Saft, feines Pesto oder sogar als Kaffeeersatz aus den Samen – dieses Kraut hat es in sich.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Das Klettenlabkraut begleitet uns Menschen schon seit Jahrtausenden. Es ist in ganz Europa und Asien heimisch und hat sich durch seine Kletteigenschaften fast weltweit verbreitet. Früher nutzten die Menschen die getrockneten Pflanzenmatten sogar als preiswerte und weiche Füllung für Matratzen. Es hieß, dass das Kraut Flöhe und Ungeziefer fernhalte, was ihm im Volksmund den Namen „Bettstroh“ einbrachte.1
In der antiken Heilkunde, etwa bei dem griechischen Arzt Dioskurides, wurde das Labkraut bereits als Mittel gegen Hautleiden und Erschöpfung beschrieben. Im Mittelalter nutzten Heilerinnen wie Hildegard von Bingen Verwandte der Pflanze, um die Verdauung zu unterstützen.
Der Name „Labkraut“ kommt daher, dass die Pflanze Enzyme enthält, die Milch gerinnen lassen. Bevor es industrielles Lab gab, nutzten Senner in den Alpen die Pflanze, um Käse herzustellen. Auch die Wikinger sollen das Kraut geschätzt haben – sie filterten damit angeblich ihre Milch, wobei die feinen Härchen gleichzeitig als Sieb dienten.
In der Ernährung
Du fragst dich vielleicht, wie man eine Pflanze essen soll, die überall hängen bleibt? Keine Sorge, sobald du das Klettenlabkraut zerkleinerst oder erhitzt, verlieren die kleinen Haken ihre Kraft. Essbar sind fast alle Teile: Die jungen Triebspitzen im Frühjahr schmecken mild und leicht nach Gurke. Sie stecken voller Vitamin C, Kieselsäure und wertvoller Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium.
Wenn du das Kraut in der Küche verwenden möchtest, probier doch mal ein Wildkräuter-Pesto. Mixe dafür zwei Handvoll frisches Klettenlabkraut mit Olivenöl, Nüssen (z. B. Mandeln), etwas Salz und einem Spritzer Zitrone. Durch das Mixen werden die Härchen zerstört, und du erhältst einen cremigen, vitalstoffreichen Aufstrich.
Oder du dünstest sie. Die feinen Triebspitze eignen sich auch hervorragend für Füllungen, in Suppen, Aufläufen, Gemüsetarte oder auch als ausgebackene Wildgemüsebeilage.
Auch in einem Grünen Smoothie macht sich das Kraut hervorragend, da es dem Drink eine frische Note verleiht.

Zum Entsaften eignen sie sich auch sehr gut. Der gewonnene Saft wird für erfrischende Getränke verwendet und dient als Grundlage für Suppen.
Die Blüten können als essbare Dekoration verwendet werden und aus den gerösteten Samenkugeln wird ein Kaffeeersatz hergestellt.
Ein echter Geheimtipp sind die kugeligen Samen im Spätsommer: Wenn du diese röstest und mahlst, verströmen sie ein Aroma, das verblüffend an Kaffee erinnert – kein Wunder, denn das Labkraut ist entfernt mit der Kaffeepflanze verwandt.
Heilende Anwendungen
In der modernen Pflanzenheilkunde wird das Klettenlabkraut vor allem traditionell zur Unterstützung des Lymphflusses eingesetzt. Wissenschaftlich untersucht wurden vor allem die enthaltenen Iridoidglykoside (wie Asperulosid) und Flavonoide, die entzündungshemmende Eigenschaften besitzen.2
In der Volksheilkunde wird es traditionell eingesetzt, um Schwellungen zu lindern und den Körper bei der Entgiftung zu unterstützen. Es regt die Nierentätigkeit an und hilft so bei der Ausscheidung.
Besonders bei kleinen Hautirritationen oder leichten Entzündungen im Mundraum kann ein Tee aus dem Kraut als Spülung wahre Wunder wirken. Kieselsäure wird zudem traditionell mit einer unterstützenden Wirkung auf Haut und Bindegewebe in Verbindung gebracht.
Hinweis: Das Klettenlabkraut gilt als sehr sicher und ungiftig. Dennoch solltest du es, wie alle Heilkräuter, nicht übermäßig lange am Stück konsumieren. Schwangere sollten vorsichtshalber auf hohe Dosen verzichten, da es keine ausreichenden Studien zur Anwendung in der Schwangerschaft gibt.
Klettenlabkraut-Tee
Zur Herstellung des Tees übergieße zwei Esslöffel des frischen Krauts mit 250 ml kochendem Wasser und lasse den Aufguss zehn Minuten ziehen.

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Kosmetik und Hausmittel für den Alltag
Äußerlich angewendet ist das Klettenlabkraut ein echter Freund für deine Haut. Dank seiner zusammenziehenden und reinigenden Wirkung kannst du daraus ganz einfach ein Gesichtswasser herstellen. Übergieße dafür eine Handvoll frisches Kraut mit heißem Wasser, lass es ziehen und nutze den abgekühlten Sud für eine sanfte Reinigung bei unreiner Haut. Die Gerbstoffe helfen dabei, die Poren zu verfeinern und kleine Entzündungen zu beruhigen.
Ein weiteres tolles Hausmittel ist ein Kräuteröl. Lege das Kraut für einige Wochen in ein hochwertiges Pflanzenöl ein. Dieses Öl kann später als Basis für Salben dienen oder direkt als Massageöl bei müden Beinen verwendet werden, um den Lymphfluss anzuregen. Da das Kraut fast überall wächst, kostet dich dieses Schönheitsmittel keinen Cent, außer ein wenig Zeit in der Natur.
Für ein Deo mit Klettenlabkraut bereitest du einen starken Aufguss aus vier Teelöffeln frischem Labkraut und 70 ml Wasser zu. Nach dem Abseihen wird der Aufguss mit 30 ml 90-prozentigem Alkohol vermischt und in eine leere Deosprühflasche gegeben. Optional kannst du noch einige Tropfen Aromaöl deiner Wahl hinzufügen. Das Deo ist etwa ein halbes Jahr haltbar.
Aussehen und Erkennungsmerkmale

Wenn du das Klettenlabkraut suchst, wirst du meist schnell fündig. Es ist eine einjährige Pflanze, die sich gerne an anderen Pflanzen oder Zäunen hochrankt.
- Wuchsform: Die Pflanze ist ein Spreizklimmer und kann bis zu 1,5 Meter lang werden. Ohne Halt liegt sie flach auf dem Boden.
- Stängel: Der Stängel ist deutlich vierkantig und mit winzigen, nach unten gerichteten Hakenborsten besetzt.
- Blätter: Die Blätter wachsen in sogenannten Quirlen (wie ein Stern) um den Stängel herum. Meist sind es 6 bis 8 schmale, lanzettliche Blätter pro Ebene.
- Blüten: Die Blüten sind winzig, weiß und sternförmig. Sie erscheinen von Mai bis in den Spätsommer.
- Früchte: Nach der Blüte bilden sich kleine, doppelte Kugelfrüchte, die ebenfalls klebrige Borsten haben.
Du kannst das Klettenlabkraut kaum verwechseln, wenn du den „Klebe-Test“ machst. Der harmlose Waldmeister sieht ähnlich aus, klebt aber nicht und duftet beim Welken stark nach Cumarin (Heu). Das Wiesenlabkraut hat glattere Stängel und bildet große, weiße Blütenwolken. Sammeln kannst du das Klettenlabkraut am besten von April bis Juni, wenn die Triebe noch jung und saftig sind. Achte darauf, an sauberen Stellen fernab von vielbefahrenen Straßen zu pflücken.
Anbau im eigenen Garten
Das Tolle am Klettenlabkraut ist: Du musst es meist gar nicht aktiv anbauen, es findet dich! Wenn du es dennoch gezielt im Garten haben möchtest, reicht ein schattiges bis halbschattiges Plätzchen mit nährstoffreichem Boden. Es liebt Stickstoff – dort, wo Brennnesseln wachsen, fühlt es sich besonders wohl.
Du kannst die Samen im Herbst oder frühen Frühjahr einfach auf die Erde streuen. Da es eine einjährige Pflanze ist, sät es sich im nächsten Jahr von selbst wieder aus. Im Topf auf dem Balkon braucht es eine Kletterhilfe und regelmäßig Wasser, da es keine Trockenheit mag. Ein kleiner Rückschnitt fördert das Wachstum neuer, zarter Triebe, die du dann direkt für deine Küche ernten kannst.
- Philip Kunisch. 2026. Essbare Heilkräuter und Wildpflanzen. Kompakt-Ratgeber: Naturkraft entdecken: 68 Schätze unserer Wiesen und Wälder. Mankau Verlag GmbH ↩︎
- Bokhari, J., et al. (2013). “Evaluation of phytochemical and pharmacological properties of Galium aparine L.” Journal of Ethnopharmacology. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Kletternde Wildpflanze mit vierkantigem Stängel und klebrigen Widerhaken
- Lateinischer Name
- Galium aparine
- Andere Namen
- Klebkraut, Zaunrebe, Kletten-Labkraut, Bettstroh
- Familie
- Rötegewächse (Rubiaceae)
- Erntemonate
- ganzjährig
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Samen, Triebe
- Blattform
- lanzettlich
- Blütenfarbe
- weiß
- Fundorte
- Waldränder, Gebüsche, Äcker, Gärten, stickstoffreiche Böden
- Verwechslungsgefahr
- Waldmeister (duftet), Wiesenlabkraut (klebt nicht)
- Giftigkeit
- ungiftig
- Inhaltsstoffe
- Cumarine, Flavonoide, Gerbsäure, Gerbstoffe, Glykoside, Iridoidglykoside, Kieselsäure, Vitamin C
- Eigenschaften
- entzündungshemmend, harntreibend, lymphanregend, stoffwechselanregend
- Hilft bei
- Blasenentzündungen, Frühjahrsmüdigkeit, Harnwegsentzündungen, Hautprobleme, Lymphstau, Nierenprobleme, Ödeme, Pickel
- Erkennung / Sammeltipps
- Klebt an Kleidung; junge Spitzen im Frühjahr ernten
- Anbau
- Sehr anspruchslos, liebt Stickstoff und Feuchtigkeit


















Hier steht das der Saft viel wirkungsvoller ist, aber wie macht man den?
Ich mache ihn im Sommer gerne frisch aus dem Mixer, verdünnt mit Wasser oder Mineralwasser und Bioapfelsaft, evtl. noch mit Spritzer Zitrone und einem Eiswürfel. Lecker!
Kann ich das Klettlabkraut auch trocknen und für Tee o. ä. verwenden oder ist die Wirkung dann zu gering? Lieben Dank!
Oder wie wäre es alternativ mit Einfrieren, wenn Trocknen so gar keine Option ist?
Grundsätzlich kannst du es trocknen und so über eine längere Zeit lang nutzen. Wenn saisonal verfügbar, verwende aber lieber das frische Kraut. Mehr zum Trocknen findest du hier: https://www.kostbarenatur.net/wildkraeuter-richtig-trocknen-und-lagern-anleitung-und-tipps/