Wermuttinktur traditionell selbst ansetzen und die Verdauung unterstützen
Eine Wermuttinktur selbst herzustellen ist eine einfache Möglichkeit, regionale Heilpflanzen natürlich zu nutzen. Wermut wächst in vielen Gärten und an sonnigen Standorten und wird seit langem als klassische Bitterpflanze geschätzt. Die enthaltenen Bitterstoffe können die Verdauung unterstützen und den Appetit anregen.
Wenn du die Tinktur selbst machst, bestimmst du die Zutaten und verzichtest auf unnötige Zusatzstoffe. Besonders frisch geernteter Wermut eignet sich gut für eine aromatische, kräftige Auszugsbasis.
Wermuttinktur selber machen
Wermut wird am besten kurz vor oder während der Blüte geerntet, meist zwischen Juli und September. Verwendet werden die oberen Triebspitzen, Blätter und Blüten. Lass die geernteten Triebe für 24 Stunden antrocknen, bevor du die Tinktur ansetzt.
Zum Ansetzen eignet sich ein möglichst neutraler Alkohol wie Doppelkorn oder Wodka. Dadurch bleibt der Kräutergeschmack im Vordergrund. Hochprozentiger Alkohol löst die Bitterstoffe und ätherischen Öle besonders gut.
Folgendes wird benötigt:
- 20 g frischer Wermut
- 200 ml Alkohol mit mindestens 40 % Vol.
- sauberes Schraubglas
- Tropfflasche oder Pipettenflasche aus Braunglas zur Aufbewahrung der fertigen Tinktur

Benötigte Zeit zum Ansetzen der Tinktur: 15 Minuten
So stellst du eine klassische Wermut-Tinktur einfach selbst her.
- Tinktur ansetzen
Wermut grob zerkleinern und in ein sauberes Glas geben.
- Mit Alkohol auffüllen
Das Glas mit Alkohol auffüllen, bis alle Pflanzenteile vollständig bedeckt sind. Dies verhindert Schimmelbildung und sorgt für optimale Extraktion.
- Mazeration
Das Glas fest verschließen und an einem dunklen, kühlen Ort für drei Wochen ziehen lassen. Schüttle das Glas alle paar Tage, damit sich die Wirkstoffe besser lösen.
- Abseihen
Nach der Ziehzeit die Mischung durch ein Tuch abseihen und die Pflanzenteile gut ausdrücken. Die Tinktur in eine dunkle Glasflasche umfüllen und beschriften.
Tipp: Du kannst auch eine alkoholfreie Tinktur auf Apfelessigbasis herstellen. Essig löst jedoch nicht alle Inhaltsstoffe so effektiv wie Alkohol und die Haltbarkeit fällt meist kürzer aus. Für eine klassische Tinktur ist Alkohol deshalb die bessere Wahl.
Lagerung und Haltbarkeit
Bewahre die Wermut-Tinktur gut verschlossen in einer dunklen Flasche auf. Lagere sie kühl und vor direkter Sonne geschützt, damit die Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Durch den Alkohol ist die Tinktur ein Jahr haltbar, oft sogar länger. Achte darauf, sauber zu arbeiten und die Flasche nach jeder Anwendung wieder gut zu verschließen.
Anwendung und Dosierung
Wermut gehört zu den bitterstoffreichsten Heilpflanzen und kann die Verdauung gezielt unterstützen. Die enthaltenen Bitterstoffe regen über die Geschmacksnerven die Bildung von Speichel, Magensäure und Gallenflüssigkeit an. Dadurch kann die Tinktur bei Blähungen, Völlegefühl und leichten Krämpfen helfen1. Auch Appetitlosigkeit oder eine träge Verdauung können unterstützt werden.
Nimm dafür 10–20 Tropfen in Wasser verdünnt ein, jedoch maximal dreimal täglich. Die Anwendung erfolgt am besten vor dem Essen, damit die Bitterstoffe ihre verdauungsfördernde Wirkung entfalten können. Je nach Bedarf reichen 1–3 Anwendungen täglich. Die Tinktur sollte nicht länger als etwa 2–3 Wochen am Stück verwendet werden.
Hinweis: Das enthaltene Thujon kann bei zu hoher Dosierung oder zu langer Anwendung das Nervensystem belasten. Während Schwangerschaft und Stillzeit solltest du Wermut nicht anwenden. Bei Magengeschwüren, Gallensteinen oder entzündlichen Gallenerkrankungen darf Wermut nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden. Bei einem Verschluss der Gallenwege ist die Anwendung kontraindiziert.
Wermuttinktur wirkt leicht desinfizierend sowie durchblutungsfördernd und kann verdünnt für Umschläge bei Prellungen genutzt werden.. Auf offenen Wunden sollte die selbstgemachte Tinktur aufgrund fehlender Sterilität nicht angewendet werden.
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- EMA/HMPC/751490/2016 Corr. 1 – European Union herbal monograph on Artemisia absinthium L., herba. ↩︎

