Echte Mispel
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Die aus Asien stammende Mispel wurde ursprünglich von den Römern nach Europa gebracht. Schon Karl der Große erkannte die Heilwirkung der Mispel und verpflichtete Klöster, diese in ihren Gärten zu kultivieren. In den Kräuterbüchern des Mittelalters wurde sie als Mittel gegen Nierensteine und zur Wundheilung gepriesen. Die kältetolerante Mispel wächst bis etwa 1.000 Meter Seehöhe und bezaubert mit ihren großen Blüten und den wohlschmeckenden Früchten. Wenn die anderen Bäume bereits abgeerntet sind, kann man nach dem ersten Frost Mispeln direkt vom Baum naschen und für die weitere Verarbeitung sammeln.

Steckbrief

Lateinischer Name Mespilus germanica
Andere Namen Asperl, Deutsche Mispel, Mispelche, Nispel, Nespoli, Hespelein, Dürgen, Dörrlitzen, Hundsärsch, Steinapfel, Hespelein, Blitzerl, Espelbaum, Esperling
Familie Rosengewächse (Rosaceae)
Erntemonate Mrz-Jun, Sep, Nov-Dez
Verwendbare Pflanzenteile Blätter, Früchte, Rinde
Blattform lanzettlich
Blütenfarbe weiß
Fundorte Streuobstwiesen, Hecken
Verwechslungs­gefahr Mit der schmackhaften japanischen Wollmispel und der giftigen Zwergmispel (Cotoneaster)
Giftigkeit ungiftig
Warnungen Unreife Früchte können Magenbeschwerden verursachen
Besondere Inhaltsstoffe Apfelsäure, Beta Carotin, Gerbstoffe, Pektin, Vitamin B2, Zitronensäure
Eigenschaften antibakteriell, cholesterinsenkend, entzündungs­­hemmend, harntreibend, stopfend
Hilft bei Arterienverkalkung, Darmentzündungen, Darmkatarrh, Durchfall, Harnwegs­­entzündungen, Mandelentzündungen, Nierenentzündungen, Zahnfleischentzündungen

Anwendungen

Die Mispel wirkt stark verdauungsfördernd und entzündungshemmend, wodurch sie bei Durchfall und Entzündungen des Mund- und Rachenraumes eingesetzt wird. Aufgrund ihres hohen Pektingehalts eignen sich die Früchte besonders für das Einkochen und man kann sparsamer mit dem Gelierzucker sein.

Wintermarmelade

Mit Mispeln und den Vitamin-C-reichen Hagebutten kannst du einen gesunden und leckeren Brotaufstrich herstellen.

Dafür benötigst du:

  • 500 g reife Mispelfrüchte
  • 500 g Hagebutten, ebenfalls nach dem ersten Frost geerntet
  • 250 – 500 ml Apfelsaft
  • 750 g Gelierzucker
  • 2 EL Zitronensaft

So gelingt dir die Rosengewächs-Konfitüre:

  1. Hagebutten von Stiel und Ansatz, Mispeln von Ansatz und Kernen befreien.
  2. Hagebutten und Mispeln in 250 ml Apfelsaft weichkochen.
  3. Durch ein feines Sieb streichen.
  4. Die Masse mit Apfelsaft auf ein Kilogramm aufwiegen.
  5. Mit Gelierzucker und Zitronensaft etwa vier Minuten kochen.
  6. Gelierprobe machen.

In sterilisierte Gläser abgefüllt, ist die Marmelade mindestens ein Jahr lang haltbar.

Heilende Anwendungen

Hildegard von Bingen empfahl Mispelfrüchte sowohl Gesunden als auch Kranken für den Muskelaufbau und die Blutreinigung.

Speziell roh gegessene Mispeln wirken durch die enthaltenen Gerbstoffe bei Durchfall und Blasenentzündung. Die enthaltenen Pektine können Gallensäure binden und dadurch das Cholesterin senken. Zudem hat Pektin ein hohes Wasserbindungs- und Quellvermögen und wirkt dadurch verdauungsfördernd.

Die Ito-Thermie, eine therapeutische Massagetechnik aus Japan, verwendet Mispelblätter während der Heilanwendung. Die Anwendung erfolgt mit erhitzten Blättern in speziellen Metallhülsen. Die Selbstheilungskräfte des Körpers sollen so gestärkt und Schmerzen gelindert werden.

Mundspülung mit Mispelrinde

Zahnfleischentzündungen und Verletzungen der Mundschleimhaut sind unangenehm und etwa 80 Prozent der europäischen Bevölkerung leiden mindestens einmal im Leben darunter. Schnelle Linderung verspricht hier oft eine Gurgellösung, zum Beispiel mit dieser Mispelspülung:

  1. 50 g getrocknete Mispelrinde (bevorzugt im März, April oder September sammeln) mit einem Liter Wasser ansetzen.
  2. Zehn Minuten köcheln lassen.
  3. Abseihen und etwas abkühlen lassen.

Morgens und abends mit dem zimmerwarmen Aufguss gurgeln, aber darauf achten, dass du die Flüssigkeit nicht schluckst!

Gesichtspflege mit Mispelblättern

Speziell grobporige und zu Entzündungen neigende Haut profitiert von einem Gesichtswasser mit Mispelblättern, die du von April bis Juni sammeln kannst.

  1. Frische Blätter mörsern und mit destilliertem Wasser auffüllen.
  2. Über Nacht ziehen lassen, am nächsten Morgen abseihen und in eine Pumpflasche füllen.
  3. Nach der Gesichtsreinigung morgens und abends aufsprühen und nicht abwaschen.

Das Gesichtswasser solltest du nur in kleinen Mengen herstellen und nicht länger als zwei Wochen im Kühlschrank lagern.

Fast vergessene Anwendungen

Unreife Mispelfrüchte, Blätter und Borke enthalten viel Gerbsäure, weshalb sie früher öfter zum Gerben verwendet wurden.

Außerdem fügte man Mispelfrüchte zu Apfel- oder Birnenmost hinzu, um diesen länger haltbar zu machen.

Mehr Informationen und Rezepte für die Mispel und 35 andere Pflanzen findest du in unserem Buchtipp:

Erkennung und Sammeltipps

Die ursprünglich sehr beliebte Mispel ist stark von Apfel- und Birnenbäumen verdrängt worden. Dabei ist der bis zu sechs Meter hohe Baum eine Augenweide. Er hat eine ausladende Krone und wächst oft genauso breit wie hoch. Ende Mai bis Anfang Juni leuchten die bis zu fünf Zentimeter großen Blüten und die aparten Früchte hängen bis in den Winter am Baum. Die Früchte sind ursprünglich hart und ungenießbar, was ihnen den Namen “Steinapfel” eingebracht hat. Nach dem ersten Frost wird das Wildobst teigig und weich und besticht mit säuerlich-fruchtigem Geschmack.

In frostfreien Gebieten werden die Früchte entweder in der Tiefkühltruhe “nachgereift” oder einige Wochen auf Stroh gelagert. Dann kann die Mispelfrucht roh genossen werden oder zu Konfitüre, Gelee, Saft und Likör verarbeitet werden.

Früher war die Mispel sehr beliebt, wurde im Laufe der Zeit aber von Birnen und Äpfeln verdrängt. Finde heraus, warum du die gesunde Frucht nutzen solltest!
  • Die Mispel wird zwei bis sechs Meter hoch. Die Jungtriebe sind filzig behaart und tragen Dornen.
  • Die bis zu 5 Zentimeter großen Blüten wachsen einzeln an den Jungtrieben.
  • Die bis zu 15 Zentimeter langen Blätter sind elliptisch.
  • Die Unterseite der Blätter ist behaart.
  • Die Blüte hat 5 weiße Blütenblätter mit roten Staubbeuteln.
  • Die zwei-bis drei Zentimeter großen Früchte haben deutlich erkennbare Kelchblätter.
  • Unreife Früchte sind anfangs grün bis goldbraun und hart.
  • Nach Frosteinwirkung werden die Früchte braun und weich und können im November und Dezember geerntet werden.
  • Die Frucht enthält 5 Samen.

Die Echte Mispel wird in Geschäften kaum angeboten, hier findet man eher die ebenfalls essbare Japanische Wollmispel, die oft auch unter dem Namen “Loquat” zu finden ist. Die orangen Früchte erinnern an Aprikosen.

Gefährlicher wird da schon die Verwechslung mit der Zwergmispel, die in allen Teilen giftig ist. Der besser als “Cotoneaster” bekannte Bodendecker hat allerdings keinerlei Ähnlichkeit mit der Echten Mispel.

Anbautipps

Die Echte Mispel lässt sich aus Kernen ziehen, die dem weichen Fruchtfleisch entnommen werden. Sie benötigen allerdings eine Frostperiode um zu keimen. Hierfür sät man sie entweder direkt im Freiland an die gewünschte Stelle oder legt sie den Winter über in das Tiefkühlfach. Mispelkerne können sich allerdings bis zu zwei Jahre Zeit lassen, bis sie beginnen zu keimen.

Mittlerweile sind in Spezial-Baumschulen und -gärtnereien Mispelpflanzen zu beziehen, die dann im Frühjahr gepflanzt werden können. Viele der Mispeln sind veredelt, daher empfiehlt es sich genau nachzufragen, welche Sorte angeboten wird.

Mispelbäume lieben es sonnig mit locker-durchlässigem Boden. Sie sind recht unkompliziert in der Pflege und brauchen nur geschnitten zu werden, wenn die Krone zu dicht wird. Da die Früchte an den Jungtrieben reifen, kann ein Rückschnitt die Ernte stark reduzieren.

Achtung:

Der Besuch dieser Seite kann nicht den Besuch beim Arzt ersetzen. Ziehe bei ernsthaften oder unklaren Beschwerden unbedingt deinen Arzt oder Apotheker zu Rate!