Echtes Labkraut
Wenn du im Hochsommer über sonnige Wiesen spazierst und dir ein intensiver, süßer Duft nach Honig in die Nase steigt, ist das Echte Labkraut (Galium verum) meist nicht weit. Mit seinen leuchtend gelben Blütenwolken ist es nicht nur eine Augenweide, sondern auch eine Pflanze mit einer faszinierenden Geschichte und vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten. In der modernen Naturheilkunde führt es oft ein Schattendasein neben seinem berühmten Verwandten, dem Waldmeister, doch das völlig zu Unrecht. Das Echte Labkraut ist ein Allrounder, der deine Küche bereichert, deine Haut pflegt und sogar bei der Käseherstellung eine tragende Rolle spielt.
Zwischen Mythologie und Käsekessel: Die Geschichte des Labkrauts
Der Name “Labkraut” rührt daher, dass die Pflanze ein spezielles Enzym enthält, das Labferment. Bevor es industrielle Zusatzstoffe gab, nutzten Menschen das Kraut, um Milch dickzulegen. Besonders bekannt ist diese Anwendung für den englischen Chester-Käse, dem die Pflanze nicht nur bei der Gerinnung half, sondern auch seine charakteristische gelbe Farbe verlieh.1
In der nordischen Mythologie war das Labkraut der Göttin Freya, der Beschützerin der Liebe und Fruchtbarkeit, geweiht. Später, im christlichen Brauchtum, wandelte sich die Bedeutung und man nannte es Unserer Lieben Frauen Bettstroh. Der Legende nach soll Maria das Jesuskind auf dieses weiche, duftende Kraut gebettet haben. In der Volksheilkunde hatte dies ganz praktische Folgen: Schwangeren legte man das getrocknete Kraut ins Bett, da man glaubte, es würde die Geburt erleichtern und Mutter sowie Kind schützen.2
Auch als Färberpflanze hat Galium verum eine beeindruckende Karriere hinter sich. Während die gelben Blüten zum Färben von Textilien genutzt wurden, enthalten die Wurzeln rote Farbstoffe, ähnlich wie der Färberkrapp. In Schottland wurde damit traditionell Wolle für Tartans eingefärbt.
Kulinarische Genüsse: So schmeckt der Sommer
In der modernen Wildkräuterküche ist das Echte Labkraut ein echter Geheimtipp für dich, wenn du milde und aromatische Geschmäcker liebst. Essbar sind fast alle Teile der Pflanze: die zarten Triebspitzen, die Blätter und natürlich die honigsüßen Blüten. Das Kraut ist reich an Kieselsäure, Flavonoiden und Spurenelementen, was es zu einer gesunden Ergänzung deines Speiseplans macht.
Wenn du das Labkraut in der Küche verwenden möchtest, kannst du die jungen Triebe im Frühjahr einfach fein hacken und unter einen frischen Blattsalat mischen. Sie haben ein sehr dezentes Aroma, das nicht dominiert. Für ein schnelles Wildkräuter-Pesto nimmst du eine Handvoll Labkraut-Triebe, mischt sie mit Walnüssen, etwas Olivenöl und einer Prise Salz.
Die gelben Blüten hingegen sind im Sommer ein Highlight. Du kannst sie als essbare Dekoration auf Desserts streuen oder daraus einen aromatischen Sirup kochen.
Sogar die Samen lassen sich nutzen: Leicht in der Pfanne geröstet, entwickeln sie ein Aroma, das entfernt an Kaffee erinnert – kein Wunder, schließlich ist das Labkraut ein entfernter Verwandter der Kaffeepflanze.
Kinder-Labkrautbowle
Wie mit Waldmeister lässt sich genauso aus Labkraut eine Bowle herstellen. Für das Rezept verwenden wir Apfelsaft, so können auch Kinder diese leckere, gesunde Bowle trinken.
Zutaten:
- 1 Bund Labkraut
- 1 Liter Apfelsaft
- Saft einer Zitrone
- optional Mineralwasser und ein Süßungsmittel deiner Wahl
So gehst du vor:
- Labkraut etwas anwelken lassen
- In den Apfelsaft geben und ein bis zwei Stunden ziehen lassen
- Kräuter herausnehmen
- Zitronensaft einrühren
- Nach Geschmack mit Mineralwasser mischen und süßen
Heilende Anwendungen
Obwohl das Echte Labkraut heute wissenschaftlich weniger intensiv untersucht ist als andere Heilpflanzen, schätzt die Volksheilkunde seine Wirkung seit Jahrhunderten. Die Pflanze enthält wertvolle Inhaltsstoffe wie Iridoidglykoside (besonders Asperulosid), Gerbstoffe und Saponine. Diese Kombination verleiht ihr primär harntreibende, krampflösende und leicht entzündungshemmende Eigenschaften.3
Es gibt keine bekannten schweren Nebenwirkungen oder Kontraindikationen, allerdings solltest du wie bei allen Heilkräutern auf die Dosierung achten. Bei chronischen Nierenleiden solltest du jedoch immer Rücksprache mit deinem Arzt halten, bevor du auf eine Durchspülungstherapie mit Kräutern setzt.
Tinktur
Eine Tinktur aus Labkraut wird zur Stärkung des Immunsystems eingenommen. Dazu ein Schraubglas mit Labkraut füllen, mit 60-prozentigem Alkohol auffüllen, für sechs Wochen an einem sonnigen Ort unter gelegentlichem Schütteln stehen lassen, abseihen und in eine dunkle Tropfflasche geben.
Labkraut-Tee
In der traditionellen Anwendung wird Labkraut-Tee vor allem zur Unterstützung der Nieren und der Blase getrunken. Er soll helfen, den Körper sanft durchzuspülen und bei leichten Wasseransammlungen im Gewebe lindernd wirken. Auch bei nervöser Unruhe oder leichten Einschlafstörungen wird der Tee oft empfohlen, da der Duft und die Inhaltsstoffe eine beruhigende Komponente haben.
Übergieße zwei Teelöffel der frischen Blüten mit heißem (nicht mehr kochendem) Wasser und lass ihn etwa fünf Minuten ziehen. Der Tee schmeckt warm genauso gut wie eisgekühlt mit einem Spritzer Zitrone.

Viele weitere Informationen und Rezepte zu Tees mit Heil- und Wildpflanzen findest du in unseren Büchern:
Kosmetik und Hausmittel: Wellness aus der Natur
Nicht nur innerlich, auch äußerlich kannst du die Vorzüge des Echten Labkrauts für dich nutzen. Aufgrund seiner kieselsäurehaltigen Struktur und der zusammenziehenden (adstringierenden) Wirkung der Gerbstoffe ist es ein wunderbarer Partner für deine Hautpflege. Ein Gesichtswasser aus einem starken Labkraut-Absud kann helfen, das Hautbild bei fettiger oder unreiner Haut zu verfeinern.
Ein sehr schönes Projekt für zu Hause ist die Herstellung eines Labkraut-Öls. Fülle dazu ein sauberes Schraubglas etwa zur Hälfte mit den blühenden Triebspitzen und gieße es mit einem hochwertigen Bio-Mandelöl oder Sonnenblumenöl auf. Lass das Glas für etwa drei bis vier Wochen an einem hellen, aber nicht vollsonnigen Ort stehen und schüttle es täglich sanft. Danach seihst du das Öl ab. Dieses Mazerat eignet sich hervorragend als Körperöl nach dem Duschen oder als Basis für eine schützende Salbe. Es beruhigt die Haut und hinterlässt einen Hauch von Sommerduft.
Im Haushalt wurde das Labkraut früher oft als natürlicher Duftspender in Kleiderschränken verwendet, um Motten fernzuhalten und der Wäsche ein frisches Aroma zu verleihen.
Erkennung und Sammeltipps

Damit du bei deinem nächsten Spaziergang auch sicher das richtige Kraut sammelst, ist eine genaue Bestimmung wichtig. Das Echte Labkraut ist im Sommer durch seine leuchtende Farbe kaum zu übersehen, aber im Detail gibt es einiges zu entdecken.
- Wuchsform: Die Pflanze wächst ausdauernd und erreicht Höhen von 30 bis 70 Zentimetern. Der Stängel ist rundlich bis leicht vierkantig und meist recht stabil.
- Blätter: Die Blätter sind das markanteste Merkmal. Sie sind sehr schmal, fast nadelförmig und stehen in sogenannten Quirlen (wie ein Stern) zu acht bis zwölf Stück rund um den Stängel.
- Blüten: Von Juni bis September trägt die Pflanze dichte, rispige Blütenstände am Ende der Triebe. Die winzigen Einzelblüten sind goldgelb und haben vier Kronblätter.
- Duft: Zerreibst du die Blüten zwischen den Fingern, verströmen sie einen deutlichen Honigduft.
- Wurzel: Sie ist kriechend und verholzt mit der Zeit, was der Pflanze hilft, auch an trockenen Standorten zu überdauern.
Sicher bestimmen und sammeln: Du findest das Echte Labkraut vor allem an sonnigen Wegrändern, auf Magerrasen oder an trockenen Böschungen. Es liebt kalkhaltige, eher nährstoffarme Böden. Verwechseln könntest du es am ehesten mit dem Wiesen-Labkraut, das jedoch weiße Blüten hat und breitere Blätter besitzt. Das Kletten-Labkraut hat ebenfalls weiße Blüten und die bekannte Eigenschaft, an Kleidung haften zu bleiben – das passiert dir beim Echten Labkraut nicht.
Sammle am besten an einem sonnigen Vormittag, wenn der Wirkstoffgehalt und der Duft am intensivsten sind. Schneide die oberen zwei Drittel der Pflanze ab, damit die Wurzel unbeschädigt bleibt und sie im nächsten Jahr wieder austreiben kann.
Anbau im eigenen Garten: Ein Paradies für Bienen
Wenn du das Echte Labkraut dauerhaft in deiner Nähe haben möchtest, kannst du es wunderbar im Garten oder sogar in einem größeren Topf auf dem Balkon kultivieren. Es ist eine äußerst dankbare Pflanze, die nur wenig Pflege benötigt.
Der ideale Standort ist vollsonnig bis halbschattig. Der Boden sollte eher trocken und durchlässig sein; Staunässe mag das Labkraut gar nicht. Du kannst es entweder im Frühjahr direkt aussäen oder dir eine kleine Jungpflanze in einer Staudengärtnerei besorgen. Da es ein Lichtkeimer ist, darfst du die Samen nur leicht andrücken und nicht mit Erde bedecken. Einmal angewachsen, verbreitet es sich über unterirdische Ausläufer und bildet mit der Zeit schöne, dichte Teppiche. Es ist zudem eine hervorragende Bienenweide und zieht zahlreiche Schmetterlinge an. Im Spätherbst kannst du die vertrockneten Stängel einfach bodennah zurückschneiden, im nächsten Frühjahr treibt es zuverlässig wieder aus.
- Hiller, K., & Melzig, M. F. (2010): Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. Spektrum Akademischer Verlag. ↩︎
- Beuchert, M. (2004): Symbolik der Pflanzen. Insel Verlag ↩︎
- Journal of Ethnopharmacology / MDPI Molecules (z.B. Jiang et al., 2019): Antioxidant and Anti-inflammatory Activities of Galium verum Extracts ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Ausdauernde Staude mit nadelförmigen Blättern in Quirlen und goldgelben, nach Honig duftenden Blütenwolken.
- Lateinischer Name
- Galium verum
- Andere Namen
- Bettstroh, Bitterstielkraut, Butterstiel, Gelbes Käselab, Herzbresten, Lauritzen, Liebfrauenstroh, Gemeines Labkraut, Magerkraut, Milchgerinnkraut, Grasstern, Wegstroh, Wundstillkraut, Herrgottsstroh
- Familie
- Rötegewächse (Rubiaceae)
- Erntemonate
- ganzjährig
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Samen, Triebe
- Blattform
- lineal
- Blütenfarbe
- gelb
- Fundorte
- Wegrändern, Wiesen, Ufer, Dünen
- Verwechslungsgefahr
- Wiesen-Labkraut (weiße Blüten), Kletten-Labkraut (weiße Blüten, klebrig)
- Giftigkeit
- ungiftig
- Inhaltsstoffe
- Cumarine, Flavonoide, Gerbstoffe, Glykoside, Iridoidglykoside, Kieselsäure, Spurenelemente
- Eigenschaften
- beruhigend, entzündungshemmend, harntreibend, hautpflegend, krampflösend, nervenstärkend
- Hilft bei
- Hautentzündungen, Hautprobleme, Lymphstau, Unruhezustände, Wunden
- Erkennung / Sammeltipps
- Goldgelbe Blütenpracht ab Juni, nadelförmige Blätter, intensiver Honigduft beim Zerreiben
- Anbau
- Sonnig, trocken, unkompliziert; Lichtkeimer














Das echte Labkraut als Tinktur ist sehr zu empfehlen bei allen Erkrankungen des Lymphsystems und bei vielen Krebsarten. Ich konnte damit über viele Jahre bei vielen Betroffenen Heilungserfolge bewirken. Die Antikrebswirkung und stimmungsaufhellende Wirkung wird auch in einigen Kräuterbüchern erwähnt.
Wo kann ich Labkraut Tinktur kaufen?
Meine Cousine hat Krebs und würde gerne die Tinktur einnehmen. Da ich in Wien wohne, komme ich schwer zur Pflanze. Außerdem sollte meine Cousine rasch die Tinktur einnehmen können.
Hallo! Haben Sie noch Interesse an labkraut Tropfen? LG Ahmeti
Hallo,
Du schreibst Buttermilch. Das ist völlig falsch. Du meinst Dickmilch, die durch säuern gestockt ist und noch alle Inhaltsstoffe der Frischmilch enthält.
Buttermilch beibt beim Buttern übrig und enthält kein Fett mehr, wohl aber das Eiweiß und die übrigen Bestandteile der Milch.
Und Molke bleibt beim Käsemachen übrig und enthält insbesondere den Milchzucker, die Laktose.
liebe Grüße,
Georg