Linde
Die Linde (Winterlinde Tilia cordata, Sommerlinde Tilia platyphyllos) ist ein Baum, der in vielen Orten Europas unser Landschaftsbild prägt: Sei es als Alleebaum, im Park oder am Dorfplatz. Vor allem bekannt ist sie für ihre beruhigende, ausgleichende Wirkung in Tees und Auszügen. Die Lindenblüte wird seit Jahrhunderten genutzt, um bei Stress, Unruhezuständen oder leichten Beschwerden im Hals‑ und Kopfbereich wohltuend zu unterstützen. Gleichzeitig schätzen viele Menschen Lindenblüten‑Tee als sanftes, mildes Heißgetränk im Alltag. In der Volksheilkunde gilt die Linde als „Herzensbaum“: als Pflanze, die Ruhe und Harmonie in Körper und Geist fördern kann.
Herkunft, Geschichte, kulturelle Bedeutung
Die Linde ist in Europa heimisch und wächst seit der letzten Eiszeit in unseren Wäldern, Auen und Siedlungsbereichen. Schon die alten Germanen sahen in der Linde einen besonderen Baum. Sie galt als Versammlungsbaum, unter dem Recht gesprochen und Gemeinschaft gefeiert wurde. Auch in slawischen Regionen war sie Versammlungs‑ und Gerichtsort. Im Mittelalter verband man die Linde mit Schutz, Gemeinschaft und Gerechtigkeit.1
Heilkundlich sind Lindenblüten seit dem Mittelalter in Kräuterbüchern beschrieben. Hildegard von Bingen empfahl Lindenblütentee zur „Reinigung der Säfte“ und zur Beruhigung.2 In alten Apothekertexten des 16. und 17. Jahrhunderts wurde Lindenblüte als schweißtreibend und fiebersenkend beschrieben.
In der Ernährung
Du kannst die jungen, weichen Blätter der Linde pur essen und sie auch im Salat verwenden. Sie sind sehr mild und im Vergleich zu vielen Wildblättern reich an Proteinen, Mineralien und Chlorophyll. Auch die Blüten können direkt gegessen werden und Speisen dekorieren.
Honig mit Lindenblüten aromatisieren
Ein besonderes Aroma verleihen Lindenblüten dem Honig. Dafür eine Tasse Lindenblüten mit einem Glas Honig vermengen und die Blüten über Nacht im Honig ziehen lassen. Nach Belieben Speisen und Getränke damit süßen.
Heilende Anwendungen
Lindenblüten‑Extrakte werden traditionell genutzt bei leichten Erkältungen, zur Förderung der Entspannung und zur Beruhigung bei nervöser Unruhe.3 Studien weisen darauf hin, dass insbesondere die enthaltenen Flavonoide und ätherischen Öle Schleimhäute reizlindernd und mild entspannend wirken können.4
In der Volksmedizin gilt Lindenblütentee als „schweißtreibend“ bei fiebrigen Infekten oder als mildes Mittel bei Kopfschmerzen und nervöser Unruhe. Dies bedeutet nicht, dass Fieber „geheilt“ würde, aber die Begleiterscheinungen können subjektiv gelindert werden.
Lindentee
Der Tee aus Lindenblüten schmeckt sehr mild und riecht wie die Blüten zur Erntezeit. Wenn er durchgezogen ist, nimmt er eine warme, rotbraune Farbe an.
Für eine Tasse heißen Lindentee werden zwei Teelöffel frische Lindenblüten oder ein Teelöffel getrocknete Blüten mit 250 ml kochendem Wasser übergossen. Nach fünf bis zehn Minuten kann der Tee abgeseiht und getrunken werden. Eine Tagesdosierung von drei Tassen sollte nicht überschritten werden. Nicht dauerhaft über Wochen anwenden.
Ein kalter Lindentee wird aus einer Handvoll frischer oder einer halben Handvoll getrockneter Lindenblüten und einem Liter kaltem Wasser hergestellt. Für sechs bis acht Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.
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Lindentinktur
Die wertvollen Eigenschaften der Lindenblüten lassen sich auch gut in einer Tinktur nutzen. Eine Tinktur eignet sich hervorragend, um Kräuter zu konservieren und für die Weiterverwendung in Cremes, Tropfen, Hustensaft und anderen Heil- und Pflegeprodukten zu nutzen.
Für die Tinktur gibst du frische oder getrocknete Blüten in ein Schraubglas und übergießt sie mit Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind. Lasse die Mischung vier bis sechs Wochen im verschlossenen Glas ziehen. Danach abseihen und in einer dunklen Apothekerflasche verwahren.
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Kosmetische Anwendungen
Lindenblüten eignen sich auch äußerlich: Ein lauwarmer Lindenblütentee kann als schonender Gesichtsdampfbad bei gereizter Haut oder zur Entspannung angewendet werden. Die enthaltenen Flavonoide und ätherischen Öle können mild pflegend wirken.
Lindenblüten‑Ölauszug
Ein einfaches Hausmittel zum Selbermachen ist ein Lindenblüten‑Ölauszug: Getrocknete Blüten in ein helles Öl (z. B. Mandel‑ oder Jojobaöl) geben, einige Wochen an einem warmen Platz ziehen lassen und dann zum Massieren bei verspannter Muskulatur oder als Haaröl verwenden.
Lindeninhalation
Inhalieren mit Lindenblüten kann Erkältungen und Schnupfen lindern. Intensiviert wird die Wirkung der Inhalation, wenn du mehrere Heilkräuter verwendest. Eine gute Ergänzung sind Kamillenblüten, Salbeiblätter und Thymiankraut.
Erkennung und Sammeltipps

- Die Linde wird bis zu 35 Meter hoch und wächst überall in Europa.
- Typische Arten in Mitteleuropa sind die Winterlinde und die Sommerlinde. Die Sommerlinde blüht von Juni bis August, die Winterlinde ein paar Wochen später.
- Die Blätter der Linde sind unten oval und nach oben hin spitz zulaufend, insgesamt eher herzförmig. Junge Blätter sind hellgrün und werden im Sommer dunkelgrün. Die Blätter der Winterlinde werden nur bis zu sechs Zentimeter, die der Sommerlinde bis zu 15 Zentimeter lang. Beim Pflücken sind die dünnen und pelzigen Blätter zu empfehlen, weil die glatten und ledrigen Blätter einen eher bitteren Geschmack haben.
- Im Herbst färben sich die Blätter beider Lindenarten in ein helles Gelb, bevor sie zu Boden fallen.
- Die Blüten sind meist weiß-gelblich und bräunlich. Im vollen Blütenstand erinnern sie an Sonnenstrahlen. Sie sind erntereif, wenn sie ihren intensiven Duft verströmen. Dann ist die Konzentration der wertvollen Wirkstoffe am höchsten und die Blüten sollten innerhalb weniger Tage gepflückt werden. Du kannst sie leicht trocknen und für den Winter aufbewahren.
- Die Borke ist rissig und gräulich.
Verwechslungsgefahr besteht mit der lindenblättrigen Birke (Betula maximowicziana) , die der Familie der Birkengewächse zugeordnet wird. Diese Art der Birke ist eine ungiftige Zierpflanze, deren Blätter sich im Herbst intensiv gelb färben. Auch die Kaukasische Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia) kann aufgrund ihrer herzförmigen, gezackten Einzelblätter auf den ersten Blick mit der Linde verwechselt werden. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal sind jedoch die Früchte: Während die Linde einzelne Nüsschen an einem flügelartigen Hochblatt trägt, bildet die Flügelnuss lange, herabhängende Ketten aus geflügelten Nüsschen aus. Zudem sind die Blätter der Flügelnuss meist deutlich größer und sitzen an langen Blattstielen paarweise an einem gemeinsamen Mitteltrieb (fiedrig zusammengesetzt), was sie botanisch klar von der Linde unterscheidet.

Anbautipps
Beim Pflanzen einer Linde sollten sechs Meter Entfernung zur Grundstückgrenze sowie zu Gebäuden eingehalten werden, da die Linde nicht nur in die Höhe, sondern auch stark in die Breite wächst. Zum nächsten Baum ist ein Abstand von etwa 10 Metern sinnvoll, damit sich die Linde frei entfalten kann und Schädlingen das Übersetzen zwischen den Bäumen erschwert wird.
Die Linde kann im Frühjahr gepflanzt werden, allerdings muss der Boden bereits frostfrei sein. Sie benötigt einen halbschattigen Platz, zum Beispiel in einer Gruppe mit anderen Bäumen, um sich richtig wohl zu fühlen.
- Barbara Simonsohn. (2025) Die Linde – Baum der Heilung und Harmonie: Rezepte und Anwendungen für Gesundheit, Kosmetik und Küche. Kompakt-Ratgeber ↩︎
- Ortrun Riha (Übersetzer) (2012) Heilsame Schöpfung – Die natürliche Wirkkraft der Dinge: Physica (Hildegard von Bingen-Werke). Beuroner Kunstvlg ↩︎
- European Medicines Agency. (2012) Assessment report on Tilia cordata Miller, Tilia platyphyllos Scop., Tilia x vulgaris Heyne or their mixtures, flos. ↩︎
- Zhou, Y., Ren, Q. & Shen, Y. (2024). Comprehensive review of Tilia L .: phytochemical profiles, edible value, therapeutic potentials, and ecological significance. Food & Medicine Homology., 2(2), 9420035. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Großer Laubbaum mit herzförmigen Blättern und duftenden Blüten
- Lateinischer Name
- Tilia
- Andere Namen
- Großblättrige Linde, Stein-Linde, Kleinblättrige Linde, Sommerlinde, Winterlinde, Herzlinde
- Familie
- Malvengewächse (Malvaceae)
- Erntemonate
- Jun - Jul
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Samen
- Blattform
- herzförmig, rundlich
- Blütenfarbe
- gelb, orange, weiß
- Fundorte
- Parks, Alleen, Wälder, Auen, Siedlungsbereiche
- Verwechslungsgefahr
- Gering; auffällige Blätter und Hochblätter der Blüten sind charakteristisch
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Gut verträglich, seltene Unverträglichkeiten möglich. Bei Pollenallergie vorsichtig testen.
- Warnungen
- Menschen, die an Rheuma oder Bluthochdruck leiden, sollten vor Genuss von Lindenblütentee ihren Arzt konsultieren.
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Farnesol, Flavonglykoside, Flavonoide, Gerbsäure, Gerbstoffe, Saponine, Schleimstoffe
- Eigenschaften
- beruhigend, entspannend, reizlindernd
- Hilft bei
- Erkältungen, Schnupfen, Unruhezustände
- Erkennung / Sammeltipps
- Sammle Blüten in voller Blüte an trockenen Vormittagen
- Anbau
- Sonnig bis halbschattig, humusreicher Boden
















Liebes Team,
ich freue mich immer über eure Beiträge, die so viel Wissen zusammentragen! Ein Bad mit getrockneten Lindenblüthen ist nämlich auch super entspannent und tut der Haut in der kälteren Jahreszeit richtig gutt.
Herzliche Grüße
Ideenfinder
Ergänzend könnte noch erwähnt werden, dass die “Linden-Nüsschen” geröstet und gemahlen einen guten Ersatz für Schokoladenpulver abgeben.
Vielen Dank für diese schöne Ergänzung! Das probieren wir ebenfalls gern aus.
Liebe Grüße
Der Unterschied sommer- oder winterlinde lässt sich an den feinen häärchen erkennen, die auf der Rückseite der Blätter am stilansatz wachsen. Sind sie weiss: sommerlinde, sind sie braun: winterlinde