Anis
Wenn du schon einmal einen Hauch von Lakritz in einem Tee oder Gebäck geschmeckt hast, dann war mit hoher Wahrscheinlichkeit Anis (Pimpinella anisum) im Spiel. Das wärmende, süßlich-würzige Aroma dieses alten Heilkrauts ist unverkennbar und macht Anis zu einem beliebten Gewürz in der Küche wie auch in der Naturheilkunde. Seine verdauungsfördernden, schleimlösenden und beruhigenden Eigenschaften sind seit Jahrhunderten geschätzt und erleben heute eine neue Blüte.
Anis gehört zur Familie der Doldenblütler und ist eng verwandt mit Kümmel, Fenchel und Dill. Die kleinen, grünbraunen Früchte, die wir als Samen bezeichnen, enthalten ein kostbares ätherisches Öl mit starker Wirkung.
Schon im alten Ägypten wurde Anis geschätzt. Man fand ihn sogar in den Grabbeigaben von Pharaonen. Die alten Griechen nutzten ihn als Heil- und Gewürzpflanze, und die Römer aromatisierten damit Brot und Gebäck. Auch Hildegard von Bingen empfahl Anis bei Magenleiden. Heute wird Anis vor allem in der Naturmedizin gegen Blähungen und Husten eingesetzt.
Anis in der Ernährung
Anis ist mehr als nur ein Gewürz für die Weihnachtsbäckerei. Er lässt sich das ganze Jahr über vielseitig einsetzen. Die reifen Samen sind der essbare Teil der Pflanze und enthalten neben dem charakteristischen Anethol auch Proteine, Ballaststoffe sowie Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium und Magnesium. Anis wirkt appetitanregend und unterstützt die Verdauung.
Für ein besonderes Aroma in deinem Salat kannst du etwas gemahlenen Anis über einen Apfel-Rote-Bete-Salat streuen. Auch ein Anis-Pesto mit Walnüssen, Petersilie, etwas Zitronensaft und einem Hauch Honig ist eine kreative, aromatische Variante.
Anisplätzchen
Anisplätzchen begeistern mit ihrem warmen, feinen Aroma, das bereits beim Backen die ganze Küche erfüllt. Der charakteristische Duft und der sanft süßliche Geschmack von Anis verleihen diesen traditionellen Plätzchen eine unverwechselbare Note, die sie von anderen Gebäcken abhebt.

Heilende Anwendungen von Anis
Anis ist bekannt für seine schleimlösende und entkrampfende Wirkung. Vor allem bei Erkältungskrankheiten und Husten hat sich ein Anistee oder ein Anissirup bewährt. Das in den Samen enthaltene Anethol wirkt antibakteriell und pilzhemmend, gleichzeitig beruhigt es die Bronchien und löst zähen Schleim. Auch bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, leichten Krämpfen und Völlegefühl leistet Anis gute Dienste.1 In der Frauenheilkunde wird Anis wegen seiner östrogenartigen Wirkung zur Unterstützung der Milchbildung eingesetzt. 2
Viele weitere heilende Anwendungen von regionalen Kräutern und Gewürzen findest du in unserem Buch:
Zubereitung Fenchel-Anis-Kümmel-Tee
Bereite einen einfachen Verdauungstee aus einem Teelöffel Fenchel-, Anis– und Kümmelsamen zu – am besten du zerstößt die Samen mit einem Mörser kurz davor. Mit einer Tasse heißem Wasser aufgießen. Zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Der Tee ist ideal nach dem Essen oder bei Bauchweh.
Hinweis: In zu hoher Dosis kann Anis allergische Reaktionen oder Reizungen auslösen. Schwangere und Menschen mit Allergien gegen Doldenblütler sollten vorsichtig sein. Die Verwendung bei Kindern unter 12 Jahren wird nicht empfohlen.
Kosmetik, Haushalt und Garten
Anisöl wird äußerlich bei Muskelverspannungen oder zur Einreibung bei Erkältung verwendet. In Dampfbädern hilft es, die Atemwege zu befreien. Wegen seines angenehmen Dufts findet Anis auch in Parfums und Mundwasser Anwendung. In der Hausapotheke kannst du dir leicht ein Anis-Hustenspray oder eine selbstgemachte Brustsalbe anrühren: etwas Anisöl mit Bienenwachs und einem Trägeröl wie Mandel- oder Olivenöl vermengen.
Hier findest du ein Rezept für eine Erkältungssalbe mit Anis.
Im Garten lockt die Pflanze mit ihren filigranen Dolden zahlreiche Insekten an und kann als natürlicher Schädlingsabwehrer dienen. Anis benötigt viel Sonne und einen lockeren, durchlässigen Boden, gedeiht aber auch im Topf auf dem Balkon.
Aussehen und Erkennungsmerkmale

Anis ist eine zierliche, aber auffallend aromatische Pflanze. Sie erreicht eine Höhe von 40 bis 60 Zentimetern und bildet fein gefiederte Blätter sowie kleine, weiße Doldenblüten.
- Blätter: Unten rundlich und gestielt, weiter oben fiedrig und feiner gegliedert
- Blüte: Kleine, weiße Doldenblüten, sternenförmig angeordnet
- Samen: Grünlich bis bräunlich, leicht sichelförmig, sehr aromatisch im Duft
- Wuchsform: Aufrecht wachsend mit verzweigten Stängeln
Verwechslungen sind möglich mit Fenchel, Kümmel oder Dill, wobei der intensive Lakritzduft von Anis sehr charakteristisch ist.
Anis liebt sonnige Standorte mit kalkhaltigem Boden. Die Aussaat erfolgt im Frühjahr, geerntet wird im Spätsommer, sobald die Samen braun werden.
Anbau-Tipps für Garten und Balkon
Anis lässt sich mit etwas Geduld gut im eigenen Garten oder auf dem Balkon ziehen. Die Pflanze mag es warm und sonnig, mit lockerem, nicht zu feuchtem Boden. Eine Direktsaat ist ab April möglich. Wichtig ist, den Standort windgeschützt zu wählen, da Anis empfindlich auf Umknicken reagiert. Gedüngt wird sparsam, idealerweise mit Kompost. Die Ernte erfolgt, wenn die Samen beginnen, sich bräunlich zu verfärben. Dann schneidest du die Dolden ab und lässt sie kopfüber trocknen, bevor du die Samen ausklopfst.
Mehr über regionale Wildkräuter und Wildobst erfährst du in unserem Buch:
- Anisi fructus – herbal medicinal product | European Medicines Agency (EMA). (2025, 14. Februar). European Medicines Agency (EMA). ↩︎
- Khalili, S., Amiri-Farahani, L., Haghani, S., Bordbar, A., Shojaii, A. & Pezaro, S. (2023). The effect of Pimpinella Anisum herbal tea on human milk volume and weight gain in the preterm infant: a randomized controlled clinical trial. BMC Complementary Medicine And Therapies, 23(1), 19. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Einjähriges Würz- und Heilkraut mit süßlichem, lakritzähnlichem Aroma
- Lateinischer Name
- Pimpinella anisum
- Andere Namen
- Anis, Brotsamen, süßer Kümmel
- Familie
- Doldenblütler (Apiaceae)
- Erntemonate
- Aug - Sep
- Verwendbare Pflanzenteile
- Samen
- Blattform
- fiedrig, rundlich
- Blütenfarbe
- weiß
- Fundorte
- Ursprünglich östlicher Mittelmeerraum, heute Anbau in Südeuropa, Asien, Mitteleuropa
- Verwechslungsgefahr
- Mit Fenchel, Kümmel oder Dill möglich
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Bei bekannter Allergie gegen Doldenblütler meiden
- Inhaltsstoffe
- Anethol, Cumarine, Flavonoide
- Eigenschaften
- antibakteriell, krampflösend, schleimlösend, verdauungsfördernd
- Hilft bei
- Blähungen, Erkältung, Husten, Völlegefühl
- Erkennung / Sammeltipps
- Kleine weiße Blüten in Doldenform, aromatische sichelförmige Samen
- Anbau
- Sonnig, durchlässiger Boden, windgeschützt









Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit ist die lindernde Wirkung von Anis bei Husten und Erkältungen für mich ein echter Helfer. Ich kann das aus eigener Erfahrung nur bestätigen, der Tee wirkt da wirklich zuverlässig. Eine prima Sammlung an Infos und Tipps, die ihr hier immer wieder bereitstellt.