Liebstöckel (Maggikraut)
Liebstöckel, auch bekannt als Maggikraut, ist eine der traditionsreichsten Küchen- und Heilpflanzen Mitteleuropas. Mit seinem kräftig-würzigen Aroma, das an Sellerie erinnert, verleiht er Suppen, Eintöpfen und Brühen eine herzhafte Tiefe. In der Küche werden vor allem die aromatischen Blätter verwendet, aber auch die Samen und die Wurzel finden als Würzmittel Verwendung. Aufgrund seines intensiven Geschmacks wird Liebstöckel meist sparsam dosiert. Doch genau darin liegt seine Stärke: Bereits kleine Mengen reichen aus, um Speisen geschmacklich abzurunden.
Als dauerhafte Pflanze im Kräuterbeet spendet er Schatten für empfindliche Kräuter und ist ein wahrer Nützlingsmagnet: Bienen, Schwebfliegen und andere Bestäuber besuchen gerne seine Blütendolden.
Liebstöckel vereint also in sich die Eigenschaften eines vielseitigen Küchengewürzes, eines traditionellen Heilmittels und einer wertvollen Gartenpflanze. Wer ihn im eigenen Garten kultiviert, kann ihn frisch nutzen oder auf Vorrat trocknen und so das ganze Jahr über von seinen Vorzügen profitieren.
Traditionelle Anwendung von Liebstöckel
Neben seiner kulinarischen Bedeutung spielt Liebstöckel auch in der Pflanzenheilkunde seit Jahrhunderten eine Rolle. Schon im Mittelalter empfahl Hildegard von Bingen die Pflanze zur Stärkung von Verdauung und Herz1.
In der mittelalterlichen Klostermedizin war Liebstöckel eine häufig angebaute und verwendete Heilpflanze in Kräutergärten2. Dort wurde er unter anderem zur Förderung der Verdauung, als Diuretikum (harntreibend) und gegen Frauenleiden eingesetzt. Die genaue Anwendung variierte von Kloster zu Kloster, beruhte aber meist auf der antiken Humoralmedizin.
Auch in den Schriften von Dioskurides wurde Liebstöckel als wirksames Mittel gegen Verdauungsbeschwerden und zur Anregung der Ausscheidung erwähnt3.
In Frankreich wird Liebstöckel traditionell bei Atemwegsbeschwerden wie Husten und Bronchitis verwendet, vor allem in Form von Teemischungen oder pflanzlichen Hausmitteln. Dabei kommt bevorzugt die getrocknete Wurzel zum Einsatz, der eine schleimlösende und auswurffördernde Wirkung nachgesagt wird. Die Anwendung erfolgt meist innerlich, etwa als Aufguss. Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit bei Atemwegserkrankungen liegen bisher jedoch nicht vor, weshalb diese Anwendung auf überliefertem Erfahrungswissen beruht.

Liebstöckel in der Ernährung
Liebstöckel bringt eine kräftige, würzige Note in viele Gerichte und erinnert geschmacklich an Sellerie. Durch seinen intensiven Geschmack wird er häufig als natürliches Würzmittel eingesetzt. Besonders in der deftigen Küche verleiht er Suppen, Eintöpfen und Brühen Tiefe und Fülle. Auch in Gemüseeintöpfen, Linsengerichten oder Kartoffelsuppen kommt sein Aroma gut zur Geltung. Da Maggikraut besser hitzeverträglich ist als andere Kräuter, kann er bereits früh beim Kochen zugegeben werden, ohne an Geschmack zu verlieren.
Verwendet werden hauptsächlich die frischen oder getrockneten Blätter. Sie lassen sich fein hacken und wie Petersilie verwenden. Besonders gut passt Liebstöckel zu Suppengrün oder Gemüsemischungen, bei denen seine kräftige Note das Gesamtaroma unterstützt. Auch in Kräuterbutter, Quarkzubereitungen oder Dips entfaltet er ein würziges Profil. In kleinen Mengen und fein gehackt verfeinert er Salate, besonders solche mit kräftigem Dressing oder Hülsenfrüchten.
Neben den Blättern können auch Samen und Wurzeln genutzt werden. Die Samen haben ein leicht süßliches, dennoch würziges Aroma und eignen sich als Gewürz für Brot oder zum Einlegen von Gemüse. Getrocknete Wurzelstücke werden traditionell für selbstgemachte Gewürzmischungen, Suppenpulver oder Auszüge verwendet. Die Wurzel enthält ebenfalls ätherische Öle, die sich beim Kochen gut entfalten und für eine kräftige Basis in Brühen sorgen.
Im Garten geerntet lässt er sich frisch nutzen oder haltbar machen, etwa getrocknet, eingefroren oder als Kräutersalz. So hast du ihn das ganze Jahr über griffbereit.

Warnung: Liebstöckel enthält Furanocumarine, die bei empfindlichen Personen in Kombination mit Sonnenlicht Hautreaktionen auslösen können. Schwangeren wird von einem häufigen oder konzentrierten Verzehr abgeraten, da Liebstöckel traditionell als wehenfördernd gilt. Für den normalen Gebrauch als Küchengewürz besteht jedoch kein Grund zur Sorge.
Liebstöckelpaste selber machen
Mit dieser Liebstöckelpaste lassen sich Suppen, Saucen, Eintöpfe und Marinaden schnell und einfach verfeinern. Die Paste wird aus frischem Liebstöckel aus dem eigenen Garten hergestellt und kommt ohne künstliche Zusätze aus. In kurzer Zeit entsteht eine aromatische Würzpaste, die sich im Kühlschrank oder Tiefkühler problemlos lagern lässt und den frischen Geschmack des Sommers lange bewahrt.

Liebstöckelwürfel einfrieren
Eine einfache Möglichkeit zum Haltbarmachen auf Vorrat sind eingefrorene Liebstöckelwürfel. Durch Einfrieren bleiben Aroma und Farbe weitestgehend erhalten und die Kräuter schmecken lange wie frisch geerntet. Sie lassen sich dann wie frische Kräuter verwenden, ohne sie vorher aufzutauen.

Liebstöckel für die Gesundheit
Besonders hervorzuheben sind die im Liebstöckel enthaltenen ätherischen Öle, darunter Ligustilid, die eine verdauungsfördernde und entblähende Wirkung4 haben können. Auch Bitterstoffe sind enthalten, die die Produktion von Magensaft und Gallenflüssigkeit anregen und damit die Verdauung unterstützen.
Flavonoide im Liebstöckel wirken antioxidativ und können Entzündungen im Körper hemmen5. Sie tragen zur Zellgesundheit bei und stärken das Immunsystem. Die harntreibenden Eigenschaften der Pflanze sind ebenfalls gut belegt6, was sie in der Ernährung interessant macht, wenn eine sanfte Entwässerung gewünscht ist.
Innerliche Anwendung
Liebstöckel wird innerlich meist als Tee angewendet, um die harntreibende und verdauungsfördernde Wirkung zu nutzen. Liebstöckeltee wird vor allem wegen seiner harntreibenden Wirkung geschätzt. Die enthaltenen ätherischen Öle, Phthalide und Bitterstoffe können die Nierentätigkeit anregen und die Harnwege durchspülen.
Für eine Tasse Tee übergießt du ein bis zwei Teelöffel getrocknete Liebstöckelwurzel mit 250 ml kochendem Wasser. Lasse den Tee etwa 10 bis 15 Minuten abgedeckt ziehen und seihe ihn anschließend ab. Trinke zwei bis dreimal täglich eine Tasse, idealerweise zwischen den Mahlzeiten. Achte darauf, über den Tag verteilt ausreichend Wasser zu trinken, da Liebstöckel entwässernd wirkt.
Hinweis: Liebstöckeltee sollte bei bestehenden Nierenproblemen nicht getrunken werden, da er stark harntreibend wirkt und die Nieren zusätzlich belasten kann7.
Äußerliche Anwendung
Die äußerliche Anwendung von Liebstöckel kann wohltuend für Haut und Gelenke sein, da die enthaltenen ätherischen Öle, Phthalide und Gerbstoffe entspannend, durchblutungsfördernd und reizlindernd wirken können. In der Volksheilkunde wird Liebstöckel schon lange bei Ekzemen, Akne, Insektenstichen oder kleinen Entzündungen genutzt.
Für Umschläge und Waschungen mit Liebstöckel nimmst du etwa 20 bis 30 frische Blätter. Wasche diese und gib sie mit 500 ml Wasser in einen Topf. Koche die Blätter 10 bis 15 Minuten lang sanft ab, damit die Wirkstoffe ins Wasser übergehen. Anschließend lässt du den Sud etwas abkühlen, bis er handwarm ist. Danach kannst du den Auszug zur sanften Behandlung von entzündeten oder gereizten Hautstellen verwenden.
Die enthaltenen ätherischen Öle, vor allem Ligustilid, wirken entzündungshemmend und beruhigend auf die Haut8. Außerdem haben die Bitterstoffe und Flavonoide des Liebstöckels eine unterstützende Wirkung bei Hautirritationen und fördern die Durchblutung.
Wichtig ist, die Haut vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen, da die enthaltenen Furanocumarine die Haut lichtempfindlich machen können. Verwende die Umschläge nur bei Bedarf und nicht dauerhaft, um Hautreizungen zu vermeiden.
Liebstöckel in der Körperpflege
In der Körperpflege wird Liebstöckel gern als natürlicher Badezusatz verwendet. Die ätherischen Öle und anderen Wirkstoffe wie Phthalide und Gerbstoffe der Pflanze entfalten beim Baden ihre wohltuende Wirkung. Sie können entspannen, die Durchblutung fördern und helfen, Muskelverspannungen zu lösen. Ein Bad mit Liebstöckel wirkt zudem mild reinigend und kann bei Hautproblemen wie kleinen Entzündungen oder Reizungen unterstützend sein.
Um Liebstöckel als Badezusatz zu verwenden, nimmst du etwa 50 Gramm frische oder 20 Gramm getrocknete Liebstöckelblätter. Diese gibst du in einen großen Topf mit etwa einem Liter Wasser und bringst es zum Kochen. Lass den Sud anschließend etwa 15 bis 20 Minuten ziehen, damit sich die Wirkstoffe entfalten können. Danach gießt du den Sud durch ein Sieb und gibst die Flüssigkeit ins warme Badewasser. So kannst du die wohltuende Wirkung der Pflanze beim Baden genießen. Das Bad sollte ungefähr 20 Minuten dauern. Achte darauf, dass das Wasser angenehm warm, aber nicht zu heiß ist.
Besonders beliebt ist die Verwendung von Liebstöckel im Fußbad. Hier hilft die Pflanze, müde und beanspruchte Füße zu beleben und erfrischen. Die durchblutungsfördernde Wirkung kann auch helfen, Schwellungen zu reduzieren und unangenehme Gerüche zu mindern. Für ein Fußbad gibst du ein paar frische oder getrocknete Liebstöckelblätter in warmes Wasser und lässt die Füße etwa 15 bis 20 Minuten darin entspannen. Das Fußbad eignet sich besonders nach einem langen Tag oder bei leichter Ermüdung der Beine.
Liebstöckel im Garten nutzen
Liebstöckel ist im Garten eine wertvolle Pflanze, die nicht nur durch ihr intensives Aroma besticht, sondern auch als natürlicher Schutz für andere Pflanzen dient. Sein starker Duft wirkt abschreckend auf Schädlinge und kann so helfen, Insekten wie Blattläuse fernzuhalten. Das macht ihn zu einem guten Begleiter in Mischkulturen, wo er empfindliche Pflanzen unterstützt.
Ein Sud aus frischen Liebstöckelblättern ist ein bewährtes Hausmittel, um Blattläuse auf natürliche Weise zu bekämpfen. Er wirkt sanft und effektiv, ohne schädliche Chemikalien einzusetzen. So kannst du deinen Garten auf umweltfreundliche Weise schützen und gleichzeitig nützliche Insekten schonen.
Um einen Sud aus Liebstöckel gegen Blattläuse herzustellen, brauchst du Blätter der Pflanze. Nimm etwa 100 Gramm frische oder 30 Gramm getrocknete Liebstöckelblätter und zerkleinere sie grob. Gib die Blätter in einen Liter kochendes Wasser und lasse alles etwa 15 bis 20 Minuten ziehen. Danach den Sud abseihen, damit keine Blattreste mehr darin sind.
Den fertigen Sud kannst du in eine Sprühflasche füllen und direkt auf die befallenen Pflanzen sprühen. Am besten machst du das am frühen Morgen oder am späten Abend. Bei starkem Befall wiederholst du die Behandlung alle paar Tage, bis die Blattläuse verschwunden sind. Der Sud wirkt als natürliches Abwehrmittel und schont Nützlinge im Garten.
Erkennung und Sammeltipps

Liebstöckel wächst tatsächlich auch wild, allerdings ist er in Europa eher selten als Wildpflanze zu finden. Ursprünglich stammt Liebstöckel aus Vorderasien und Südosteuropa und wurde dort als Heil- und Würzpflanze genutzt. In Mitteleuropa wurde er vor allem durch den Menschen als Kulturpflanze verbreitet und angebaut. Wildwachsende Bestände sind meist verwilderte Pflanzen, die aus kultiviertem Liebstöckel entstanden sind.
Liebstöckel ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die in günstigen Bedingungen bis zu zwei Meter hoch wachsen kann. Sie bildet kräftige, hohle Stängel und wächst aufrecht in dichten Horsten. Aufgrund seiner Größe und Wuchsform wirkt Liebstöckel fast strauchartig, bleibt botanisch aber ein ausdauerndes Kraut.
An seinen typischen Merkmalen ist er leicht zu erkennen:
- Die Blätter sind glänzend grün, stark duftend und erinnern in Aussehen und Geruch an Sellerie.
- Sie sind mehrfach gefiedert mit gezähnten Rändern und wirken zart, aber kräftig.
- Die Blattstiele sind hohl, rund und stabil.
- Die gesamte Pflanze zeigt ein sattes Hell- bis Mittelgrün, Stiele und Blätter sind gleichmäßig gefärbt.
- Liebstöckel wächst aufrecht und horstbildend, meist mit mehreren kräftigen Stängeln.
- Die Pflanze verzweigt sich nur wenig und bildet einzelne, dicke Triebe.
- Die Blüten erscheinen in großen, doldenförmigen Rispen mit vielen kleinen Einzelblüten.
- Die Blüten sind unscheinbar gelblich-grün und sitzen locker in den Dolden.
- Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli, je nach Standort und Wetterlage.
- Die Pflanze bildet eine dicke, hellbraune Pfahlwurzel mit einem intensiven, würzigen Aroma.
Liebstöckel richtig pflegen
Liebstöckel ist nicht nur ein aromatisches Würzkraut, sondern auch eine pflegeleichte und vielseitige Gartenpflanze. Mit dem richtigen Standort und etwas Aufmerksamkeit lässt er sich problemlos im Garten oder auf dem Balkon kultivieren.
Liebstöckel bevorzugt einen nährstoffreichen, tiefgründigen und feuchten Boden. Am besten gedeiht er in sonniger bis halbschattiger Lage. Im Garten sollte er ausreichend Platz bekommen, um sich gut zu entfalten, da die Pflanze groß werden kann. Ansonsten kann er eingeengt werden oder andere Pflanzen verdrängen. Ein windgeschützter Standort ist ideal, da die hohen Stängel leicht umknicken.
Gieße regelmäßig, besonders in trockenen Phasen, denn Liebstöckel mag keine dauerhafte Trockenheit. Staunässe solltest du jedoch vermeiden. Im Topf benötigt er eine gute Drainageschicht und nährstoffreiche Erde. Eine gelegentliche Düngung mit Kompost oder organischem Kräuterdünger im Frühjahr unterstützt das Wachstum.
Wenn du die Pflanze nach der Blüte zurückschneidest, wächst sie frisch und kräftig nach. Im Herbst kannst du den Liebstöckel nah am Boden schneiden. So treibt er im Frühling wieder gesund und stark aus.
- Bingen, H., Berendes, 1897, Die Physica der heiligen Hildegard ↩︎
- ca. 785, “Lorscher Arzneibuch” ↩︎
- Dioskurides, P., Vögtli, Alexander, 1902, “Materia Medica” ↩︎
- Levisticum officinale im „Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen“ bei Spektrum.de ↩︎
- D’Archivio et al. (2023): “Flavonoids: a review of probable mechanisms of action and potential applications” ↩︎
- ESCOP. Levisticum officinale. In: ESCOP Monographs. 2nd ed. Stuttgart: Thieme; 2003. ↩︎
- Levisticum officinale im „Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen“ bei Spektrum.de ↩︎
- Zhang et al. (2023): “Antioxidant and anti-inflammatory effect of ligustilide on sepsis-induced acute kidney injury via TLR4/NF-κB and Nrf2/HO-1 signaling” ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Liebstöckel wächst in manchen Hausgärten zu bis zu einen Meter hohen Büschen heran und wird als Gewürz gerne für herzhafte Gerichte wie Gemüsesuppen oder Eintöpfe verwendet. Geschmack und Blattform erinnern an Sellerie und auch vom Liebstöckel kann die Wurzel verwendet werden. Die in allen Teilen der Pflanze enthaltenen ätherischen Öle sollen die Verdauung unterstützen und harntreibend wirken.
- Lateinischer Name
- Levisticum officinale
- Andere Namen
- Maggikraut, Lavas, Nussstock, Liebstock, Luststock, Rübestöckel, Liebstengel, Liebrohr
- Familie
- Doldenblütler (Apiaceae)
- Giftigkeit
- ungiftig
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe
- Eigenschaften
- blähungslindernd, harntreibend, verdauungsfördernd
- Hilft bei
- Blähungen, Harngrieß, Harnwegsinfekte








Liebes Team, vielen Dank für den informativen Beitrag!
Ich habe im Sommer einiges an Liebstöckel eingefroren und frage mich, ob die gesundheitlichen Vorteile – besonders die verdauungsfördernde Wirkung – auch in dieser Form über die kalten Monate hinweg erhalten bleiben.