Mönchspfeffer

Der Mönchspfeffer wurde im Mittelalte Mönchen und Nonnen ins Essen gemischt, um die Fleischeslust zu unterdrücken. Dabei kann er auch das Gegenteil bewirken!

Der Mönchspfeffer (Vitex Agnus Castus) ist eine der faszinierendsten Pflanzen der Natur, wenn es um das feine Gleichgewicht unseres Körpers geht. Vor allem Frauen schätzen seine Eigenschaften seit Jahrhunderten, denn seine Hauptanwendungen liegen in der sanften Regulierung des weiblichen Zyklus. Wenn das hormonelle Zusammenspiel den Rhythmus verliert, kann diese Pflanze als natürlicher Taktgeber fungieren. Die Hauptwirkung entfaltet sich vor allem im Gehirn, wo bestimmte Inhaltsstoffe die Ausschüttung des Hormons Prolaktin bremsen, was wiederum die Balance zwischen Östrogen und Progesteron stabilisieren kann.

Herkunft, Geschichte und Kultur

Der Mönchspfeffer ist ursprünglich im gesamten Mittelmeerraum bis hin nach Zentralasien beheimatet, wo er bevorzugt an feuchten Flussufern und in Tälern wächst. Seine Geschichte reicht weit in die Antike zurück, als namhafte Gelehrte wie der griechische Arzt Dioskurides oder der Naturforscher Plinius der Ältere die Pflanze detailliert beschrieben. Sie empfahlen die Samen vor allem Frauen zur Regulierung der Menstruation und zur Linderung von Unterleibsbeschwerden, während Männer sie nutzten, um fleischliche Begierden im Zaum zu halten.

Der Name Keuschlamm leitet sich direkt aus der antiken Mythologie und Volksheilkunde ab. Die griechische Göttin Hera, Hüterin der Ehe und der Fruchtbarkeit, soll einer Legende nach unter einem Keuschlammstrauch geboren worden sein. Bei den jährlichen Festen zu ihren Ehren, den Thesmophorien, schmückten sich die Frauen mit den Blüten und schliefen auf den Blättern der Pflanze, um ihre Keuschheit zu bewahren. Im Mittelalter griffen Mönche und Nonnen diese Tradition auf. Sie pflanzten den Strauch in ihren Klostergärten an, streuten die scharf schmeckenden Samen als Pfeffersatz auf ihre Speisen und nutzten die beruhigende Wirkung auf den Geist, um das klösterliche Keuschheitsgelübde leichter einzuhalten. Aus dieser Epoche stammt auch die heute geläufige Bezeichnung Mönchspfeffer. In der klassischen Volksheilkunde galt er stets als wichtiges Mittel bei Zyklusunregelmäßigkeiten und seelischen Verstimmungen in schweren Lebensphasen.

In der Ernährung

Obwohl der Mönchspfeffer primär als medizinisch genutzte Pflanze bekannt ist, lässt er sich wunderbar und kreativ in die Küche integrieren. Essbar sind vor allem die kleinen, harten Früchte, die optisch stark an schwarzen Pfeffer erinnern, sowie die zarten, jungen Blätter. Die Früchte besitzen ein intensiv würziges, leicht bitteres Aroma mit einer dezenten Schärfe und einer feinen, harzigen Note, die an Salbei oder Rosmarin erinnert. Die Blätter sind etwas milder, tragen aber dieselbe ätherische Grundnote in sich. Neben ihren aromatischen Eigenschaften enthalten die Pflanzenteile wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe, darunter essentielle Fettsäuren und Spurenelemente, die eine ausgewogene Ernährung sinnvoll ergänzen können.

Du kannst die getrockneten Beeren hervorragend als Gewürz verwenden. Mahle sie einfach frisch in einer Gewürzmühle oder zerstoße sie im Mörser, um Fleischgerichten, deftigen Eintöpfen oder mediterranem Ofengemüse eine außergewöhnliche Note zu verleihen.

Heilende Anwendungen

Die moderne Pflanzenheilkunde schätzt den Mönchspfeffer aufgrund seiner spürbaren Effekte auf das hormonelle System. Insbesondere wurde die Pflanze als sanfter Helfer beim prämenstruellen Syndrom untersucht1, das viele Frauen in den Tagen vor den Tagen mit Kopfschmerzen, Reizbarkeit oder Wassereinlagerungen belastet. Auch das unangenehme Brustspannen, in der Fachsprache Mastodynie genannt, lässt sich durch standardisierte Extrakte nachweislich lindern.2 In der klassischen Volksheilkunde wird die Pflanze zudem bei unregelmäßigen Zyklen, dem Ausbleiben der Periode sowie bei hormonell bedingten Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen eingesetzt.

Verantwortlich für diese Wirkungen ist ein komplexes Zusammenspiel wertvoller Inhaltsstoffe. Im Fokus stehen dabei spezielle Diterpene, die im Gehirn an die Dopamin-Rezeptoren andocken und so die Ausschüttung des Hormons Prolaktin drosseln. Ein zu hoher Prolaktinspiegel ist oft die Ursache für Zyklusstörungen und Spannungsgefühle. Unterstützt werden die Diterpene von Flavonoiden, Iridoidglykosiden wie Aucubin und Agnusid sowie wertvollen Bitterstoffen und Gerbstoffen.

Hinweis: Bei einer Überdosierung kann es zu Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder juckenden Hautausschlägen kommen. Da Mönchspfeffer direkt in den Hormonhaushalt eingreift, darfst du ihn während der Schwangerschaft und der Stillzeit nicht einnehmen. Auch bei hormonabhängigen Erkrankungen wie Brustkrebs oder Tumoren der Hirnanhangdrüse ist die Anwendung strikt kontraindiziert. Zudem kann er die Wirkung von Antibabypillen, Östrogenpräparaten oder Dopamin-Medikamenten beeinflussen, weshalb eine Einnahme immer im Vorfeld medizinisch abgeklärt werden sollte.

Mönchspfeffer kaufen

Erhältlich sind Mönchspfefferpräparate in der Apotheke oder online von verschiedenen Firmen in Form von Kapseln, Dragees und Tropfen. Es empfiehlt sich, fertige Medikamente zu verwenden, weil die Dosierung für jedes Beschwerdebild anders gewählt werden muss.

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Kosmetische Anwendungen, im Haushalt und Garten

Mönchspfeffer entfaltet seine positiven Eigenschaften nicht nur bei der inneren Einnahme, sondern ist auch äußerlich ein echter Geheimtipp. In der Volksheilkunde und zunehmend auch durch wissenschaftliche Ansätze gestützt, wird die Pflanze zur Pflege von unreiner, zu Akne neigender Haut geschätzt. Die enthaltenen ätherischen Öle, reich an Substanzen wie Alpha-Pinen und Cineol, besitzen ausgeprägte antibakterielle, entzündungshemmende und leicht antimykotische, also pilzhemmende Eigenschaften. Sie beruhigen irritierte Hautpartien, unterstützen die natürliche Regeneration der Hautbarriere und helfen, das Hautbild sanft zu klären.

Ein wunderbares Hausmittel zum Selbermachen ist eine pflegende Mönchspfeffer-Tinktur oder ein wohltuendes Hautöl. Für das Öl füllst du ein sauberes Schraubglas etwa zu einem Drittel mit leicht zerstoßenen Mönchspfefferbeeren und gießt es mit einem hochwertigen, stabilen Pflanzenöl wie Mandel- oder Jojobaöl auf. Lass den Ansatz für etwa vier Wochen an einem warmen, aber schattigen Ort ziehen und schüttle das Glas täglich leicht, damit sich die lipophilen, also fettlöslichen Inhaltsstoffe optimal lösen. Danach seihst du das fertige Öl durch ein feines Tuch ab. Du kannst es direkt als klärendes Gesichtshautöl verwenden oder es als Basis für eine beruhigende Salbe nutzen, indem du es vorsichtig mit etwas geschmolzenem Bienenwachs vermischst.

Aussehen und Erkennungsmerkmale

Der Mönchspfeffer wurde im Mittelalte Mönchen und Nonnen ins Essen gemischt, um die Fleischeslust zu unterdrücken. Dabei kann er auch das Gegenteil bewirken!

Der Mönchspfeffer ist ein imposanter, sommergrüner Strauch oder kleiner Baum, der im Garten sofort durch seine elegante Gestalt auffällt. Seine Struktur erinnert auf den ersten Blick ein wenig an den Schmetterlingsflieder oder an die Hanfpflanze, was vor allem an der charakteristischen Form seiner Blätter liegt.

  • Wuchsform und Höhe: Der Strauch wächst aufrecht, stark verzweigt und erreicht im Laufe der Jahre eine stattliche Höhe von zwei bis vier Metern. Seine Äste sind vierkantig, filzig behaart und sehr biegsam.
  • Blattform und Anordnung: Die Blätter stehen gegenständig an den Zweigen. Sie sind handförmig geteilt und bestehen aus fünf bis sieben einzelnen, lanzenförmigen Teilblättern, die am Rand ganzrandig oder leicht gezähnt sind.
  • Blattfarbe und Beschaffenheit: Die Oberseite der Blätter zeigt ein tiefes, dunkles Grün, während die Unterseite durch eine feine Behaarung auffallend graufilzig und heller erscheint.
  • Blüten und Blütezeit: Von Juli bis weit in den Oktober hinein trägt der Strauch endständige, dichte und Scheinähren bildende Blütenstände. Die kleinen, duftenden Lippenblüten leuchten in zartem Violett, hellem Blau, Rosa oder seltener in Weiß.
  • Früchte: Im Herbst entwickeln sich aus den Blüten kleine, viersamige, rundliche Steinfürchte von rötlich-schwarzer Farbe, die wie Pfefferkörner aussehen.
  • Wurzel und Geruch: Das Gewächs besitzt ein tief reichendes, weit verzweigtes Wurzelsystem. Reibt man die Blätter oder zerdrückt man die reifen Früchte zwischen den Fingern, verströmt die Pflanze einen sehr intensiven, angenehm würzigen und leicht pfeffrigen Duft.

Für eine sichere Bestimmung im Freiland hilft vor allem der Blick auf die Blätter und der typische Pfeffergeruch. Eine Verwechslung ist mit dem Hanf (Cannabis) möglich, dessen Blätter jedoch am Rand deutlich gesägt und nicht graufilzig auf der Unterseite sind. Zudem verströmt Hanf einen völlig anderen Geruch. Ein weiterer Verwechslungspartner ist der Sommerflieder (Buddleja davidii), dessen Blätter jedoch einfach und nicht handförmig geteilt sind.

Bedingungen für kultivierten Anbau

Mönchspfeffer lässt sich fantastisch im eigenen Garten oder in einem ausreichend großen Kübel auf dem Balkon anbauen. Da der Strauch aus dem sonnigen Süden stammt, bevorzugt er einen vollsonnigen, warmen und windgeschützten Platz, an dem er seine Blütenpracht optimal entfalten kann. Der Boden sollte gut durchlässig, humos und mäßig feucht sein. Staunässe mag die Pflanze überhaupt nicht, weshalb du bei einer Kübelpflanzung unbedingt eine Drainageschicht aus Blähton am Topfboden einplanen solltest.

Die Vermehrung gelingt am leichtesten über Stecklinge im Sommer oder durch den Kauf einer jungen Containerpflanze im Frühjahr. Ein regelmäßiger Rückschnitt im zeitigen Frühjahr fördert einen buschigen Wuchs und eine reiche Blüte, da der Mönchspfeffer seine Blüten am neuen Holz des aktuellen Jahres bildet. In den ersten Jahren benötigt der Strauch bei starkem Frost im Garten einen leichten Winterschutz aus Reisig oder Vlies, ältere Exemplare sind in unseren Breitengraden jedoch erstaunlich winterhart. Die Ernte der reifen Früchte erfolgt dann bequem im Spätherbst direkt von deinem eigenen Strauch.

  1. Cerqueira, R. O., Frey, B. N., Leclerc, E., & Brietzke, E. (2017). Vitex agnus castus for premenstrual syndrome and premenstrual dysphoric disorder: a systematic review. Published in Archives of Women’s Mental Health. ↩︎
  2. van Die, M. D., Burger, H. G., Teede, H. J., & Bone, K. M. (2013). Vitex agnus-castus extracts for female reproductive disorders: a systematic review of clinical trials. Published in Planta Medica. ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Sommergrüner, bis zu vier Meter hoher Strauch mit handförmig geteilten Blättern, duftenden violetten Blütenähren und pfefferkorngroßen Früchten.
Lateinischer Name
Vitex Agnus Castus
Andere Namen
Keuschlamm, Keuschbaum, Keuschstrauch, Pfefferstrauch, Keuschlamm, Tanis, Abrahamsstrauch, Müllen
Familie
Lippenblütler (Lamiaceae)
Erntemonate
Sep - Nov
Verwendbare Pflanzenteile
Früchte
Blattform
gefingert
Blütenfarbe
blau, rosa, violett
Fundorte
Gesamter Mittelmeerraum, Kleinasien, Zentralasien; in Mitteleuropa kultiviert in Gärten und Parkanlagen
Verwechslungsgefahr
Hanf (Cannabis sativa) – unterscheidet sich durch gesägte Blattränder; Sommerflieder (Buddleja davidii) – hat ungeteilte Blätter.
Giftigkeit
ungiftig
Hinweise zur Giftigkeit
Kann stark hormonell wirken
Warnungen
Nicht anwenden in der Schwangerschaft und Stillzeit. Kontraindiziert bei hormonabhängigen Tumoren (z. B. Brustkrebs) und Erkrankungen der Hypophyse. Kann Wechselwirkungen mit Kontrazeptiva und Dopamin-Antagonisten zeigen
Inhaltsstoffe
Agnusid, ätherische Öle, Aucubin, Casticin, Cineol, Diterpene, Flavonoide, Gerbstoffe, Iridoiden, Sabinen
Eigenschaften
beruhigend, entkrampfend, entzündungs­­hemmend, hormonell ausgleichend, menstruationsregelnd, prolaktin-hemmend
Hilft bei
Mastodynie, Menstruationsbeschwerden, Menstruationsschmerzen, prämenstruelles Syndrom, unregelmäßiger Regelblutung
Erkennung / Sammeltipps
Handförmige Blätter mit graufilziger Unterseite, intensiver Pfeffergeruch beim Zerreiben. Früchte im Spätherbst (Oktober/November) vollreif ernten.
Anbau
Vollsonniger, warmer Standort; durchlässiger, mäßig feuchter Boden. Schnitt im Frühjahr begünstigt die Blüte. Kübelhaltung möglich.

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