Weißbeerige Mistel (giftig)
Die Weißbeerige Mistel (Viscum album) ist eine ganz besondere Pflanze: Sie wächst nicht eigenständig im Boden, sondern schmarotzt: Sie „zapft“ Bäume als Wirt an und bezieht Wasser und Nährstoffe von ihnen. Schon seit Jahrhunderten wird sie in der Volksheilkunde und Naturmedizin verwendet. Man schreibt ihr eine kräftigende Wirkung auf Kreislauf, Herz und Abwehrkräfte zu. Sie wird bis heute von manchen als begleitendes Heilmittel bei ernsthaften Erkrankungen wie Krebs eingesetzt. Gleichzeitig aber besitzt sie eine kräftige Wirkung, die man mit Respekt behandeln sollte.
Hinweis: Weder Blätter, Zweige noch Beeren sollten gegessen werden. Das schleimige Fruchtfleisch der Beeren ist zwar süßlich, doch enthalten alle Pflanzenteile giftige Stoffe wie Lektine und Viscotoxine.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Die Weißbeerige Mistel ist in Europa sowie in Teilen West‑ und Südasien heimisch. Ihre Lebensweise als Halbschmarotzer fasziniert Menschen seit jeher: Im Winter, wenn viele Bäume kahl sind, erscheinen mitten im Geäst die immergrünen Mistelkugeln: ein Symbol für Leben und Beständigkeit in der dunklen Jahreszeit.
In alten Kulturen galt die Mistel teils als geheiligte oder mystische Pflanze. Bei Völkern in Europa und dem Mittelmeerraum wurde sie mit Fruchtbarkeit, Schutz, Heilung und magischer Kraft verbunden. Manche Heilkundige des Mittelalters, etwa Mönche in Klöstern, nutzten Mistelpräparate als Hausmittel. Besonders bekannt wurde die Mistel im 20. Jahrhundert wieder durch die sogenannte „Misteltherapie“, wie sie in der anthroposophischen Medizin etabliert wurde – mit dem Ziel, Erkrankungen wie Krebs unterstützend zu begleiten.
Heilende Anwendungen
Die Mistel ist eine der bekanntesten Heilpflanzen. Aber gerade, weil sie kräftige Inhaltsstoffe enthält (etwa Lektine, Viscotoxine, Flavonoide, Peptide), muss ihre Anwendung mit Wissen und Vorsicht erfolgen.
Moderne Forschung – sowohl Labor- als auch Tierversuche – zeigt, dass Extrakte der Mistel immunstimulierende, anti‑entzündliche und antioxidative Eigenschaften besitzen können.1 In vielen Studien wird untersucht, ob Mistelpräparate bei Krebs die Lebensqualität verbessern und Nebenwirkungen von Chemotherapie mildern können. Manche Präparate zielen darauf ab, das Immunsystem zu aktivieren und das Wohlbefinden zu stärken.
Es gibt Hinweise, dass Mistel‑Extrakte im Labor die Teilung von Krebszellen hemmen können – doch: Für eine verlässliche Wirksamkeit beim Menschen gibt es bis heute keine ausreichenden, allgemein anerkannten Belege.2
Traditionell setzte man Mistel bei Bluthochdruck, Herz‑ und Kreislaufproblemen, Schwindel, Gelenkbeschwerden und nervösen Beschwerden ein. Manche überlieferte Anwendungen bezogen sich auf Epilepsie oder Krampfzustände, Neuralgien oder Menstruationsbeschwerden. Auch zur Unterstützung bei Herzschwäche oder bei arteriosklerotischen Beschwerden war sie beliebt.
Anwendung im Haushalt
Paaren soll es Glück bringen, wenn sie sich unter einer Mistel küssen. Dieser aus England und Nordamerika stammende Brauch findet auch bei uns immer mehr Freunde. Deshalb werden zur Weihnachtszeit Misteln häufig unter Durchgängen und Haustüren angebracht.
Erkennung und Sammeltipps

Die Mistel ist ein immergrüner Halb‑Schmarotzer – das heißt, sie lebt auf einem Wirtbaum und entzieht diesem Wasser und Nährstoffe, betreibt aber selbst Photosynthese.
- Die Pflanze bildet wirre, kugelförmige oder büschelartige Polster im Geäst des Wirts — häufig bei Laub‑ oder Nadelbäumen wie Apfel, Pappel, Linde, Weißdorn, Kiefer oder Tanne.
- Äste und Zweige sind fest im Baum verankert über spezielle Saugwurzeln (Haustorien), die bis in das Leitgewebe des Wirts reichen.
- Die Blätter sind paarweise gegenständig angeordnet, länglich‑oval bis etwas bandförmig, ledrig und dauerhaft grün. Sie sind etwa 2–5 cm lang und rund 0,8–2 cm breit.
- Die Blüten sind unauffällig, klein und gelblich‑grün; sie werden meist von Insekten bestäubt.
- Die Früchte erscheinen als weiße oder leicht gelbliche Beeren – typischerweise im Herbst bzw. Winter. Die Beeren sind schleimig und enthalten meist einen zähen, klebrigen Samen.
Mögliche Verwechslungspartner sind andere halbparasitäre Pflanzen oder Mistel‑Arten. Wichtig ist, dass die Form des Wuchses (kugelförmig im Geäst), die immergrünen, oppositen Blätter und die weißen Beeren zusammen ein sicheres Identifikationsbild ergeben.
Vermehrung
In der freien Natur vermehrt sich die Mistel durch Vögel, insbesondere Drosseln. Die Vögel fressen die Früchte und Samen landen mit dem Kot auf dem Wirtsbaum.
- Szurpnicka, A., Kowalczuk, A. & Szterk, A. (2020). Biological activity of mistletoe: in vitro and in vivo studies and mechanisms of action. Archives Of Pharmacal Research, 43(6), 593–629. ↩︎
- Mistelpräparate zur Krebstherapie. (Zuletzt aufgerufen 10.12.2025). Krebsinformationsdienst. https://www.krebsinformationsdienst.de/mistel ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Immergrüner Halbparasiten‑Strauch mit ledrigen, oppositen Blättern, bildet kugelförmige Polster im Geäst von Wirtsbäumen, trägt weiße Beeren.
- Lateinischer Name
- Viscum album
- Andere Namen
- Donarbesen, Drudenfuß, Gespensterrute, Hexenbesen, Leimmistel, Marenzacken, Vogelmistel
- Familie
- Sandelholzgewächse (Santalaceae)
- Erntemonate
- Jan - Mrz, Nov - Dez
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Triebe
- Blattform
- länglich eiförmig
- Blütenfarbe
- gelb
- Fundorte
- In Europa und Teilen West‑ und Südasien; häufig auf Weich‑ und Laubbäumen sowie Nadelbäumen wie Apfel, Pappel, Linde, Weißdorn, Kiefer, Tanne, oft in Baumkronen.
- Verwechslungsgefahr
- Möglich mit anderen wurzelnden Parasiten oder Mistel‑Arten — Bestimmung nur durch Kombination von Merkmalen (Wuchsform, Blätter, Beeren, Standort).
- Giftigkeit
- giftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Ja: Blätter und Zweige enthalten Lektine und Viscotoxine, Beeren ebenfalls potentiell giftig.
- Warnungen
- Nicht roh verzehren; nicht als Tee oder Selbstmedikation ohne fachliche Anleitung verwenden; bei Verdacht auf Vergiftung sofort ärztliche Hilfe suchen.
- Inhaltsstoffe
- Cyclitole, Flavonoide, Kaffeesäurederivate, Lignane, Mistellektine, Peptide, Phenylpropane, Polysaccharide, Viscotoxine
- Eigenschaften
- antikarzinogen, antioxidativ, blutdrucksenkend, blutstillend, entzündungshemmend, immunstimulierend, krampflösend
- Hilft bei
- Gelenkentzündungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzbeschwerden, hoher Blutdruck, Krebs, niedriger Blutdruck, Schwindel
- Erkennung / Sammeltipps
- Nur bei klarer Bestimmung sammeln; bevorzugt im Winter, wenn Bäume kahl sind und Mistelkugeln gut sichtbar sind. Hände und Mund Fernhalten!
- Anbau
- Nicht geeignet für Garten oder Balkon ohne lebenden Wirtsbaum; daher praktisch kein Eigenanbau empfohlen.














In Flemish heißt es MARETAK !
In unsere Familie ist es unsere Familienname: M R T K : Mien Rika Tijs Klaas.
Kommt es nicht auch darauf an, auf welchem Baum die wächst? Je nachdem hat sie verschiedene Kräfte meines Wissens.
Liebe Linda,
ja das ist im Prinzip richtig! Je nach Wirtsbaum sind die verschiedenen Inhaltsstoffe mehr oder weniger stark ausgeprägt, sodass sich Misteln von bestimmten Bäumen besonders gut zur Behandlung dieser oder jener Beschwerden eignen. Es geht dabei aber nur um das Verhältnis der Wirkstoffe zueinander, und ihr allgemeines Wirkprofil behält die Mistel auch unabhängig von der Wirtspflanze. Am besten machen wir dazu mal einen speziellen Beitrag, der die Feinheiten zeigt 🌿
Liebe Grüße
Vielen Dank für die nützlichen Informationen. Ich stolpere fast täglich über Misteln.
Wie immer: Es kommt drauf an…
https://www.nabu-muenster.de/projekt-obstwiesenschutz/erhalt-durch-nutzung/misteln-bedrohen-die-streuobstbestände/
Ich finde nicht gut zu sagen, dass man seinen eigenen Baum mit Misteln infizieren sollte um sie im eigenen Garten zu halten. Misteln sind Halbschmarotzer und können dem Baum sehr schaden. Mein Mann ist Baumpfleger und berichtet ständig darüber, wie viele Bäume sie fällen müssen weil die Misteln sich so sehr ausbreiten.
Wenn du Misteln im eigenen Garten haben möchtest
Da steht “wenn”, und dass Misteln Parasiten sind, steht auch. Vielleicht möchten sich einige die Heilkräfte der Mistel aus dem eigenen Garten holen.
Ich würde gerne die Tinktur machen, bei uns gibt es keine Mistel
Da die Mistel nicht auf in der Erde wächst, d.h. den Boden nicht berührt gilt sie als unschuldige Pflanze, nicht von dieser Welt – daher gelten unter der Mistel andere Gesetze, die Gesetze unserer Welt (“das tut man nicht”) sind aufgehoben, und jeder, der möchte darf sich küssen unter der Mistel 🙂
Susanne vom TEILET.com Blog
Danke dir. Sehr aufschlussreich.