Persischer Ehrenpreis
Der Persische Ehrenpreis (Veronica persica) ist eines dieser „Beet-und-Wegrand-Kräuter“, die im frühen Jahr plötzlich überall auftauchen und mit ihren himmelblauen Blüten sofort nach Frühling aussehen. Im Alltag nutzt du ihn vor allem als essbares Wildkraut in kleinen Mengen, weil er mild, aber leicht herb schmecken kann. Als Heilpflanze steht er im Schatten des Echten Ehrenpreises (Veronica officinalis), wird aber in der Volksheilkunde ähnlich eingeordnet: eher sanft, eher begleitend, oft rund um Hals, Husten und „unruhige“ Haut.
Herkunft, Geschichte, kulturelle Bedeutung
Der Persische Ehrenpreis wurde zum ersten Mal im frühen 19. Jahrhundert beschrieben und gilt heute in Deutschland als Neobiota – also als Art, die sich durch menschlichen Einfluss außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsraums etabliert hat. Dass er so allgegenwärtig wirkt, hängt genau damit zusammen: Er hat sich in vom Menschen geprägten Landschaften besonders wohlgefühlt, etwa in Gärten, auf Äckern, an Wegen und in Weinbergen.
In der Ernährung
Kulinarisch ist der Persische Ehrenpreis ein freundlicher Einstieg in die Welt der Wildkräuter, weil du ihn fast das ganze Jahr über irgendwo findest – und weil Blätter und Blüten grundsätzlich essbar sind. Trotzdem lohnt sich ein „weniger ist mehr“-Ansatz: Viele Gartenquellen empfehlen, ihn nur in kleineren Mengen zu essen, damit die leichte Herbheit nicht dominiert und dein Magen ihn gut verträgt. Besonders schön sind die Blüten als essbare Deko, weil sie optisch viel geben, aber geschmacklich sanft bleiben.
Essbar sind vor allem junge Blätter. Die jungen Blätter schmecken am mildesten, während ältere Blätter oft deutlich herber werden. Wenn du ihn in die Küche holst, passt er am besten als kleine Beigabe: Du kannst zum Beispiel einen Frühlingssalat mit milden Blättern (Feldsalat, Babyspinat) machen und den Persischen Ehrenpreis nur darüberstreuen – eher wie ein Gewürz, nicht wie die Hauptzutat.
Heilende Anwendungen
Traditionell werden Ehrenpreis-Arten, also auch Veronica persica, häufig im Umfeld von Atemwegen, Husten und entzündlichen Reizungen erwähnt – oft als Tee, als Gurgelwasser oder äußerlich als Umschlag/Waschung.1 Das ist als Überlieferung gut dokumentiert, aber es ersetzt keine klinischen Belege.
Wissenschaftlich gut greifbar sind vor allem die Inhaltsstoffe. Für Veronica-Arten werden immer wieder Iridoid-Glykoside wie Aucubin und Catalpol genannt, außerdem Flavonoide, Saponine und Gerbstoffe.2
Ehrenpreis-Tee
Ein Ehrenpreis-Tee kann bei einem gereizten Hals als warmes Getränk angenehm sein, und als Gurgellösung kann ein abgekühlter Aufguss im Mund- und Rachenraum wohltuend wirken. Die volksheilkundlichen Anwendungen gehen weiter und umfassen auch Magen-Darm-Beschwerden, „Frühjahrsreinigung“, Gicht und rheumatische Beschwerden.
Viele weitere Tipps und Rezepte für Wild- und Heilkräuter findest du auch in unseren Büchern:
Erkennung und Sammeltipps

Wenn du den Persischen Ehrenpreis sicher erkennen willst, achte auf die Kombination aus kriechendem bis aufsteigendem Wuchs, rundlich-eiförmigen, grob gezähnten Blättern und den typischen einzelnen, lang gestielten Blüten in den Blattachseln. Er wirkt oft „teppichartig“ und ist in Beeten und an Wegen so häufig, dass du ihn schnell wiedererkennst, sobald du einmal bewusst hingeschaut hast.
- Die Pflanze wächst einjährig oder überwintert einjährig und breitet sich niederliegend bis aufsteigend aus; im Unterschied zu manchen anderen Ehrenpreis-Arten wurzeln die Stängel dabei in der Regel nicht einfach an jeder Stelle.
- Der Stängel ist kraus behaart und wächst liegend oder leicht aufsteigend.
- Am niederliegenden Stängel bilden sich keine Wurzeln.
- Die Blätter sind rundlich bis eiförmig, meist grob gezähnt und eher matt, mit zerstreuter Behaarung.
- Die Blüten sitzen einzeln in den Blattwinkeln und sind auffällig lang gestielt; die Krone ist blau mit dunkler Aderung und hellem Schlund.
- Die Blütezeit kann sehr lang sein; in vielen Quellen wird sie von sehr früh im Jahr bis weit in den Herbst beschrieben, in milden Regionen teils sogar außerhalb dieser Spanne.
- Typische Standorte sind nährstoffreichere, gestörte Böden: Gartenbeete, Äcker, Wege, Weinberge; er wird oft als „Lehmzeiger“ beschrieben.
Mögliche Verwechslungspartner sind andere kleine Ehrenpreis-Arten, etwa Feld-, Acker- oder Efeu-Ehrenpreis. Für die Küche ist das meist kein Drama, weil Ehrenpreis-Arten allgemein nicht als giftig bekannt sind, aber für ein sauberes Profil lohnt sich die genaue Bestimmung trotzdem.
So kannst du ihn von anderen Ehrenpreisen unterscheiden:
- Der Stängel des Fadenehrenpreis bewurzelt bei Bodenkontakt.
- Gamander-Ehrenpreis hat eiförmige Blätter und bildet eine vielblütige Traube aus Blüten.
- Echter Ehrenpreis bildet Blütentrauben und wurzelt an den Stängelknoten.
- Glänzender Ehrenpreis hat kleinere und glänzende Blätter.
Bedingungen für kultivierten Anbau
Wenn du den Persischen Ehrenpreis „kultivieren“ willst, brauchst du ihn meist gar nicht zu säen – er kommt oft von selbst. Entscheidend ist eher, wie du mit ihm umgehst: Wenn du ihn als essbaren Beikraut-Teppich im Garten tolerierst, lass ein paar Pflanzen an ruhigen Stellen stehen und hacke dort nicht ständig alles um. Er wächst an vielen Standorten gut, besonders auf nährstoffreicheren Böden, und er mag warme, geschützte Ecken. Im Topf funktioniert er ebenfalls, wenn du ihm normale Kräutererde gibst und nicht dauernd vernässt – er ist keine Sumpfpflanze. Für die Ernte schneidest du einfach die jungen Triebspitzen und Blüten ab, am besten morgens, wenn alles trocken ist, und nutzt sie frisch.
- Bahare Salehi et. al., (2019). Veronica Plants—Drifting from Farm to Traditional Healing, Food Application, and Phytopharmacology. Molecules, 24(13), 2454 ↩︎
- Rositsa Mihaylova et. al, (2022). Targeting Inflammation with Natural Products: A Mechanistic Review of Iridoids from Bulgarian Medicinal Plants. Molecules, 30(17), 3456; https://doi.org/10.3390/molecules30173456 ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- niedriges, kriechend bis aufsteigend wachsendes Wildkraut mit himmelblauen, dunkel geaderten Blüten
- Lateinischer Name
- Veronica persica
- Andere Namen
- Allerweltsheil, Grindheil, Hühnerraute, Kommwiederkraut, Männertreu, Veronika, Katzenäuglein
- Familie
- Wegerichgewächse
- Erntemonate
- Feb - Okt
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Triebe
- Blattform
- herzförmig, rundlich
- Blütenfarbe
- blau
- Fundorte
- Gärten, Äcker, Wege, Weinberge
- Verwechslungsgefahr
- Andere Ehrenpreisarten
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- wie bei Wildpflanzen erst kleine Mengen testen und nur an sauberen Standorten sammeln
- Warnungen
- bei anhaltenden Beschwerden medizinisch abklären, in Schwangerschaft/Stillzeit vorsichtig mit Heilkräutern
- Inhaltsstoffe
- Aucubin, Bitterstoffe, Catalpol, Flavonoide, Gerbstoffe, Iridoiden, Saponine
- Eigenschaften
- schleimlösend, stoffwechselanregend, verdauungsfördernd
- Hilft bei
- Frühjahrsmüdigkeit, Hautprobleme, Husten, Mundschleimhautentzündungen
- Erkennung / Sammeltipps
- grob gezähnte, rundlich-eiförmige Blätter, einzelne lang gestielte blaue Blüten in den Blattwinkeln
- Anbau
- meist Selbstaussaat, wächst an vielen Standorten














Das mit dem Juckreiz kann ich persönlich sehr gut nachvollziehen – ein simpler Aufguss hat mir da schon prima geholfen, gerade wenn die Haut im Winter wieder zickt. Es ist so schön, diese alten Hausmittel wieder mehr wertzuschätzen und ihre Wirkung neu zu entdecken.
Liebe Kostbare Natur, das klingt wirklich spannend! Ich frage mich, ob ihr den Persischen Ehrenpreis auch schon mal in einem herbstlichen Salat probiert habt und wie er sich da geschmacklich macht. Gerne würde ich da ein bisschen experimentieren, bevor der Schnee kommt.
Herzliche Grüße, GoldLocke
der latainische Name ist im Steckbrief: Lateinischer Name Veronica persica
Quelle: https://www.kostbarenatur.net/anwendungen-und-inhaltsstoffe/persischer-ehrenpreis/?utm_source=brevo&utm_campaign=KN%20409%2009082025&utm_medium=email&utm_id=279
Copyright © kostbarenatur.net
Es wäre gut wenn ihr noch den lateinischen Namen dazu nehmen könntet. Denn der dem Volke bekannte Name ist von Ort zu Ort, von Familie zu Familie und von Land zu Land verschieden