Zitronenverbene
Die Zitronenverbene, botanisch Aloysia citrodora (auch Lippia citriodora), ist eine aromatische Pflanze, die mit ihrem intensiven Zitronenduft leicht in Erinnerung bleibt. Hauptanwendungen findest du in der Küche und der traditionellen Pflanzenheilkunde, wo sie beruhigend, verdauungsfördernd aber auch stressreduzierend genutzt wird. Ihr frisches, zitroniges Aroma macht sie zu einer beliebten Zutat für Tees, Desserts, Kräuteressige und aromatische Öle. Gleichzeitig wirkt sie entspannend auf Geist und Körper.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Ursprünglich stammt die Zitronenverbene aus Südamerika, genauer aus Argentinien, Chile und Paraguay. Dort wurde sie von den indigenen Völkern seit Jahrhunderten geschätzt. Angeblich nutzten schon die Mapuche die Blätter zur Linderung von Beschwerden wie Kopfschmerzen oder nervöser Unruhe.
Europäische Händler brachten sie im Ende des 17. Jahrhundert/ Anfang des 18. Jahrhundert nach Frankreich, wo sie schnell in Botanischen Gärten kultiviert wurde und bald in ganz Europa als duftende Zier- und Nutzpflanze verbreitet war. Besonders in der Provence war sie bald ein fester Bestandteil von Kräutergärten, nicht nur wegen ihres Dufterlebnisses, sondern auch wegen ihres breiten Anwendungsspektrums.
In der Volksheilkunde gilt sie als beruhigendes „Nervenkräutlein“ und wurde explizit zur Unterstützung bei Magen-Darm-Beschwerden und zur Beruhigung des Gemüts eingesetzt.
Zitronenverbene in der Ernährung
In der Ernährung ist die Zitronenverbene ein wahres Chamäleon. Du kannst frische oder getrocknete Blätter verwenden, um Getränken, Süßspeisen und herzhaften Gerichten ein frisches Zitrusaroma zu geben. Besonders beliebt ist Zitronenverbene in Tees, Fruchtsalaten, Sorbets oder Kräuterzucker, der Desserts wunderbar verfeinert. Auch in Marinaden für Fisch oder Geflügel bringt sie eine außergewöhnlich frische Note.
Essbar sind vor allem die grünen Blätter, frisch oder getrocknet. Sie enthalten wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe, allen voran ätherische Öle (insbesondere Citral), Flavonoide und Phenolverbindungen, die nicht nur Geschmack, sondern auch gesundheitliche Wirkungen beitragen. Diese Stoffe liefern zudem Antioxidantien, die freie Radikale im Körper neutralisieren helfen.
Heilende Anwendungen
Es gibt Hinweise auf eine verdauungsfördernde und entspannende Wirkung der Zitronenverbene. Studien deuten darauf hin, dass die Inhaltsstoffe wie ätherische Öle (Citral), Flavonoide und Phenole beruhigend auf die glatte Muskulatur des Verdauungstraktes wirken und so Blähungen, Völlegefühl und leichte Magenbeschwerden lindern können.1 Auch leichte nervöse Spannungszustände werden durch den beruhigenden Duft und die innerliche Anwendung von Tee milder wahrgenommen. Zudem wirken Phenole und Flavonoide entzündungshemmende und zellschützende Eigenschaften.2
Volksheilkundlich wird Zitronenverbene bei Einschlafproblemen, Unruhezuständen, Kopfschmerzen und als mildes Beruhigungsmittel verwendet.3 Hier spielen vor allem die ätherischen Öle eine Rolle, die in der Aromatherapie entspannend wirken.
Zitronenverbenen-Tee
In der Verdauung kann ein Tee nach schweren Mahlzeiten helfen, Magen und Darm zu beruhigen. Bei leichten nervösen Beschwerden und Einschlafstörungen kann eine Tasse Tee am Abend wohltuend sein. Auch zur Förderung der Entspannung in stressigen Zeiten wird die Zitronenverbene gern genutzt.
Für eine Tasse Tee (ca. 250 ml) übergießt du 1–2 TL frische oder getrocknete Blätter mit kochendem Wasser und lässt den Aufguss abgedeckt 8–10 Minuten ziehen. Zitronenverbene eignet sich auch hervorragend als erfrischendes Kaltgetränk, da ihr Aroma beim Abkühlen erhalten bleibt.

Gefahren und Kontraindikationen: Zitronenverbene gilt als sicher bei normalem Gebrauch in Lebensmitteln oder als Tee. In höheren Dosen oder konzentriert als Öl kann der intensive Geschmack Magenreizungen hervorrufen. Schwangere und Stillende sollten eine Fachperson konsultieren. Allergien gegen Verbenengewächse sind selten, aber möglich. Bei bestehenden Leber‑ oder Nierenerkrankungen ebenfalls vorsichtig dosieren.
Kosmetische Anwendungen, Haushalt und Garten
Zitronenverbene eignet sich auch für kosmetische Anwendungen. Äußerlich angewendet als Badezusatz oder in Form eines erfrischenden Sprays kann sie die Sinne beleben und ein Gefühl von Leichtigkeit fördern. Die ätherischen Öle wirken erfrischend und duftend, weshalb Zitronenverbene auch in Seifen, Lotionen oder Deodorants eingesetzt wird. In einem selbstgemachten Gesichts- oder Körperspray lässt sich ein starker Tee mit etwas Alkohol (z.B. Wodka) und Wasser mischen, um einen natürlichen Duftspender zu erhalten.
Im Haushalt kann ein Sud aus Zitronenverbene als natürliches Lufterfrischungsmittel dienen. Einfach einige Blätter in heißem Wasser ausziehen lassen und den Duft im Raum verbreiten.
Im Garten lockt der intensive Duft nicht nur dich an, sondern kann auch nützliche Insekten wie Bienen fördern. Ihre Dichte und Wüchsigkeit machen sie zudem zu einem attraktiven Element in Duft‑ und Kräutergärten.
Aussehen und Erkennungsmerkmale

Die Zitronenverbene ist ein aufrechter, strauchartiger Halbstrauch, der bei guter Pflege bis zu zwei Meter hoch werden kann. Sie bildet viele verzweigte, holzige Triebe mit lanzettlichen, weich behaarten Blättern, die bei Berührung einen intensiven Zitronenduft verströmen.
- Blätter: lanzettlich, fein behaart, grün, stark zitronig duftend.
- Wuchsform: buschig, verzweigt, bis zu ca. 150‑200 cm hoch.
- Blüte: kleine, zarte, meist weiße bis helllila Blütenstände im Sommer.
- Geruch: deutlich zitronig, frisch und angenehm.
- Wurzel: faseriges Wurzelsystem, nicht sehr tief, eher breit.
Für eine sichere Bestimmung riechst du an den Blättern – der unverwechselbare frische Zitronenduft ist typisch. Verwechslungen mit anderen Verbenengewächsen sind selten, da wenige die Duftintensität dieser Art haben.
Blätter sammelst du am besten vor der Blütezeit, wenn sie voll ausgebildet sind und das Aroma am stärksten ist. In gemäßigten Regionen ist dies meist von Juni bis August.
Bedingungen für kultivierten Anbau
Zitronenverbene lässt sich gut im Garten oder in einem großen Topf kultivieren. Sie liebt sonnige, warme Standorte und einen durchlässigen, nährstoffreichen Boden. Du solltest sie regelmäßig, aber mäßig gießen – Staunässe verträgt sie nicht gut. In kühleren Regionen ist ein Winterschutz oder ein frostfreier Standort empfehlenswert, da sie empfindlich gegen Frost ist. Ein Rückschnitt im Frühjahr fördert einen buschigeren Wuchs. Vermehren kannst du sie durch Stecklinge im Frühjahr oder durch Aussaat nach dem letzten Frost.
- EMA Report. Assessment report on Aloysia citrodora Paláu (syn. Aloysia triphylla (L’Hér.) Kuntze; Verbena triphylla L’Hér.; Lippia citriodora Kunth), folium (2019) ↩︎
- Polumackanycz, M., Petropoulos, S. A., Añibarro-Ortega, M., Pinela, J., Barros, L., Plenis, A. & Viapiana, A. (2022). Chemical Composition and Antioxidant Properties of Common and Lemon Verbena. Antioxidants, 11(11), 2247. ↩︎
- Silvia Perez-Pinero et. al., (2024). Dietary Supplementation with an Extract of Aloysia citrodora (Lemon verbena) Improves Sleep Quality in Healthy Subjects: A Randomized Double-Blind Controlled Study. Nutrients 2024, 16(10), 1523; ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Aromatischer Halbstrauch mit zitronigem Duft, buschig wachsend
- Lateinischer Name
- Aloysia citrodora
- Andere Namen
- Zitronenverbene, Zitronenstrauch
- Familie
- Verbenaceae (Verbenengewächse)
- Erntemonate
- Jun - Aug
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter
- Blattform
- lanzettlich
- Blütenfarbe
- violett, weiß
- Fundorte
- Ursprünglich Südamerika, heute in Kräutergärten weltweit kultiviert
- Verwechslungsgefahr
- Gering, unverwechselbarer Duft
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- In hohen Dosen mögliche Magenreizungen
- Warnungen
- Schwangere/Stillende bei therapeutischer Nutzung Rücksprache halten
- Inhaltsstoffe
- Citral, Flavonoide, Phenole
- Eigenschaften
- beruhigend, krampflösend, verdauungsfördernd
- Hilft bei
- Unruhezustände, Verdauungsbeschwerden
- Erkennung / Sammeltipps
- Intensiver Zitronenduft der Blätter, sonniger Standort
- Anbau
- Sonnig, gut durchlässig, mäßig gießen, frostempfindlich











