Huflattich

Huflattich ist eine der ersten Pflanzen, die den Frühling ankündigen. Finde heraus, wie du dieses Kraut in der Küche, im Haushalt und zur Heilung nutzt

Der Huflattich (Tussilago farfara) gehört zu den allerersten Pflanzen im Frühling, gemeinsam mit dem Schneeglöckchen. Er streckt seine Blüten den ersten, sanft wärmenden Sonnenstrahlen entgegen und leuchtet hell auf sonst noch karger Erde. Erst wenn die strahlenden, gelben Blüten verblüht und auch die Samen vom Wind davon getragen sind, erscheinen die zuerst spitz zusammengerollten Blätter, welche sich dann am Stängel entrollen.

Schon der Name lässt auf ein besonderes Merkmal schließen: Die Blätter erinnern in ihrer Form an die Hufe eines Pferdes. Hauptsächlich bekannt ist der Huflattich für seine lindernde Wirkung bei Husten und Erkältungen, weshalb er seit Jahrhunderten in der Volksheilkunde genutzt wird. Die Pflanze wirkt mild reizlindernd auf die Atemwege, beruhigt bei trockenem Reizhusten und unterstützt die Schleimhäute. Gleichzeitig wird ihr eine entzündungshemmende Eigenschaft zugeschrieben, die bei Hautproblemen wie leichtem Juckreiz helfen kann. All das macht den Huflattich zu einer wertvollen Pflanze vor allem in der kalten Jahreszeit, wenn Erkältungskrankheiten häufiger auftreten.

Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung

Der Huflattich ist eine ursprüngliche Pflanze Europas, die sich über Jahrhunderte an feuchten Standorten etabliert hat. Schon im Mittelalter zählte er zu den geschätzten Heilpflanzen: Mönche und Kräuterkundige nutzten ihn nicht nur gegen Husten, sondern auch zur Linderung von Hautentzündungen. Für unsere Vorfahren war sein frühes Erscheinen ein Zeichen der ersten grünen Kräfte nach dem Winter.

Im alten Europa galten die herzförmigen Blätter des Huflattichs sogar als Glücksbringer. In manchen Regionen hängte man sie über Türen, um Atemwegsleiden vorzubeugen. In der Volksheilkunde wurde die Pflanze lange Zeit vor allem als Hustentee und Sirup genutzt, da man beobachtete, dass Menschen, die Huflattich nutzten, seltener von hartnäckigem Husten geplagt wurden. Auch Hildegard von Bingen und andere mittelalterliche Kräuterexpertinnen beschrieben den Huflattich in ihren Schriften als hilfreiche Pflanze gegen Erkältungssymptome.

In der Ernährung

Huflattich ist keine klassische Nahrungspflanze wie Salat oder Kräuter im täglichen Gebrauch. Die enthaltenen Inhaltsstoffe machen ihn eher ungeeignet dafür. Junge Blätter wurden früher gelegentlich wie Spinat gekocht, doch aufgrund möglicher gesundheitlicher Risiken solltest du sie nicht bedenkenlos verzehren. Die Blüten findest du in der Natur häufig, und manche Menschen nutzen sie zur Herstellung von Sirup oder als Dekoration in Honig. Immer in sehr kleinen Mengen und nur, wenn sie sicher bestimmen können, dass es sich um echten Huflattich handelt.

Heilende Anwendungen

Der Huflattich zählt zu den ältesten Hustenkräutern überhaupt. Traditionell belegt ist vor allem die lindernde Wirkung auf die Atemwege bei trockenem Reizhusten, Asthma und Bronchitis.1 In der Volksmedizin wird er oft als Tee oder Sirup verwendet, um die Schleimhäute der Bronchien zu beruhigen und das Abhusten von Schleim zu erleichtern. Die enthaltenen Schleimstoffe legen sich wie ein Schutzfilm über die gereizte Schleimhaut, während andere sekundäre Pflanzenstoffe entzündungshemmend wirken können.2

In der Volksheilkunde wird Huflattich auch äußerlich bei leichten Hautirritationen oder kleinen Wunden eingesetzt. Die ätherischen Öle und weiteren Stoffe sollen hier einen beruhigenden Effekt haben. Wissenschaftlich streng belegt sind diese Wirkungen aber weniger gut erforscht.

Hinweis: Huflattich enthält auch Pyrrolizidinalkaloide. Das sind Stoffe, die in größeren Mengen leberschädigend wirken können.3 Deshalb ist die regelmäßige innere Anwendung über längere Zeit nicht empfohlen, und Schwangere, Stillende sowie Kinder sollten Huflattichpräparate nur nach Rücksprache mit einer Fachperson nutzen. Achte darauf, dass kommerzielle Präparate manchmal entalkaloidiert sind, um dieses Risiko zu reduzieren.

Tee

Am weitesten verbreitet ist die Anwendung der Pflanze als Huflattichtee. In der Apotheke erhältst du eine entalkaloidierte Version. Die Schleimstoffe im Huflattich legen sich wie eine Schutzschicht um die Schleimhäute, Gerbstoffe festigen sie und die enthaltenen Mineralien helfen, die Schleimhäute wieder aufzubauen.

Huflattich ist eine der ersten Pflanzen, die den Frühling ankündigen. Finde heraus, wie du dieses Kraut in der Küche, im Haushalt und zur Heilung nutzt

Ich mische Huflattich gern mit anderen Hustenkräutern wie Königskerze, Lungenkraut oder Spitzwegerich.

Äußerlich wird der Tee traditionell bei Hautproblemen, vor allem Entzündungen und Verbrennungen, für Waschungen oder Umschläge verwendet.

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Körperpflege mit Huflattich

Ein Absud aus Huflattich hilft traditionell bei schnell fettender Haut und schuppigen, fetten Haaren. Für einen Absud 500 ml Wasser bis zum Siedepunkt erhitzen, zwei Esslöffel Huflattichblätter hinzugeben und einmal aufkochen lassen. Vom Herd nehmen, zehn Minuten ziehen lassen und abseihen. Huflattichabsud zum Waschen des Gesichts oder zum Einmassieren für Haare und Kopfhaut verwenden.

Erkennung und Sammeltipps

Huflattich ist eine Zeigerpflanze für kalkhaltigen Boden. Er ist an Wegesrändern, in Gärten, Steinbrüchen und auf Schuttplätzen zu finden.

  • Das Kraut wird etwa 10–25 cm groß und ist einjährig
  • Die etwa 2 cm großen, gelben Blüten erscheinen vor den Blättern
  • Sie sind strahlenförmig, ähnlich den bekannten Löwenzahnblüten, und sitzen einzeln auf einem etwa 10 cm langen, schuppigen, weiß-violetten, weichen Stängel
  • Die Samen werden in fallschirmartigen weißen Haaren, ähnlich Pusteblumen, vom Wind weitergetragen
  • Die Blätter erscheinen erst, nachdem sich die Samen gelöst haben und sind zunächst spitz zusammengerollt
  • Sie entrollen sich im Sonnenlicht und sind mit einem weißen Haarfilz überzogen
  • Der Haarfilz verschwindet nach einiger Zeit zunächst von der Blattoberseite und bei älteren Blättern dann auch überwiegend von der Unterseite
  • Die Blätter sind hufförmig, eckig und lang gestielt mit groben Ausbuchtungen

Verwechsle Huflattich nicht mit ähnlichen blättrigen Pflanzen wie Ampfer oder anderen Korbblütlern; die Kombination aus frühen gelben Blüten und den später folgenden hufförmigen Blättern ist ein gutes Erkennungsmerkmal.

Anbautipps

Wenn du Huflattich im Garten kultivieren möchtest, wähle einen feuchten, halbschattigen Standort. Die Pflanze ist durchaus pflegeleicht und kommt mit vielen Böden zurecht, bevorzugt jedoch frische, humose Erde. Huflattich kann sich stark ausbreiten, daher empfiehlt es sich, ihn in Töpfen oder abgegrenzten Beeten zu halten. Aussaat im Frühjahr oder Herbst ist möglich, und mit etwas Geduld zeigen sich bald die ersten typisch gelben Blüten. Ein regelmäßiges Entfernen von Samenständen hilft, unkontrolliertes Verbreiten zu begrenzen.

Wenn du Pyrrolizidinalkaloiden vermeiden willst: Im Handel gibt es pyrrolizidinalkaloidfreie Huflattichsamen zu kaufen.

  1. Chen, S., Dong, L., Quan, H., Zhou, X., Ma, J., Xia, W., Zhou, H. & Fu, X. (2020). A review of the ethnobotanical value, phytochemistry, pharmacology, toxicity and quality control of Tussilago farfara L. (coltsfoot). Journal Of Ethnopharmacology, 267, 113478. 8 ↩︎
  2. Yang, L., Jiang, H., Wang, S., Hou, A., Man, W., Zhang, J., Guo, X., Yang, B., Kuang, H. & Wang, Q. (2020). Discovering the Major Antitussive, Expectorant, and Anti-Inflammatory Bioactive Constituents in Tussilago farfara L. Based on the Spectrum–Effect Relationship Combined with Chemometrics. Molecules, 25(3), 620. ↩︎
  3. Kopp, T., Abdel-Tawab, M. & Mizaikoff, B. (2020). Extracting and Analyzing Pyrrolizidine Alkaloids in Medicinal Plants: A Review. Toxins, 12(5), 320. ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Frühblühende gelbe Blüten, später große hufartige Blätter
Lateinischer Name
Tussilago farfara
Andere Namen
Breitlattich, Brustlattich, Eselslattich, Ackerlatsche, Kuhfladen, Rosshuf, Hufblatt, Bachblümlein, Sandblume
Familie
Korbblütler (Asteraceae)
Erntemonate
Mrz - Jun
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten
Blattform
schildförmig
Blütenfarbe
gelb
Fundorte
Wege, Wegrändern, Böschungen, Gärten, Schotterplätze
Verwechslungsgefahr
Ähnliche korbblütige Pflanzen, aber einzigartige Blattform hilft
Giftigkeit
teilweise giftig
Hinweise zur Giftigkeit
Enthält Pyrrolizidinalkaloide, leberschädigend in großen Mengen
Warnungen
Kinder, schwangere Frauen und stillende Frauen sollten den Huflattich nicht einnehmen
Inhaltsstoffe
Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, Inulin, Schleimstoffe, Schwefel
Eigenschaften
adstringierend, schleim­haut­schützend, schleimlösend, schweißtreibend, tonisierend
Hilft bei
Halsschmerzen, Hautentzündungen, Hautprobleme, Husten
Erkennung / Sammeltipps
Gelbe Blüten früh im Jahr, große Blätter später
Anbau
Bevorzugt feuchte Standorte, kontrollierte Ausbreitung im Garten

2 Kommentare
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  1. Liebes Team von Kostbare Natur, vielen Dank für diesen informativen Beitrag.
    Jetzt sind solche Hinweise zu natürlichen Helfern besonders wertvoll.
    Die alten Anwendungen bei Atemwegsproblemen finde ich besonders hilfreich, da ich selbst immer mal wieder mit hartnäckigem Husten zu tun habe.
    Das Räuchern der Blätter als alte Methode war mir neu und klingt sehr interessant, das würde ich gern mal ausprobieren.
    Ich schätze eure sorgfältige Aufbereitung dieser Themen sehr und komme immer wieder gerne hierher, um Neues zu erfahren.

    Viele Grüße,
    Tilda

    Antworten
  2. Marianne Egli

    Grüezi, ich bin 70 Jahre und habe sehr fettige Haare. Haben Sie mir ein Rezept ? Vielen Dank und freundliche Grüsse Marianne Egli

    Antworten

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