Afrikanische Teufelskralle
Die Afrikanische Teufelskralle (Harpagophytum procumbens), ist vor allem für ihre entzündungshemmenden und schmerzstillenden Eigenschaften bekannt. In der modernen Naturheilkunde wird sie hauptsächlich zur unterstützenden Behandlung von Verschleißerscheinungen am Bewegungsapparat, wie Arthrose oder Rückenschmerzen, eingesetzt. Doch auch als Bittermittel zur Anregung der Verdauung hat sie sich bewährt.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Die Geschichte der Teufelskralle ist tief im südlichen Afrika verwurzelt, insbesondere in der Kalahari-Wüste und den Savannen von Namibia, Botswana und Südafrika. Für die indigenen Völker der Region, wie die San (oft als Buschleute bezeichnet), ist die Pflanze seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil ihrer Medizin. Sie nutzten die extrem bitteren Wurzeln nicht nur bei Gelenkbeschwerden, sondern auch zur Behandlung von Fieber, Hautproblemen und Magen-Darm-Leiden.
In Europa wurde die Pflanze erst Anfang des 20. Jahrhunderts bekannter, als der deutsche Kolonialsoldat G.H. Mehnert beobachtete, wie ein einheimischer Heiler einen Patienten mit den Wurzeln behandelte. Er brachte Proben nach Deutschland, wo die wissenschaftliche Erforschung begann. Der Name „Teufelskralle“ klingt dramatisch, bezieht sich aber schlicht auf die verholzten Früchte. Diese besitzen lange Arme mit Widerhaken, die sich im Fell von Tieren oder an den Füßen von Wanderern festkrallen, um so die Samen zu verbreiten. Für die Tiere ist das oft eine schmerzhafte Angelegenheit, was der Pflanze ihren „teuflischen“ Ruf einbrachte.
In der Ernährung
Die bittere Note der Teufelskralle macht sie zu einem ungewöhnlichen Würzkraut in der Küche. Dafür werden getrocknete und zerkleinerte Blätter und Wurzeln verwendet. Für eine schnelle und einfache Dosierung lassen sich die getrockneten Pflanzenteile in einer Gewürzmühle aufbewahren. Der würzige Geschmack passt unter anderem zu Salaten, Kräuterbutter, Kräutersalz und Würzessig.
Heilende Anwendungen
Wissenschaftlich gesehen ist die Teufelskralle eine der am besten untersuchten Heilpflanzen. Studien belegen, dass Inhaltsstoffe wie Harpagosid, Harpagid und Procumbid (sogenannte Iridoidglykoside) entzündungsfördernde Enzyme im Körper hemmen können. Dies macht sie zu einer Option bei degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Arthrose1 oder bei chronischen Rückenschmerzen2.
In der Volksheilkunde wird sie zudem bei Appetitlosigkeit und leichten Magen-Darm-Beschwerden geschätzt, da die Bitterstoffe den Fluss der Magensäure und Galle anregen.3 Man sollte jedoch Geduld mitbringen: Die volle Wirkung auf die Gelenke entfaltet sich oft erst nach einer mehrwöchigen, kontinuierlichen Anwendung.
Gefahren und Kontraindikationen: Aufgrund der anregenden Wirkung auf die Verdauungssäfte darf die Teufelskralle nicht angewendet werden, wenn du unter Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren leidest. Bei Gallensteinleiden solltest du vor der Einnahme unbedingt Rücksprache mit einem Arzt halten. Schwangere, Stillende und Kinder sollten sicherheitshalber auf die Anwendung verzichten, da hierzu keine ausreichenden Studien vorliegen.
Teufelskrallentee
Übergieße etwa einen Teelöffel (ca. 4,5 g) der fein geschnittenen Wurzel mit 300 ml kochendem Wasser. Da die Wirkstoffe Zeit brauchen, lass den Tee am besten 8 Stunden bei Raumtemperatur ziehen und seihe ihn dann ab. Über den Tag verteilt in kleinen Schlucken trinken.
Wegen des intensiven Eigengeschmacks empfiehlt es sich die Teufelskralle mit anderen Kräutern, die ähnlich wirken, wie Pfefferminze oder Kamille, zu kombinieren.
Kosmetische Anwendungen, Haushalt und Garten
In der Hautpflege wird die Teufelskralle vor allem wegen ihrer beruhigenden und regenerativen Eigenschaften geschätzt. Äußerlich angewendet können Tinkturen oder Ölauszüge bei kleineren Hautentzündungen, Schuppenflechte oder Ekzemen helfen. Die enthaltenen Flavonoide wirken als Antioxidantien und schützen die Hautzellen vor Stress.
Teufelskrallen-Tinktur
Eine heilkräftige Tinktur lässt sich leicht selber machen, du brauchst dafür nur wenige Zutaten und etwas Geduld.
Teufelskrallen-Öl
Mit der Afrikanischen Teufelskralle lässt sich auch leicht ein heilender Ölauszug selber machen. Alles was du dafür brauchst ist Teufelskralle und ein zu deinem Hauttyp passendes Pflanzenöl.
Tipp: Den Ölauszug kannst du weiterverarbeiten, um eine praktische Heilsalbe herzustellen.

Erkennung und Sammeltipps

Die Afrikanische Teufelskralle ist eine mehrjährige, am Boden kriechende Pflanze. Sie wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, bis man ihre beeindruckenden Blüten oder die namensgebenden Früchte entdeckt.
- Wuchsform: Prostrat am Boden kriechend, mit Trieben, die bis zu 1,5 Meter lang werden können.
- Blätter: Sie sind gestielt, graugrün, fleischig und tief gelappt oder gezähnt.
- Blüten: Trompetenförmig, etwa 4 bis 6 cm groß, in wunderschönen Farben von Rosa über Rot bis Purpur mit einem gelblichen Schlund.
- Wurzel: Sie besitzt eine tiefe Primärwurzel und bis zu 60 cm lange, knollige Sekundärwurzeln, die als Wasserspeicher dienen.
- Früchte: Die charakteristischen „Krallen“ – verholzte Kapseln mit langen, hakenbesetzten Auswüchsen.
Verwechslungsgefahr und Sammeltipps: In Europa gibt es die heimische Gattung der Teufelskrallen (Phyteuma), die zu den Glockenblumengewächsen gehört. Diese haben botanisch nichts mit der afrikanischen Art zu tun und besitzen keine vergleichbare Heilwirkung. Da die Afrikanische Teufelskralle in der Wüste wächst, wirst du sie bei uns nicht wild finden. Die Wildsammlung in Afrika ist zudem problematisch, da die Bestände durch Übernutzung bedroht sind. Achte beim Kauf daher unbedingt auf Produkte aus nachhaltigem Anbau oder zertifizierter Wildsammlung.
Bedingungen für kultivierten Anbau
Der Anbau im eigenen Garten ist in unseren Breitengraden eine echte Herausforderung, da die Pflanze das heiße, trockene Klima der Kalahari gewohnt ist. Dennoch kannst du es auf dem Balkon oder im Gewächshaus versuchen.
- Standort: Extrem sonnig und warm. Im Winter muss die Pflanze unbedingt frostfrei und fast trocken im Haus überwintert werden.
- Boden: Sehr sandig, durchlässig und nährstoffarm. Kakteenerde ist gut geeignet.
- Dünger: Nur sehr sparsam während der Wachstumsphase im Sommer.
- Aussaat: Die Samen keimen nur bei konstant hohen Temperaturen (über 23°C) und brauchen viel Geduld (bis zu zwei Monate Keimzeit). Eine Ernte der Wurzeln ist bei uns meist erst nach mehreren Jahren möglich, weshalb die Kultivierung eher ein Hobby für Pflanzenliebhaber ist.
- Leblan, D., et al. (2000). Harpagophytum procumbens in the treatment of knee and hip osteoarthritis. Four-month results of a prospective, multicenter, double-blind trial. Joint Bone Spine. ↩︎
- Gagnier, J. J., et al. (2004). Harpagophytum procumbens for osteoarthritis and low back pain: a systematic review. BMC Complementary and Alternative Medicine. ↩︎
- EMA Assessment Report on Harpagophytum procumbens DC. and/or Harpagophytum zeyheri Decne., radix. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Kriechende Wüstenpflanze mit auffälligen rosa Blüten und hakenbewehrten Früchten.
- Lateinischer Name
- Harpagophytum procumbens
- Andere Namen
- Teufelskralle, Trampelklette
- Familie
- Sesamgewächse (Pedaliaceae)
- Erntemonate
- Mrz - Apr
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Wurzeln
- Blattform
- eiförmig
- Blütenfarbe
- rosa
- Fundorte
- In den Savannen im südlichen Teil von Afrika auf lehmigen und sandigen Böden
- Verwechslungsgefahr
- Europäische Teufelskralle (Phyteuma – wirkungslos)
- Giftigkeit
- ungiftig
- Warnungen
- Nicht einnehmen bei Geschwüren im Magen-Darm-Trakt, in der Schwangerschaft und Stillzeit. Bei Gallensteinleiden ist ärztliche Rücksprache angeraten. Möglich ist eine erhöhte Blutungsneigung bei längerer oder hochdosierter Anwendung der Teufelskralle.
- Inhaltsstoffe
- Bitterstoffe, Flavonoide, Glykoside, Triterpene, ungesättigte Fettsäuren
- Eigenschaften
- entzündungshemmend, gallenflussfördernd, magensaftanregend, schmerzlindernd, verdauungsfördernd
- Hilft bei
- Appetitlosigkeit, Arthrose, Gelenkentzündungen, Rückenschmerzen, Verdauungsbeschwerden
- Erkennung / Sammeltipps
- Nur über Fachhandel beziehen (Artenschutz!).
- Anbau
- Schwierig; braucht viel Wärme, Sandboden und Frostschutz.




