Wiesen-Margerite
Wenn du an eine klassische Blumenwiese denkst, hast du vermutlich sofort ihr Bild vor Augen: Die Wiesen-Margerite mit ihrem strahlend weißen Blütenkranz und dem sonnengelben Herz. Sie ist weit mehr als nur ein hübsches Motiv für Postkarten oder ein Orakel für Verliebte, die Blütenblätter zupfen. In der Naturheilkunde und der wilden Küche nimmt sie einen festen Platz ein, da sie sanfte Wirkkräfte mit einem überraschend aromatischen Geschmack verbindet.
Botanisch wird sie als Leucanthemum vulgare bezeichnet, was übersetzt schlicht „weiße Blume“ bedeutet. In der Volksmund nennen wir sie oft auch Wiesen-Wucherblume oder schlicht Margerite. Sie gehört zur großen Familie der Korbblütler und schenkt uns von Mai bis in den August hinein ein Gefühl von unbeschwerter Sommerzeit.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Ursprünglich war die Margerite in Europa und Teilen Asiens heimisch, verbreitete sich aber massiv durch die Ausweitung von Weideflächen und Heuwiesen. Schon im antiken Griechenland schätzte man sie; der Name leitet sich vom griechischen „margarites“ ab, was Perle bedeutet. In der christlichen Symbolik des Mittelalters wurde sie oft mit der Reinheit der Jungfrau Maria assoziiert, was ihr einen festen Platz in der sakralen Kunst bescherte.
In der Volksheilkunde spielte sie eine wichtige Rolle bei Frauenleiden. Historische Quellen berichten, dass Kräuterkundige wie Tabernaemontanus sie im 16. Jahrhundert zur Linderung von Atembeschwerden und bei Magenproblemen empfahlen. Besonders interessant ist ihre Verwendung als Schutzpflanze: Bauern hängten früher Margeritensträuße in den Stall, um das Vieh vor Krankheiten zu bewahren. Auch als Liebesorakel ist sie weltberühmt. Wer hat nicht schon einmal „Er liebt mich, er liebt mich nicht“ gemurmelt, während die weißen Zungenblüten fielen? Sogar berühmte Persönlichkeiten wie die österreichische Kaiserin Sisi schätzten die Margerite so sehr, dass sie sie als Motiv für kostbare Juwelen wählen ließ.
In der Ernährung
Du wirst überrascht sein, dass die Margerite nicht nur schön aussieht, sondern auch richtig gut schmeckt. In der wilden Küche kannst du fast alle Teile der Pflanze verwenden. Die jungen Blätter, die du im zeitigen Frühjahr vor der Blüte sammelst, haben ein leicht süßliches, karottenartiges Aroma, das später in eine angenehme Schärfe umschlägt. Sie sind reich an Vitamin C und wichtigen Mineralstoffen wie Kalium und Magnesium, die deinen Stoffwechsel unterstützen.
Besonders dekorativ und schmackhaft sind die Blütenköpfe. Du kannst sie als essbare Dekoration über Suppen streuen oder die noch geschlossenen Knospen in Essig und Salz einlegen.
Eingelegte Margeriten-Knospen
- 1 Handvoll Margeriten-Knospen
- ¼ l Essig
- ¼ l Wasser
- 50 g Salz
- 50 g Zucker
- 10 Pfefferkörner
- 10 Senfkörner
- 1 Lorbeerblatt
- Essig mit Wasser und den Gewürzen aufkochen.
- Die Margeritenknospen in ein sauberes Glas schichten und mit dem heißen Sud übergießen.
- Das Glas sofort verschließen.
- Zwei Wochen ziehen lassen und genießen.
Ein einfacher Wildkräutersalat gewinnt durch die Zugabe von Margeritenblättern enorm an Tiefe. Mische sie einfach mit mildem Kopfsalat und einem Zitronen-Dressing.
Für ein Margeriten-Pesto nimmst du eine Handvoll Blätter, röstest ein paar Pinienkerne an und verarbeitest alles mit Olivenöl und etwas Hartkäse zu einer cremigen Paste.
Heilende Anwendungen
Obwohl die Wiesen-Margerite heute oft im Schatten ihrer berühmten Verwandten, der Kamille oder der Ringelblume, steht, besitzt sie bemerkenswerte gesundheitliche Eigenschaften. Wissenschaftlich ist belegt, dass sie nennenswerte Mengen an Flavonoiden und ätherischen Ölen enthält, die entzündungshemmend und krampflösend wirken können.1
In der Volksheilkunde nutzt man sie traditionell bei Husten und Bronchialbeschwerden, da die enthaltenen Schleimstoffe dabei helfen, die Atemwege zu beruhigen.
Hinweis: Da sie zu den Korbblütlern gehört, können Menschen mit einer entsprechenden Allergie allergische Reaktionen zeigen. Eine Überdosierung ist selten, kann aber bei sehr empfindlichen Personen zu Magenreizungen führen.
Insgesamt ist die Margerite eine sanfte Heilpflanze, die den Körper eher unterstützt als massiv eingreift. Sie eignet sich hervorragend für eine kurmäßige Anwendung im Frühjahr, um das Immunsystem durch ihre antioxidativen Wirkstoffe sanft anzukurbeln.
Margeriten-Tinktur
Ein klassisches Anwendungsgebiet für die Margeriten-Tinktur ist das Verdauungssystem. Die in der Pflanze enthaltenen Bitterstoffe regen die Produktion von Gallensaft an und helfen so gegen Blähungen und Völlegefühl.
Sie kann sowohl aus den Blüten wie auch aus den Blätter hergestellt werden. Dafür füllst du das Pflanzenmaterial in ein Schraubglas und übergießt alles mit mindestens 40%igem Alkohol (Wodka oder Primasprit). Nach vierwöchiger Ziehdauer ist die Tinktur fertig.
Margeritentee
Äußerlich angewendet, können Umschläge mit Margeritentee die Wundheilung unterstützen und bei leichten Hautirritationen lindernd wirken.
Für den Tee etwa sechs Gramm Blüten der Margerite mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, zehn Minuten abgedeckt ziehen lassen und danach abseihen.
Kosmetische Anwendungen, Haushalt und Garten
In der natürlichen Körperpflege ist die Margerite ein echter Geheimtipp. Dank ihrer hautberuhigenden Inhaltsstoffe eignet sie sich hervorragend für die Herstellung eines Gesichtswassers. Du kochst dafür einfach einen starken Tee aus den Blüten, lässt ihn abkühlen und tupfst ihn morgens auf die Haut – das wirkt erfrischend und klärt das Hautbild. Die enthaltenen Gerbstoffe helfen dabei, die Poren sanft zusammenzuziehen, was besonders bei fettiger Haut vorteilhaft ist.
Ein wertvolles Hausmittel ist das Margeriten-Öl. Hierfür füllst du ein Glas zur Hälfte mit frischen Blüten und gießt es mit einem hochwertigen Bio-Mandelöl auf. Nach etwa drei Wochen an einem hellen (aber nicht vollsonnigen) Ort hast du ein wunderbares Körperöl, das nach einem langen Tag die Haut entspannt.
Im Haushalt wurde die Margerite früher sogar als natürliches Insektizid verwendet, da bestimmte Inhaltsstoffe in den getrockneten Blüten Insekten fernhalten können.
Erkennung und Sammeltipps

Die ausdauernde, mehrjährige Wiesenmargerite wächst gerne auf ungedüngten mageren Wiesen und Weiden und kommt bis in Höhen von 1.800 Meter vor. An Wegrändern, Böschungen und Bahndämmen fühlt sich die Sonnwendblume ebenso wohl.
- Die Pflanze wird bis zu einem Meter hoch.
- Der aufrechte, kantige Stängel ist einfach oder verzweigt.
- Die grob gezähnten Grundblätter haben eine Spatelform.
- Die oberen Blätter sind wenig gezähnt bis ganzrandig.
- Die großen Blütenköpfe sitzen einzeln am Stängelende.
- Sie haben im Zentrum bis zu 500 goldgelbe Röhrenblüten und 20-25 weiße Zungenblüten.
- Die Blütezeit ist von Mai bis Oktober.
Du findest sie vor allem auf sonnigen Wiesen, an Wegrändern und auf Magerrasen. Ein wichtiger Tipp zur Bestimmung: Im Gegensatz zur Echten Kamille ist der Blütenboden der Margerite flach bis leicht gewölbt und nicht hohl. Zudem duftet sie zwar krautig, aber nicht so intensiv apfelartig wie die Kamille.

Sammeln solltest du sie am besten an einem sonnigen Vormittag, wenn der Tau getrocknet ist, da dann der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten ist. Die Blütezeit erstreckt sich hauptsächlich über den Juni. Achte beim Sammeln darauf, nur dort zuzugreifen, wo die Bestände üppig sind, und lasse die Wurzeln im Boden, damit die Pflanze im nächsten Jahr wieder austreiben kann.
Anbautipps
Wenn du dir die winterharte Margerite in den Garten holen möchtest, eignen sich verschiedene Vermehrungsmethoden. Zum einen können sowohl im Frühjahr als auch im Herbst Samen ausgesät werden. Zum anderen lässt sich der Wurzelstock zum Beginn oder zum Ende der Vegetationsperiode leicht teilen und auf gut entwässerten Standorten einpflanzen. Stecklinge können im Sommer geschnitten und zur Weitervermehrung in magerer Erde vorgezogen werden.
Die Wiesenmargerite liebt sonnige Standorte und verträgt auch eher steinigen Untergrund, sie mag keine überdüngte Erde und Staunässe.
Fühlt sich die Wiesenmargerite wohl, treibt sie aus ihrer Rosette immer wieder hervor und sät sich auch gerne selbst aus.
- E.G. Privalova, D.N. Olennikov, N.I. Kashchenko. Phenolic Compounds of Leucanthemum vulgare Lam.: HPLC Analysis and Estimation of their Anti-inflammatory Activity. November 2025. Medical & pharmaceutical journal Pulse 27(11):117 ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Ausdauernde Staude mit weißen Strahlenblüten und gelber Mitte
- Lateinischer Name
- Leucanthemum vulgare
- Andere Namen
- Wucherblume, Maikönigin, Orakelblume, Johannesblume, Sonnwendblume
- Familie
- Korbblütler (Asteraceae)
- Erntemonate
- ganzjährig
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Triebe, Wurzeln
- Blattform
- spatelig
- Blütenfarbe
- weiß
- Fundorte
- Ungedüngte Wiesen, Weiden, Äcker, Feldränder, Böschungen, Ruderalflächen wie Bahndämme
- Verwechslungsgefahr
- Echte Kamille (hohler Blütenboden), Geruchlose Kamille, Hundskamille
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Ungiftig (für Allergiker Vorsicht geboten)
- Warnungen
- Nicht anwenden bei bekannter Allergie gegen Korbblütler
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Flavonoide, Gerbstoffe, Harze, Polyacetylene, Schleimstoffe, Tannine
- Eigenschaften
- entzündungshemmend, hustenstillend, krampflösend, verdauungsfördernd
- Hilft bei
- Entzündungen, Husten, Magen-Darmbeschwerden











Liebes Team,
vielen Dank für diesen aufschlussreichen Beitrag zur Wiesen-Margerite! Es ist toll zu lesen, dass auch die Wurzeln essbar sind und speziell jetzt in der kälteren Jahreszeit noch genutzt werden können. Dass ihr Geschmack an Rüben erinnern soll, macht mich besonders neugierig. Habt ihr vielleicht einen Geheimtipp, wie man die Wurzeln am leckersten zubereitet, vielleicht als Gemüsebeilage oder in einer Suppe? Ich würde das gern mal ausprobieren und bin gespannt, wie sie schmecken.
Liebe Grüße,
Finn
Ich kenne die ja nur als hübsche Blümchen auf der Sommerwiese und hab die Blüten auch schon für Tee getrocknet.
Dass man die Wurzeln jetzt im Herbst auch nutzen kann, wusste ich garnicht. Schmecken die wirklich wie Rüben? Muss ich mal ausprobieren, wenn der Boden nicht gefrohren ist.
Die Idee mit den eingelegten Knospen als Kapernersatz merk ich mir auf jeden Fall fürs nächste Frühjahr vor.
Macht weiter so mit eurer tollen Seite, ich lerne hier immer wieder was Neues