Koriander
Koriander (Coriandrum sativum) ist ein aromatisches Kraut, das du aus vielen Küchen der Welt kennst: von der mediterranen über die asiatische bis zur lateinamerikanischen Küche. Schon mit einer Prise seiner fein gefiederten Blätter oder knackigen Samen entfaltet Koriander ein warmes, zitroniges Aroma, das vielen Gerichten Tiefe verleiht. In der Volksheilkunde wird Koriander seit Jahrhunderten eingesetzt, um die Verdauung zu unterstützen, Blähungen zu lindern und als sanftes Beruhigungsmittel bei nervöser Unruhe. Die Samen besitzen zudem ätherische Öle, die antibakterielle und antientzündliche Eigenschaften entfalten können.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Koriander stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum und Westasien. Schon vor über 5.000 Jahren nutzten die alten Ägypter Koriandersamen. Sie fanden sich sogar in Pharaonengräbern wieder. In der antiken griechischen und römischen Küche gehörten sowohl Samen als auch Blätter zum Alltag. Römische Schriften berichten, dass Koriander in zahlreichen Gewürzmischungen verwendet wurde, und im alten China galt er als Heilpflanze gegen Verdauungsbeschwerden.
Auch in der traditionellen indischen Ayurveda-Lehre hat Koriander einen festen Platz: Hier wurde er genutzt, um das „Vata“ zu beruhigen, also Luft- und Bewegungsaspekte im Körper zu harmonisieren. In der europäischen Volksmedizin trank man früher Koriandertee bei Magenkrämpfen oder gab gemahlene Samen in Bädern gegen Hautreizungen. Seine Verwendung reicht also weit über den bloßen Geschmack hinaus und ist in vielen Kulturen ein fester Bestandteil von Küche und Heilkunde.
In der Ernährung
Koriander ist ein echtes Küchenwunder. Sowohl die frischen grünen Blätter als auch die reifen braunen Samen lassen sich kulinarisch vielseitig verwenden. Die Blätter schmecken frisch, zitronig und leicht pfeffrig und passen hervorragend zu Salaten, Dips, Salsa, Currys oder als frische Kräuterkrone auf Suppen. Die Samen hingegen haben ein warmes, nussiges und leicht zitrusartiges Aroma und werden oft geröstet oder gemahlen in Gewürzmischungen wie Garam Masala, Curry-Pulver oder Za’atar verwendet.
Essbare Teile sind die zarten Blätter, Stängel und Samen. Die Blätter enthalten Vitamin C, Vitamin K und eine Reihe sekundärer Pflanzenstoffe, die antioxidativ wirken können. Die Samen sind reich an Ballaststoffen, ätherischen Ölen und enthalten zudem kleine Mengen an Magnesium und Eisen.1
Ein traditionelles Gericht aus den Kanaren ist eine frische, grüne Sauce mit Koriander: Mojo verde.
Mojo verde
In der grünen Variante der roten Paprikasauce spielt frisches Koriandergrün eine Hauptrolle. Serviere die aromatische Mojo Verde zusammen mit kanarischen Salzkartoffeln (Papas Arrugadas) oder als kühl-würzigen Dip zu buntem Grillgemüse.

Heilende Anwendungen
Koriander enthält ätherische Öle wie Linalool, die in Studien eine antimikrobielle Wirkung gezeigt haben2 und traditionell zur Unterstützung der Verdauung genutzt werden. Experimentelle Untersuchungen legen nahe, dass Korianderextrakte dabei helfen können, den Blutzuckerspiegel zu regulieren und leichte Entzündungen zu mindern.3
In der traditionellen Verwendung trinkt man Koriandertee, um Blähungen und Völlegefühl zu lindern.4 Auch bei nervöser Unruhe, leichten Schlafproblemen oder Appetitlosigkeit wurde Koriandertee empfohlen.5
Die Samen enthalten vor allem ätherische Öle (z. B. Linalool), Flavonoide und Ballaststoffe. Diese Verbindungen können antioxidativ und antimikrobiell wirken6 sowie die Verdauungsenzyme anregen.
Koriandertee
Bei Verdauungsbeschwerden kann ein lauwarmer Koriandertee aus zerdrückten Samen helfen. Dazu gibst du 1–2 Teelöffel Samen in heißes Wasser, lässt es 10 Minuten ziehen und trinkst den Sud langsam.
Hinweis: Bei empfindlichen Personen können Koriander oder Korianderöl Hautreaktionen oder Allergien auslösen. In hohen Dosen kann es zu Magenreizungen kommen. Schwangere sollten sehr hohe Dosen ätherischer Öle meiden. Allergiker mit Kreuzreaktionen zu anderen Doldenblütlern (z. B. Sellerie) sollten vorsichtig sein.
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Kosmetische Anwendungen, Haushalt und Garten
Koriander lässt sich auch äußerlich anwenden: Ein selbstgemachter Ölausszug mit Koriander kann die Haut beruhigen und erfrischen. Dafür gibst du frische Blätter in ein helles, leichtes Trägeröl (z. B. Jojoba- oder Mandelöl), lässt es einige Wochen ziehen und seihst es dann ab. Dieses Öl kann als mildes Massageöl oder zur Pflege trockener Hautpartien dienen.
Als sanfter Zusatz im Badewasser kann ein Teesud aus Koriandersamen entspannen. Aufgrund seiner antibakteriellen Eigenschaften kann Koriander in DIY-Gesichtsreinigern oder Tonics Verwendung finden – allerdings immer gut verdünnt und vorher am kleinen Hautareal getestet.
Im Haushalt helfen zerriebene Samen mit ihrem Duft gegen unangenehme Gerüche, und im Garten kann Koriander als einjähriges Kraut Schädlinge vertreiben oder nützliche Insekten wie Bienen anziehen.
Aussehen und Erkennungsmerkmale

Koriander ist eine einjährige, krautige Pflanze mit glatter, hohler Sprossachse.
- Blätter: Die unteren Blätter sind kräftig grün und fein gefiedert, fast wie kleine Farnblätter. Die oberen Blätter sind schmaler und weniger tief geteilt.
- Blüten: Kleine, weiße bis blassrosa Blüten erscheinen in lockeren Dolden im Sommer.
- Samen: Nach der Blüte entwickeln sich runde, braune Samen mit ausgeprägten Längsrippen.
- Geruch: Frisch hat die Pflanze einen intensiven, zitronig-würzigen Duft; zerreibst du die Blätter, entweicht das charakteristische Aroma sofort.
- Standort und Lebensraum: Koriander wächst am besten an sonnigen, warmen Standorten mit durchlässigem Boden. Er kommt in Gärten, auf Äckern oder verwildert an Feldrändern vor.
- Blütezeit: Meist zwischen Juni und August, abhängig von Klima und Standort.
- Sammeltipps: Die jungen Blätter erntest du am besten vor der Blüte. Für Samen lässt du die Pflanzen ausreifen, bis sie vollständig braun werden, und schneidest die Dolden ab, um sie zu trocknen.
Verwechslungen sind selten, aber junge Korianderpflanzen könnten mit Petersilie verwechselt werden. Am Duft und an der fein gefiederten Blattstruktur erkennst du Koriander sicher.
Anbautipps
Koriander lässt sich gut im Garten oder in Töpfen auf dem Balkon ziehen. Er bevorzugt sonnige bis halbschattige Plätze und einen lockeren, humusreichen Boden. Achte darauf, dass der Boden nicht zu schwer oder zu nass ist. Staunässe verträgt Koriander nicht gut.
Du kannst direkt im Frühling, sobald keine Frostgefahr mehr besteht, Samen in Reihen aussäen. Die Keimung dauert meist 1–3 Wochen. Wenn du die Blätter ernten möchtest, solltest du regelmäßig junge Triebe schneiden, so bleibt die Pflanze buschig und bildet weniger schnell Blüten. Für Samen lässt du einzelne Pflanzen bis zur vollkommenen Reife stehen. Ein gelegentliches Düngen mit organischem Kompost unterstützt gesundes Wachstum.
- Naehrwertrechner zu Koriander. Zuletzt aufgerufen am 30.12.2025 ↩︎
- Kačániová, M., Galovičová, L., Ivanišová, E., Vukovic, N. L., Štefániková, J., Valková, V., Borotová, P., Žiarovská, J., Terentjeva, M., Felšöciová, S. & Tvrdá, E. (2020). Antioxidant, Antimicrobial and Antibiofilm Activity of Coriander (Coriandrum sativum L.) Essential Oil for Its Application in Foods. Foods, 9(3), 282. ↩︎
- Sanjaya Kumar Y. R., Deepak Lamba, Shruti Khanduri, Srikanth N. (2025) Potential of Coriandrum sativum in management of diabetes and
hyperlipidemia: a comprehensive review of pharmacological evidence
and mechanisms. Department Central Council for Research in Ayurvedic Sciences, New Delhi, India ↩︎ - Mahleyuddin, N. N., Moshawih, S., Ming, L. C., Zulkifly, H. H., Kifli, N., Loy, M. J., Sarker, M. M. R., Al-Worafi, Y. M., Goh, B. H., Thuraisingam, S. & Goh, H. P. (2021). Coriandrum sativum L.: A Review on Ethnopharmacology, Phytochemistry, and Cardiovascular Benefits. Molecules, 27(1), 209. ↩︎
- Neuroprotective effects of Coriandrum sativum and its constituent, linalool: A review. (2021). PubMed. ↩︎
- Omar, A., Barakat, M., Alzaghari, L. F., Abdulrazzaq, S. B., Hasen, E., Chellappan, D. K. & Al-Najjar, M. A. A. (2024). The effect of Jordanian essential oil from coriander seeds on antioxidant, anti-inflammatory, and immunostimulatory activities using RAW 246.7 murine macrophages. PLoS ONE, 19(8), e0297250. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Aromatisches einjähriges Kraut mit fein gefiederten Blättern und würzigen Samen
- Lateinischer Name
- Coriandrum sativum
- Andere Namen
- Böbberli, Calander, Coriander, Kalanner, Krapenkörner, Luppi, Pöperli, Stinkdill, Wanzenkraut, Wanzendill, Schwindelkörner, arabische Petersillie, chinesische Petersilie, Dhania
- Familie
- Doldenblütler (Apiaceae)
- Erntemonate
- Mai - Sep
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Samen, Stiel
- Blattform
- gefiedert
- Blütenfarbe
- rosa, weiß
- Fundorte
- Gärten, Felder, Beete, Balkontöpfe, vereinzelt verwildert
- Verwechslungsgefahr
- Kann jung mit Petersilie verwechselt werden, erkennbar am Duft
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Allergiker vorsichtig, ätherische Öle in hoher Konzentration meiden
- Inhaltsstoffe
- Aldehyde, ätherische Öle, Ballaststoffe, Flavonoide, Kampferöl, Linalool
- Eigenschaften
- antibakteriell, verdauungsfördernd
- Hilft bei
- Blähungen, Verdauungsprobleme
- Erkennung / Sammeltipps
- Duftige, fein gefiederte Blätter; junge Blätter vor Blüte ernten, Samen reifen lassen
- Anbau
- Sonnig, locker, regelmäßig ernten oder Samen reifen lassen














Den Koriandertee bei Verdauungsbeschwerden kenne ich auch schon – er ist wirklich eine Wohltat und hilft mir oft sehr.
Es ist so schön zu lesen, wie vielfältig Koriander noch eingesetzt werden kann;
den Ölauszug für die Haut möchte ich demnächst auch mal probieren.
Wenn man den Koriander lässt, vermehrt er sich kräftig im Garten.
Die noch “grünen” Samenkapseln schmecken hervorragend und sind sicherlich ein gesundes “Superfood”.
Meine Hühner sind total begeistert.
Ich liebe Koriander und habe einen Platz im Kräuterbeet – ich lasse ihn sich einfach selbst aussäen und er kommt problemlos in jedem Frühjahr zurück .