Gänsefingerkraut
Das Gänsefingerkraut (Potentilla anserina oder Argentina anserina), auch bekannt als Silberblatt oder Krampfkraut, ist eine alte Heilpflanze. Seine Hauptwirkung liegt in einer krampflösenden, leicht adstringierenden und entzündungshemmenden Kraft. So kann es bei Bauch‑ und Menstruationskrämpfen, bei leichtem Durchfall oder bei Schleimhautreizungen im Mund‑ und Rachenraum helfen. Doch auch in der Küche ist das Gänsefingerkraut ein Gewinn.
Herkunft, Geschichte & kulturelle Bedeutung
Diese Pflanze ist in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel heimisch und heute weit verbreitet. Ursprünglich fand man sie auf feuchten Wiesen, Wegrändern, an Ufern oder auf nährstoffreicheren Böden – also an Orten, an denen z. B. Gänse weideten. Der Name „Gänsefingerkraut“ rührt vermutlich daher, dass Gänse die Pflanze gerne fraßen oder dass die Blatt‑Form an Gänsefuß‑Spuren erinnert.
Historisch wurde das Kraut in der Volksheilmedizin zur Behandlung verschiedenster Beschwerden verwendet. So setzte man es etwa bei Durchfall, Blutungen, Menstruationskrämpfen oder Entzündungen ein. In alten Kräuterbüchern wird es als „Krampfkraut“ bezeichnet, was seine krampflösende Wirkung betont. Auch die Verwendung in Milchaufgüssen war verbreitet.
In der Ernährung
Auch wenn das Gänsefingerkraut primär als Heilpflanze bekannt ist, ist es durchaus in der Küche verwendbar – insbesondere die jungen Blätter oder Wurzeln bieten eine interessante Variante als Wildgemüse. Die Pflanze enthält Gerbstoffe, Bitterstoffe, Schleimstoffe, Flavonoide, sowie sekundäre Pflanzenstoffe wie Phenolcarbonsäuren.1
Zarte Blätter können in Salzwasser weich gekocht und dann wie Spinat weiterverarbeitet werden. Sie sind relativ mild im Geschmack und somit gut mit anderen Wildkräutern oder Gemüse zu mischen. Als Beigabe zum Salat oder im Smoothie eignen sie sich ebenfalls gut.
Die gelben Blüten können als essbare Dekoration über einen Salat oder Gemüsegerichte gegeben werden.
Aus den schmackhaften Wurzeln lässt sich Wurzelgemüse zubereiten. Roh geraspelt werden sie in den Salat gegeben.
Heilende Anwendungen
In der Volksmedizin wird das Gänsefingerkraut bei Bauch‑ und Unterleibskrämpfen, bei Wadenkrämpfen, bei Zahnfleischbluten, Wunden oder als harntreibende Pflanze verwendet. Darüber hinaus soll Gänsefingerkraut die Aufnahme von Mineralstoffen begünstigen. Besonders bei Kalziummangel kann sich das Kraut positiv in Kombination mit kalziumreichen Pflanzen wie Brennnessel, Franzosenkraut, Huflattich und weißem Gänsefuß auswirken.
Traditionell wurde Gänsefingerkraut zur Ausleitung von Fieber verwendet. Zerstampfe dazu die Blätter, vermenge sie mit Salz und Essig und lege sie mithilfe eines Umschlags auf die Fußsohlen der fieberkranken Person.
Zur Behandlung von Wadenkrämpfen können, neben einer innerlichen Anwendung, die Blätter etwas gequetscht direkt auf die betroffene Stelle gelegt werden.
Es gibt auch erste wissenschaftliche Hinweise für die Wirkung des Gänsefingerkrauts bei Durchfallerkrankungen sowie bei Menstruationsbeschwerden. Ebenso wird die adstringierende Wirkung auf Schleimhäute (z. B. Mund‑ und Rachenschleimhaut) bestätigt.2
Hinweis: Generell gilt das Gänsefingerkraut als gut verträglich. Dennoch solltest Du Vorsicht walten lassen: bei bekannten Allergien gegen Rosengewächse (Rosaceae) könnte eine Reaktion möglich sein. Auch bei Schwangerschaft und Stillzeit sollte vor der Anwendung Rücksprache mit einer Fachperson gehalten werden, da nicht ausreichend Studien vorliegen.
Tinktur
Für eine Tinktur die silbernen Blätter des Gänsefingerkrautes zerkleinern und in ein Schraubglas geben. Mit 45-prozentigem Alkohol auffüllen, verschließen und für drei Wochen unter gelegentlichem Schütteln an einem warmen Ort reifen lassen. Abseihen und in einer dunklen Tropfflasche verwahren.
Tee
Ein Tee kannst du aus getrocknetem oder frischem Gänsefingerkraut zubereiten. Nutze dafür das gesamte oberirdische blühende Kraut. Drei Teelöffel des Krauts mit 250 ml kochendem Wasser aufgießen und zugedeckt für 10 Minuten ziehen lassen.
Kräutermilch
Die bei unseren Vorfahren, den alten Germanen, wohl häufigste Art der Zubereitung für Gänsefingerkraut war ein heilsames Milchgetränk. Koche dafür das frische Kraut in Milch auf und lasse es für einige Minuten ziehen. Milch findet deshalb Verwendung, weil sie fetthaltig ist und uns somit die fettlöslichen Inhaltsstoffe besser zugänglich macht. Bei Wunden wurde diese Milch auch zum Schutz vor Wundstarrkrampf und Blutvergiftung getrunken und das in Milch gekochte Kraut auf die Wunde aufgelegt.
Kosmetische Anwendungen, im Haushalt und Garten
Auch im Bereich Kosmetik und Haushalt findet das Gänsefingerkraut Nutzung: äußerlich angewandt kann es in Umschlägen oder als Bestandteil von Salben seine Wirkung entfalten. Die adstringierende Wirkung hilft bei kleinen Hautreizungen, leichten Entzündungen oder bei geröteten Schleimhäuten.3 In der Volksmedizin wurde ein Sud aus dieser Pflanze zur Reinigung von Hautflächen oder als Fußbad genutzt – etwa bei müden Beinen und geschwollenen Füßen.
Erkennung und Sammeltipps

- Wuchsform: Das Gänsefingerkraut ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit kriechenden Ausläufern (Stolonen), an deren Knoten sich neue Rosetten bilden.
- Höhe: Meist 10–20 cm hoch, Ausläufer können längere Strecken zurücklegen.
- Blätter: Grundblätter sitzen meist rosettig; sie sind gefiedert mit 6‑10 (oder mehr) Fiederpaaren, untereinander kleiner werdend. Die Unterseite ist seidenhaarig filzig‑weiß, wodurch das Blatt silbrig schimmert; Oberseite meist grün.
- Blüten: Einzelne, leuchtend gelbe Blüten mit fünf Kronblättern, Durchmesser etwa 1,5–2 cm. Stängel zur Blütezeit aufrecht über den Rosetten getragen. Blütezeit meist von Mai bis September.
- Wurzel/ Ausläufer: Die Pflanze bildet oberirdisch kriechende Ausläufer und an den Knoten bodenbewurzelnde Stellen – so kann sie flächig wachsen.
Verwechselt werden könnte das Gänsefingerkraut mit anderen gelbblühenden Rosengewächsen bzw. Bodendeckern – etwa mit der Wald‑Fingerkraut (Potentilla reichenbachiana) oder anderen Potentilla‑Arten. Unterscheidungsmerkmal ist die silbrig behaarte Blattunterseite und der kriechende Ausläufer‑Wuchs. Achte auf die silbrige Unterseite, die gefiederte Blattstruktur und die einzelnen gelben Blüten auf langen Stielen.
Das Gänsefingerkraut bevorzugt feuchte, nährstoffreiche Böden, Wegränder, Ufer von Gewässern, Wiesen, Böschungen und ist salztolerant – deshalb findet man es auch an Straßen‑ und Wegrändern. Es ist in Mitteleuropa bis Höhenlagen von etwa 2.000 m anzutreffen.
Ideal ist die Ernte der oberirdischen Teile (Blätter, Blütenstängel) während der Blütezeit (Mai bis August/September).
- Gao, D., Yang, X., Lu, D., Wang, C., Wang, J., Li, H. & Guo, X. (2025). Extraction, purification and antioxidant activity of flavonoids from Potentilla anserina L. Frontiers in Bioengineering And Biotechnology, 13. https://doi.org/10.3389/fbioe.2025.1691606 ↩︎
- Mugambwa, R. & Melzig, M. (2016). Das Gänsefingerkraut, Potentilla anserina L. Zeitschrift für Phytotherapie, 37(03), 135–139. ↩︎
- Choi, H., Ha, J. H., Kang, H. C., Seo, W. S. & Bin, B. (2023). The Protective Effects of Moisturizer Containing Potentilla anserina Extract in the Topical Treatment of Skin Damage Caused by Masks. International Journal Of Molecular Sciences, 24(18), 14294. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Kriechende ausdauernde Kräuterpflanze mit silbrig behaarten, gefiederten Blättern, gelben Einzelblüten, Ausläufern.
- Lateinischer Name
- Potentilla anserina L. (Synonym: Argentina anserina)
- Andere Namen
- Igelkraut, Krampfkraut, Stierkraut, Maukekraut, Anserine, Gänsegarbe, Silberkraut
- Familie
- Rosengewächse (Rosaceae)
- Erntemonate
- ganzjährig
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Wurzeln
- Blattform
- unpaarig gefiedert
- Blütenfarbe
- gelb
- Fundorte
- Feuchte Wiesen, Wegränder, Uferzonen, nährstoffreiche Böden, Straßenränder – gemäßigtes Europa & Nordhemisphäre
- Verwechslungsgefahr
- Andere gelbblühende Potentilla‑Arten; wichtig ist silbrige Blattunterseite, kriechender Wuchs, Blattfiederung.
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Keine bekannte erhebliche Giftigkeit. Dennoch Vorsicht bei unbekannten Pflanzen oder Verwechslung.
- Inhaltsstoffe
- Bitterstoffe, Cumarine, Flavonoide, Gerbstoffe, Mineralsalze, Schleimstoffe, Vitamin C
- Eigenschaften
- adstringierend, beruhigend, entzündungshemmend, krampflösend, schmerzstillend
- Hilft bei
- Durchfall, Menstruationsbeschwerden, Mundentzündung, Mundschleimhautentzündungen, Wunden, Zahnfleischentzündungen
- Erkennung / Sammeltipps
- Silbrig behaarte Blattunterseite, gefiederte Blätter, Ausläufer, gelbe Einzelblüten. Ernte während der Blütezeit (Mai–August) von unbelasteten Standorten.
- Anbau
- Halbschattig bis sonnig, feuchter humoser Boden, gute Drainage; vegetative Vermehrung durch Ausläufer; Pflanze als Bodendecker im Garten oder im Topf auf Balkon möglich.













