Isländisch Moos
Wenn du bei Halsschmerzen oder Reizhusten zu natürlichen Mitteln greifst, bist du vielleicht schon einmal dem Isländisch Moos (Cetraria islandica) begegnet. Trotz seines Namens ist es kein echtes Moos, sondern eine Flechte – eine Lebensgemeinschaft aus Pilz und Alge. Diese unscheinbare Pflanze aus den kargen Landschaften des Nordens entfaltet erstaunliche Wirkungen, vor allem bei Atemwegserkrankungen. Ihre schleimhautschützenden und reizlindernden Eigenschaften machen sie zu einem geschätzten Helfer bei trockenen Husten, Heiserkeit oder Halsentzündungen. Doch auch Magen und Darm profitieren von ihren bitteren Inhaltsstoffen.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Isländisch Moos ist in den Hochlagen des Nordens beheimatet: in Skandinavien, Island, Schottland und Teilen der Alpen. Die Pflanze gilt seit Jahrhunderten als überlebenswichtige Ressource in Regionen mit kargem Bewuchs. In Island wurde sie traditionell bei Hungersnöten gesammelt und zu Brot oder Brei verarbeitet. Auch als Heilmittel hat sie eine lange Geschichte: ab dem 17. Jahrhundert findet sie sich in zahlreichen Arzneibüchern. Pfarrer Kneipp empfahl sie bei Bronchitis und Magenleiden. In der nordischen Volksmedizin galt sie als pflanzliche Lunge und wurde daher besonders zur Stärkung der Atemwege geschätzt.
In der Ernährung
Isländisch Moos ist zwar kein typisches Nahrungsmittel, aber in Notzeiten wurde es zu einem wichtigen Bestandteil der nordischen Ernährung. Vor dem Verzehr muss sie jedoch sorgfältig gewässert werden, um die bitteren Flechtensäuren zu entfernen. Danach lässt sie sich zu Mehl vermahlen oder als sättigende Zutat in Suppen und Breien verwenden. Die Flechte enthält komplexe Kohlenhydrate (besonders Lichenin), etwas Eiweiß sowie Mineralstoffe wie Kalzium, Kalium und Jod.
Hinweis: Heute steht Isländisch Moos unter strengem Naturschutz. Da die Pflanze nur wenige Millimeter pro Jahr nachwächst, erholt sie sich nach der Ernte kaum.
Heilende Anwendungen
Die schleimhaltigen Polysaccharide wie Lichenin und Isolichenin sind wissenschaftlich gut untersucht. Sie legen sich wie ein Schutzfilm über entzündete Schleimhäute in Rachen, Hals und Magen und lindern so Reizungen.1 Daher ist Isländisch Moos ein klassisches Mittel bei Reizhusten, Heiserkeit, Schluckbeschwerden und Magenschleimhautreizungen.
Auch die enthaltenen Bitterstoffe wie Cetrarsäure wirken tonisierend auf die Verdauung, regen Speichel- und Magensaftproduktion an und helfen bei Appetitlosigkeit.2 In der Volksmedizin wurde Isländisch Moos zudem bei Lungentuberkulose, Bronchitis und Erschöpfung eingesetzt. Aber auch bei schlecht heilenden Wunden und Nieren-Blasenleiden.
Studien bestätigen die Reizlindernde Wirkung und die lokale antimikrobielle Aktivität.3 Auch bei Gastritis oder Reizmagen kann ein Tee wohltuend sein. Wichtig ist, dass du die Pflanze nicht überdosierst: In größeren Mengen können die Bitterstoffe zu Übelkeit führen. Schwangere sollten Isländisch Moos nur nach Rücksprache mit dem Arzt anwenden.
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Isländisch-Moos-Tee
Trinke Isländisch-Moos-Tee zur Linderung bei Halsschmerzen: einfach 1 Teelöffel mit 200 ml kaltem Wasser aufkochen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Honig unterstützt die Wirkung.

Kosmetische Anwendungen, im Haushalt und Garten
Isländisch Moos findet auch in der Naturkosmetik Verwendung, vor allem bei empfindlicher oder gereizter Haut. Die schützenden Schleimstoffe können Rötungen lindern und die Haut beruhigen. Ein Gesichtswasser aus einem Sud der Flechte wirkt klärend und reizlindernd. Auch bei Sonnenbrand oder Neurodermitis kann ein kalter Umschlag mit Moos-Tee helfen.
In Cremes oder Salben verarbeitet, wird Isländisch Moos zur Pflege trockener Haut verwendet. Die enthaltenen Flechtensäuren wirken zudem antibakteriell und können bei Unreinheiten helfen.

Im Haushalt eignet sich die Pflanze wegen ihrer antimikrobiellen Wirkung auch zur Herstellung eines natürlichen Reinigungssprays: einfach einen Sud mit Essig mischen und abkühlt verwenden.
Aussehen und Erkennungsmerkmale

Isländisch Moos wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, doch mit geübtem Blick lässt es sich gut bestimmen:
- Wuchsform: Strauchige, locker verzweigte Flechte, ca. 4-10 cm hoch
- Farbe: Trocken bräunlich-grün, frisch leicht gräulich bis olivgrün
- Lappen: flach, bandförmig, gezackt und leicht gekräuselt, oft mit kleinen Becherchen
- Geruch: neutral bis leicht erdig
- Vorkommen: in kühlen, lichtreichen Hochlagen, auf Heideböden, Wiesen, im Gebirge
Verwechslungen sind mit anderen Bodenflechten möglich, etwa mit Rentierflechte (Cladonia rangiferina), doch diese ist deutlich feiner verzweigt. Isländisch Moos wächst bevorzugt auf sauren, kalkarmen Böden und liebt viel Licht.
Wichtiger Hinweis zum Naturschutz
Bitte sammle Isländisch Moos nicht wild in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die Flechte steht hierzulande unter Naturschutz (in Deutschland z. B. nach der Bundesartenschutzverordnung „besonders geschützt“).
Da Flechten extrem langsam wachsen (oft nur wenige Millimeter pro Jahr), erholen sich die Bestände nach einer Ernte kaum. Greife daher für Heilzwecke immer auf geprüfte Ware aus der Apotheke oder dem Kräuterhandel zurück; diese stammt meist aus nachhaltigeren Quellen in Skandinavien oder Osteuropa.
Viele weitere Informationen und Rezepte zu Tees mit Heil- und Wildpflanzen findest du in unserem Buch:
- Kempe, C., Grüning, H., Stasche, N. & Hörmann, K. (1997). Isländisch-Moos-Pastillen zur Prophylaxe bzw. Heilung von oralen Schleimhautirritationen und ausgetrockneter Rachenschleimhaut. Laryngo-Rhino-Otologie, 76(03), 186–188. ↩︎
- Lichen islandicus – herbal medicinal product | European Medicines Agency (EMA). (2022, 10. August). European Medicines Agency (EMA). ↩︎
- Elżbieta Studzińska-Sroka, Wiesława Bylka, (2010) Iceland Moss – active compounds, biological properties. Farmaceutyczny Przeglad Naukowy 7(7): 23-27 ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- strauchige, grünbraune Flechte mit gezackten, bandförmigen Lappen
- Lateinischer Name
- Cetraria islandica
- Andere Namen
- Isländische Flechte, Lungenflechte, Fiebermoos
- Familie
- Parmeliaceae (Flechten)
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter
- Blattform
- bandartig, gezackt
- Fundorte
- Skandinavien, Alpen, Island, Gebirge, Heiden
- Verwechslungsgefahr
- mit Rentierflechte (Cladonia spp.)
- Giftigkeit
- ungiftig
- Warnungen
- nicht dauerhaft hoch dosieren, bei Schwangerschaft vorsichtig
- Inhaltsstoffe
- Bitterstoffe, Flechtensäuren, Schleimstoffe
- Eigenschaften
- antibakteriell, appetitanregend, reizlindernd, schleimlösend
- Hilft bei
- Appetitlosigkeit, Gastritis, Heiserkeit, Husten, Hustenkrämpfe
- Erkennung / Sammeltipps
- Isländisch Moos steht in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter Naturschutz.















Schade das keine genaue Rezepte, wie meist in den Berichten von Kostbarenatur, stehen.
Frage: muss die gesammelte Pflanze grundsätzlich gewässert werden, oder wascht man dann die heilenden Stoffe aus? Soll die getrocknete Pflanze immer gemahlen werden, um die Wirkstoffe auszulösen?
Hallo Aly, vielen Dank für deine Nachricht und dein Interesse! Das Thema Wässern hängt ganz davon ab, was du vorhast: Wenn du die Flechte essen möchtest, dient das Wässern dazu, die extrem bitteren Flechtensäuren zu entziehen. Für Heilzwecke, etwa bei Magenbeschwerden, sind diese Bitterstoffe jedoch ausdrücklich erwünscht, weshalb man sie für Tee nicht vorab wässert. Ein feines Vermahlen ist nicht unbedingt nötig; es reicht völlig aus, die getrocknete Pflanze grob zu zerkleinern, damit die Wirkstoffe und Schleimstoffe gut ins Wasser übergehen können. Ein kleiner Hinweis noch zum Sammeln: Da Isländisch Moos bei uns streng unter Naturschutz steht und nur sehr langsam nachwächst, empfehle ich für eigene Rezepte immer die kontrollierte Ware aus der Apotheke oder dem Fachhandel. Liebe Grüße, Eva
Isländisch Moos ist wirklich super gegen Reizhusten! Mir hat im Winter mal ein selbstgemachter Sirup aus der Flechte, zusammen mit etwas Thymian, total gut geholfen. Das beruhigt die Atemwege dann noch effektiver. 🌿💪