Wermut
Der Wermut (Artemisia absinthium) ist eine Pflanze, die bereits durch ihren intensiven, aromatischen Duft und die silbrig-grau glänzenden Blätter auffällt. Wenn du dich mit heimischen Kräutern beschäftigst, kommst du an diesem kraftvollen Korbblütler nicht vorbei. Seine Hauptanwendung findet er traditionell in der Unterstützung der Verdauungsorgane, wobei er besonders für seine extremen Bitterstoffe bekannt ist. Diese Stoffe regen die Produktion von Verdauungssäften an und helfen dir dabei, schwere Speisen besser zu verwerten. Seine Wirkung ist vor allem appetitanregend, gallenflussfördernd und krampflösend im Bereich des Magen-Darm-Traktes.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Die Geschichte des Wermuts reicht weit in die Antike zurück und ist eng mit dem Namen der Jagdgöttin Artemis verknüpft, die der Pflanzengattung ihren Namen lieh. Schon die alten Ägypter schätzten das Kraut im Papyrus Ebers als Mittel gegen Würmer und zur Linderung von Schmerzen. Im Mittelalter war der Wermut fester Bestandteil der Klostergärten. Die berühmte Gelehrte Hildegard von Bingen bezeichnete ihn als den „Master der Erschöpfung“ und empfahl den sogenannten Wermutwein als Elixier zur Stärkung des Immunsystems und der inneren Organe. Sie nutzte ihn vor allem für Menschen, die unter Appetitlosigkeit oder einer schwachen Verdauung litten.
In der Volksheilkunde galt Wermut lange Zeit als Allheilmittel. Er wurde nicht nur bei Magenbeschwerden, sondern auch zur Förderung der Menstruation oder zur Abwehr von Insekten eingesetzt. Berühmt und berüchtigt wurde die Pflanze jedoch im 19. Jahrhundert durch den Absinth. Künstler wie Vincent van Gogh oder Henri de Toulouse-Lautrec konsumierten den „grünen Engel“, um ihre Kreativität zu steigern. Dass der Absinth damals oft gesundheitsschädlich war, lag jedoch weniger am Wermut selbst, sondern an minderwertigem Alkohol und giftigen Zusatzstoffen. Heute wissen wir, dass Wermut in moderaten Mengen ein sicheres und hochwirksames Heilkraut ist, das eine Brücke zwischen antiker Mythologie und moderner Pflanzenheilkunde schlägt.
Wermut in der Ernährung
Obwohl der Wermut für seinen extrem bitteren Geschmack bekannt ist, spielt er in der feinen Küche eine interessante Rolle als Appetitanreger. Du solltest ihn jedoch sehr sparsam dosieren, da er andere Aromen schnell überlagert. Essbar sind vor allem die jungen Triebspitzen und die Blätter, die vor oder während der Blüte geerntet werden. In der modernen Ernährung wird er weniger als klassisches Gemüse, sondern eher als funktionelles Gewürz betrachtet. Er enthält ätherische Öle sowie wichtige Mineralstoffe, die den Stoffwechsel unterstützen können, wobei der Fokus klar auf den sekundären Pflanzenstoffen liegt.
Gewürzsalz
Für ein herzhaftes Wermut-Gewürzsalz kannst du getrocknete Wermutblätter fein mörsern und mit grobem Meersalz mischen – das passt hervorragend zu fettem Fleisch oder schweren Eintöpfen, da es die Fettverdauung anregt.
Lauwarmer Wermuttee als Aperitif
Wermut schmeckt extrem bitter, weshalb nur wenige Menschen ihn als Tee genießen. Einen angenehm bitteren Aperitif erhältst du, wenn du ½ Teelöffel Wermutkraut mit kochendem Wasser aufgießt und nur eine Minute ziehen lässt.
Heilende Anwendungen und Wirkungsweise
Wermut ist eine der bittersten Pflanzen unserer Flora, was auf die enthaltenen Sesquiterpenlactone wie Absinthin zurückzuführen ist. Wissenschaftlich belegt ist die Wirkung dieser Bitterstoffe auf die Geschmacksnerven der Zunge, was reflektorisch die Ausschüttung von Speichel, Magensäure und Gallenflüssigkeit fördert. Dadurch hilft Wermut effektiv bei Blähungen, Völlegefühl und leichten Krämpfen.1 Neben den Bitterstoffen enthält die Pflanze ätherisches Öl mit Thujon, das in hohen Dosen kritisch zu betrachten ist, in medizinischen Mengen aber antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften besitzt.
In der Volksheilkunde wird Wermut zudem bei Leberbeschwerden und zur Anregung des gesamten Stoffwechsels eingesetzt. Auch nach einer überstandenen Krankheit kann er helfen, die Lebensgeister und den Appetit wieder zu wecken.
Wermuttee
Wermuttee lässt sich einfach selbst zubereiten und natürlich nutzen. Wermut wächst an sonnigen Standorten und gilt als klassische Bitterpflanze. Seine Bitterstoffe können die Verdauung unterstützen und den Appetit anregen. Mit selbst gemachtem Wermuttee nutzt du eine traditionelle Heilpflanze ohne unnötige Zusatzstoffe.

Hinweis: Wermut darf nicht während der Schwangerschaft oder Stillzeit eingenommen werden, da er die Gebärmutter stimulieren kann. Auch bei Magengeschwüren oder Gallensteinen ist Rücksprache mit einem Arzt notwendig. Eine Überdosierung oder eine zu lange Anwendung über mehr als zwei bis drei Wochen sollte vermieden werden, um das Nervensystem nicht durch das enthaltene Thujon zu belasten.
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Kosmetik, Haushalt und Garten
Auch außerhalb der Hausapotheke ist der Wermut ein nützlicher Begleiter. Äußerlich angewendet wirkt ein starker Absud aufgrund der enthaltenen Gerbstoffe und ätherischen Öle leicht desinfizierend und durchblutungsfördernd. In der Volksheilkunde wurden Wermut-Kompressen früher bei Prellungen oder schlecht heilenden Wunden genutzt, um die Regeneration der Haut zu unterstützen. Heute findet man Wermutextrakte gelegentlich in Fußcremes, da sie helfen können, Schweißbildung zu reduzieren und müde Füße zu beleben.
Im Haushalt und Garten zeigt der Wermut seine Qualitäten als natürlicher Schutzgeist. Der starke Geruch vertreibt Kleidermotten, wenn du getrocknetes Kraut in kleinen Säckchen in den Schrank hängst.2
Im Garten ist ein Wermut-Auszug (eine Jauche oder ein Tee) ein hervorragendes Mittel gegen Blattläuse, Milben und Ameisen. Er wirkt zudem als Barriere gegen den Rostpilz bei Johannisbeeren, wenn er in deren Nähe gepflanzt wird.
Wermuttinktur
Eine Wermuttinktur selbst herzustellen ist eine einfache Möglichkeit, regionale Heilpflanzen natürlich zu nutzen. Seine Bitterstoffe können die Verdauung unterstützen und den Appetit anregen.

Erkennung und Sammeltipps

Wermut ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die im Laufe der Jahre an der Basis verholzt und eine stattliche Höhe von bis zu 150 Zentimetern erreichen kann. Er wirkt insgesamt sehr hell und fast silbrig-weiß, was ihn im Garten oder in der Natur leicht erkennbar macht.
- Wuchsform: Aufrecht wachsender Halbstrauch mit verzweigten, leicht kantigen Stängeln.
- Blätter: Die Blätter sind fiederspaltig und auf beiden Seiten silbrig-grau behaart. Diese weiche Behaarung dient der Pflanze als Schutz vor Verdunstung.
- Blüten: Von Juli bis September erscheinen unscheinbare, gelbliche Blütenköpfchen, die in rispigen Blütenständen angeordnet sind.
- Geruch: Beim Zerreiben der Blätter strömt ein sehr intensiver, würzig-herber Duft aus.
- Wurzel: Die Pflanze besitzt einen kräftigen, verzweigten Wurzelstock.
Sicher bestimmen kannst du den Wermut durch seinen charakteristischen Duft und die Farbe. Eine Verwechslungsgefahr besteht am ehesten mit dem Gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris). Dieser hat jedoch Blätter, die auf der Oberseite dunkelgrün und nur auf der Unterseite weiß-filzig sind, während der Wermut beidseitig grau ist. Du findest ihn an sonnigen, trockenen Standorten, auf Schuttplätzen, an Wegrändern oder auf steinigen Hängen. Gesammelt wird das Kraut zur Blütezeit im Hochsommer, indem man die oberen Triebspitzen abschneidet.
Anbautipps
Wermut ist eine ideale Pflanze für sonnige, eher nährstoffarme Plätze im Garten oder im großen Kübel auf dem Balkon. Er liebt Kalk und kommt mit Trockenheit wunderbar zurecht, was ihn zu einer pflegeleichten Wahl in Zeiten heißer Sommer macht. Du solltest ihn im Frühjahr zurückschneiden, damit er kompakt bleibt und nicht zu stark verholzt. Da der Wermut über seine Wurzeln Stoffe abgibt, die das Wachstum einiger Nachbarpflanzen hemmen können, solltest du ihm etwas Platz gönnen oder ihn gezielt als Schutzpflanze neben Beerensträucher setzen. Er lässt sich leicht über Samen im Frühjahr oder durch Stecklinge im Sommer vermehren. Eine Düngung ist kaum notwendig; eine Handvoll Kompost im Frühjahr reicht völlig aus.
- EMA/HMPC/751490/2016 Corr. 1 – European Union herbal monograph on Artemisia absinthium L., herba. ↩︎
- Judzentiene A. (2010). Wormwood (Artemisia absinthium L.) Oils. Essential Oils in Food Preservation, Flavor and Safety ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Silbrig-grauer Halbstrauch mit aromatischem Duft und gelben Blüten
- Lateinischer Name
- Artemisia absinthium
- Andere Namen
- Absinth, Gemeiner Wermut, Echter Wermut, Heilbitter, Magenkraut, Wiegenkraut, Bitterer Beifuß,Wurmtod, Artenheil, Bitterhals, Alsem, Krampfkraut, Hilligbitter, Kampferkraut, Wermutkraut, Wiegenkraut
- Familie
- Korbblütler (Asteraceae)
- Erntemonate
- Jun - Aug
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Triebe
- Blattform
- fiederteilig
- Blütenfarbe
- gelb
- Fundorte
- Felsen, Weinbergen, Schuttplätze, Wegränder, Schafweiden, Autobahnen
- Verwechslungsgefahr
- Gemeiner Beifuß (dieser ist oberseits grün)
- Giftigkeit
- teilweise giftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- In hohen Dosen neurotoxisch (Thujon)
- Warnungen
- Nicht in der Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Magengeschwüren anwenden
- Inhaltsstoffe
- Absinthin, Artemisinin, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Thujon
- Eigenschaften
- entzündungshemmend, gallenflussfördernd, verdauungsfördernd
- Hilft bei
- Blähungen, Blutungen, Gallenschwäche, Nierenprobleme, Verdauungsprobleme, Würmer
- Erkennung / Sammeltipps
- Blütezeit Juli bis September; die oberen 20 cm der Triebe ernten
- Anbau
- Sonnig, trocken, kalkhaltig; Rückschnitt im Frühjahr empfohlen















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