Gemeines Leinkraut

Das Leinkraut ist wunderschön aber nicht besonders schmackhaft. Dennoch kann es in bei Leiden wie Hämorrhoiden und Verstopfung helfen!

Das Echte Leinkraut (Linaria vulgaris Mill.) leuchtet dir im Hochsommer an sonnigen Wegrändern mit seinen fröhlichen, gelb-orangen Blüten entgegen. Viele Naturbegeisterte kennen die Wildpflanze auch als wildes Löwenmaul oder Frauenflachs. In der Naturheilkunde schätzt man das Kraut vor allem als bewährtes traditionelles Hausmittel bei Hämorrhoiden, Krampfadern und leichten Hautirritationen. Zudem regt es sanft die Verdauung sowie die Nierentätigkeit an und wirkt mild wassertreibend. In der naturnahen Küche dienen die zarten Blüten als essbare Dekoration, während Wildbienen die nektarreichen Kelche anfliegen. So vereint dieses robuste Wildkraut Hausapotheke, sanfte Hautpflege und wertvollen Nutzen für die Artenvielfalt direkt vor deiner Haustür.

Herkunft, Geschichte und alte Überlieferungen

Das Echte Leinkraut stammt ursprünglich aus den gemäßigten Breiten Eurasiens und besiedelt seit Jahrhunderten sonnige Schotterflächen und Ackerränder. In der europäischen Heilkunde besitzt es eine lange Tradition. Bedeutende Kräutergelehrte der Renaissance wie Hieronymus Bock und Leonhart Fuchs beschrieben die Pflanze im 16. Jahrhundert ausführlich in ihren Werken. Hieronymus Bock empfahl das Kraut ausdrücklich wegen seiner reinigenden und drüsenanregenden Wirkung bei Verstopfung sowie zur Bereitung lindernder Umschläge gegen quälende Hämorrhoidalleiden.1

Auch in der christlich geprägten Volkskultur fand die Pflanze ihren festen Platz: Sie trug Namen wie „Unserer Lieben Frauen Bettstroh“, da man glaubte, Maria habe dem Christuskind daraus ein weiches, schützendes Lager bereitet. Mütter legten das getrocknete Kraut in Wiegen, um Neugeborene vor bösen Geistern und Krankheiten zu bewahren. Im Volksglauben galt der Frauenflachs zudem als wirksames Schutzmittel gegen Verhexung. Vor der Erfindung moderner Farbstoffe nutzten Weber die intensiv gelben Blüten außerdem zum Färben von feinen Leinen- und Wollstoffen.

Leinkraut in der naturnahen Ernährung

Auch wenn das Leinkraut primär als Heilpflanze bekannt ist, bereichert es deine Wildkräuterküche mit einer feinherben, würzigen Note. Essbar sind vor allem die noch zarten, jungen Triebspitzen im Frühjahr sowie die frisch geöffneten Blüten im Sommer. Ältere Stängelblätter schmecken zunehmend bitter und werden faserig, weshalb du sie beim Sammeln besser meidest. Das Kraut liefert deinem Körper wertvolles Vitamin C, zellschützende Flavonoide, Kieselsäure sowie stoffwechselanregende Mineralstoffe wie Kalium. Da die Pflanze in geringen Spuren Alkaloide enthält, genießt du sie am besten wohlportioniert als frischen Akzent und nicht als Hauptgemüse.

Wildkräuterbutte mit Leinkraut

Eine aromatische Rezeptidee ist selbstgemachte Wildkräuterbutter: Hacke eine Handvoll frischer Blüten und weicher Triebspitzen fein und vermenge sie mit zimmerwarmer Sauerrahmbutter, etwas Zitronenabrieb und feinem Steinsalz. Auf frisch geröstetem Bauernbrot schmeckt dieser Aufstrich angenehm würzig.

Heilende Anwendungen

Die Heilkraft des Leinkrauts beruht auf einem reichhaltigen Zusammenspiel sekundärer Pflanzenstoffe. Zu den Hauptwirkstoffen zählen Flavonglykoside wie Linarin und Pectolinarin, entzündungshemmende Iridoidglykoside wie Antirrinosid, adstringierende Gerbstoffe, Schleimstoffe sowie Fruchtsäuren. In winzigen Spuren kommt das Alkaloid Peganin vor.2

In der traditionellen Volksheilkunde gilt Leinkraut seit Generationen als verlässliche Hilfe bei schmerzhaften Hämorrhoiden, Krampfadern und Venenschwäche. Hierfür setzt man lindernde Sitzbäder, Waschungen oder selbst gerührte Salben ein.

Wissenschaftlich belegt sind diese volksheilkundlichen Wirkungen bisher nur auf Zellebene. Zwar fehlen kontrollierte klinische Studien am Menschen, experimentelle Laboruntersuchungen bestätigen den isolierten Flavonoiden jedoch deutliche entzündungshemmende, antimikrobielle und radikalfangende Effekte.3 4 Diese Resultate stützen die traditionelle äußerliche Anwendung bei entzündeten Geweben und Hautreizungen.

Leinkraut-Tee

Innerlich trank man Teeaufgüsse aus Leinkraut historisch gegen träge Verdauung, leichte Leber- und Gallebeschwerden sowie zur Anregung des Harnflusses bei Reizblase.

Dafür werden die Blütentriebe gesammelt und frisch oder getrocknet als Tee aufgegossen. Einen Teelöffel Leinkraut pro Tasse Tee mit kochendem Wasser aufgießen und fünf Minuten ziehen lassen.

Für einen leichten Erfrischungstee im Sommer übergießt du einen Esslöffel frische Blüten zusammen mit einigen Blättern Pfefferminze mit heißem Wasser und lässt das Getränk nach dem Abkühlen mit Eiswürfeln als spritzigen Durstlöscher ziehen.

Hinweis: Zu hoch dosierte Teeaufgüsse können die Magenschleimhaut reizen und Übelkeit oder Durchfall auslösen. Schwangere, Stillende und Kleinkinder dürfen Leinkraut innerlich nicht anwenden, da keine ausreichenden Unbedenklichkeitsdaten vorliegen.

Leinkraut-Tinktur

Statt des Tees kann aus dem Kraut auch eine Tinktur hergestellt werden. Die Tinktur wird traditionell empfohlen bei Magenschleimhautentzündung.

Leinkraut-Tinktur

Kosmetische Anwendungen, Haushalt und Garten

Für die Hautpflege kommt das Leinkraut ausschließlich äußerlich zur Anwendung. In der überlieferten Pflanzenkosmetik beruhigen kühlende Kompressen mit warmem Blütenaufguss gereizte Hautpartien, mildern sonnenbedingte Rötungen und verfeinern unreine Haut. Verantwortlich für diese Wirkung sind zusammenziehende Gerbstoffe und hautberuhigende Flavonoide, die das Gewebe kräftigen und Mikroentzündungen dämpfen.

Ein hervorragendes Hausmittel für deine Hausapotheke ist eine selbst gerührte Leinkraut-Salbe. Erwärme dafür eine Handvoll frischer Blüten sanft in 100 Millilitern Bio-Mandel- oder Olivenöl im Wasserbad für etwa 30 Minuten, ohne das Öl zu kochen. Seiht das Auszugsöl durch ein sauberes Tuch ab, schmilz zehn Gramm reines Bienenwachs darin und fülle den flüssigen Balsam in kleine Glastiegel. Diese Salbe pflegt raue Hautstellen, beruhigt juckende Hautrötungen und verschafft Linderung bei gereizten Hämorrhoiden.

Leinkraut-Salbe selber machen

Es kann auch eine Salbe mit Leinkraut hergestellt werden, diese wird besonders bei Hämorrhoiden und schlecht heilenden Wunden angewandt. In diesem verlinkten Beitrag erfährst du wie.

Erkennung und Sammeltipps

Das Leinkraut ist wunderschön aber nicht besonders schmackhaft. Dennoch kann es in bei Leiden wie Hämorrhoiden und Verstopfung helfen!
Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé [Public domain, GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Auf den ersten Blick erinnert das Echte Leinkraut an ein zierliches Garten-Löwenmaul, das sich im Hochsommer karge Schotterflächen erobert. Seine zweifarbigen Blüten sind unverwechselbar und machen das Bestimmen im Freiland unkompliziert.

  • Wuchsform und Höhe: Mehrjährige, krautige Pflanze mit straff aufrechten, meist unverzweigten Stängeln, die eine Wuchshöhe von 20 bis 60 Zentimetern erreichen.
  • Blattform und Anordnung: Schmale, linealisch bis lanzettliche Blätter, die ungestielt und wechselständig dicht gedrängt am Stängel sitzen. Sie erinnern stark an die Blätter von Flachs.
  • Farbe und Beschaffenheit der Blätter: Bläulich-grün bis graugrün gefärbt, kahl und auf der Oberfläche mit einem zarten Wachsfilm versehen.
  • Charakteristisches Erscheinungsbild: Auffällige Blütenkrone mit maskiertem Gaumen und einem geraden, spitzen Sporn an der Basis. Die Kronblätter leuchten schwefelgelb, während der gewölbte Gaumen der Unterlippe dottergelb bis kräftig orange gefärbt ist.
  • Blütezeit: Zuverlässig von Juni bis in den späten Oktober hinein.
  • Geruch und Wurzel: Beim Zerreiben der Pflanzenteile entweicht ein schwach grasig-würziger Geruch. Unter der Erde bildet die Pflanze ein weit kriechendes, verzweigtes Rhizom aus.
  • Natürlicher Lebensraum: Bevorzugt warme, trockene und vollsonnige Standorte mit steinigen Böden wie Bahndämme, Wegränder, Kiesgruben und Böschungen.
  • Tipps zur sicheren Bestimmung und Verwechslungsgefahr: Vor der Blüte ähnelt der Austrieb der giftigen Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias). Der sichere Test: Knicke ein Blatt an. Leinkraut besitzt klaren Pflanzensaft, während Wolfsmilch dichten, giftigen Milchsaft absondert. In der Blütezeit ist das Leinkraut unverwechselbar.
  • Sammeltipps: Schneide das blühende obere Krautdrittel an trockenen Vormittagen mit einer scharfen Schere ab. Sammle nur kräftige Pflanzen abseits von stark befahrenen Straßen.

Anbautipps

Das Echte Leinkraut bereichert jeden Steingarten, sonnige Magerbeete oder Pflanzkübel auf dem Südbalkon als pflegeleichte Wildstaude. Die Pflanze verlangt einen vollsonnigen, warmen Standort und einen mageren, durchlässigen Boden mit hohem Sand- oder Feinkiesanteil. Schwere, lehmige Erde oder gar Staunässe bringen die Wurzeln schnell zum Faulen. Zusätzlichen Dünger benötigt das Kraut nicht, da ein Übermaß an Nährstoffen die Stängel weich und instabil macht.

Für den Balkonanbau wählst du einen mindestens zwanzig Zentimeter tiefen Topf mit gutem Wasserabzug und magerer Kräutererde. Die Vermehrung gelingt mühelos über Samen, die du im Herbst oder zeitigen Frühjahr direkt flach ins Freiland säst, da es sich um Lichtkeimer handelt. Alternativ teilst du im Frühling einfach ein bestehendes Rhizom. Die Erntezeit erstreckt sich über die gesamte Blüteperiode von Juli bis September. Ein beherzter Rückschnitt nach der ersten Hauptblüte regt einen frischen zweiten Flor an und dämmt eine übermäßige Selbstaussaat zuverlässig ein.

  1. Bock, Hieronymus (1539/1546): New Kreütter Bůch von Underscheydt, Würckung und Namen der Kreütter. Wendel Rihel, Straßburg. ↩︎
  2. Cheriet, T., et al. (2015): Chemical constituents and biological activities of the genus Linaria. In: Natural Product Research, 29(16), S. 1489–1512. DOI: 10.1080/14786419.2014.999243. ↩︎
  3. Roman, I., et al. (2008): Assessing the antioxidative properties and chemical composition of Linaria vulgaris (Scrophulariaceae) infusion. In: Acta Biologica Hungarica, 59(2), S. 241–248. DOI: 10.1556/ABiol.59.2008.2.11. ↩︎
  4. Kuang, W., Zhang, X., & Lan, Z. (2018): Flavonoids extracted from Linaria vulgaris protect against hyperlipidemia and hepatic steatosis induced by western-type diet in mice. In: Archives of Pharmacal Research, 41(12), S. 1190–1198. DOI: 10.1007/s12272-017-0941-y. ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Das Leinkraut ist, wenn überhaupt, eher als Zierpflanze denn als Heilkraut bekannt. Mit den kleinen, gelben Löwenmaulblüten sieht es auch sehr hübsch aus und man sieht dieser zarten Blume nicht an, dass sie sehr bitter und unangenehm schmeckt. Aus diesem Grund ist sie nicht zum Verzehr geeignet. In der Volksmedizin führt das Leinkraut als Heilkraut eher ein Randdasein. Dabei hat es einige wertvolle Inhaltsstoffe, die bei der Heilung so mancher Krankheiten eine gute Unterstützung leisten können.
Lateinischer Name
Linaria vulgaris
Andere Namen
Kleines Löwenmaul, gelbes Löwenmaul, Echtes Leinkraut, Lammkraut, Feigblätterkraut, Wilder Flachs, Froschmaul, Hasenmäuler, Flachskraut, Frauenflachs, Harnkraut, Kathrinenblume, Kathrinenkraut, Gelbes Löwenmaul, Maulaffen
Familie
Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Erntemonate
Jul - Sep
Verwendbare Pflanzenteile
Blüten
Blattform
nadelförmig
Blütenfarbe
gelb
Fundorte
trockene Wegränder, Böschungen, Schotterhalden
Verwechslungsgefahr
Eventuell mit dem Löwenmäulchen, das aber auch ungiftig ist.
Giftigkeit
ungiftig
Warnungen
Schwangere sollten das Leinkraut nur äußerlich nutzen.
Inhaltsstoffe
Ameisensäure, Apfelsäure, Gerbsäure, Glykosid Linarin, Gummi, Linarin, organische Säuren, Peganin, Zitronensäure
Eigenschaften
abführend, entgiftend, entzündungs­­hemmend, harntreibend
Hilft bei
Augenröte, Fisteln, Geschwüre, Hämorrhoiden, Harnsteine, Harnwegs­­entzündungen, Hautentzündungen, Juckreiz, Krebs, Magen­schleimhaut­entzündungen, Nierensteine, Ödeme, Verstopfung, Wassersucht, Wunden

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