Zimt
Zimt (Cinnamomum verum) ist viel mehr als nur ein beliebtes Weihnachtsgewürz. Die aromatische Rinde des Zimtbaums wärmt von innen, regt die Verdauung an und bringt süßen wie herzhaften Gerichten das gewisse Etwas. In der Naturheilkunde wird Zimt für seine entzündungshemmenden und antibakteriellen Eigenschaften geschätzt. Vor allem als Tee, in der Küche oder zur sanften Unterstützung des Blutzuckerspiegels kommt er regelmäßig zum Einsatz. Besonders bekannt sind zwei Sorten: der milde, hochwertige Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) und der kräftigere Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia).
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Zimt stammt ursprünglich aus Sri Lanka und Teilen Südindiens, wo es seit Jahrtausenden geerntet wird. Bei den Ägyptern war Zimt ein hoch geschätztes Luxusgut, das sogar in Grabbeigaben von Pharaonen gefunden wurde. In der römischen Antike galt es als begehrtes Handelsprodukt, das den Reichtum großer Händler symbolisierte. Marco Polo berichtete im 13. Jahrhundert von den Gefahren und der Exklusivität, die mit dem Handel von Zimt verbunden waren. In der traditionellen chinesischen und ayurvedischen Medizin spielte Zimt über lange Zeit eine Rolle als wärmendes Mittel zur Stärkung von Verdauung und Kreislauf.
In der Ernährung
Kulinarisch genutzt wird primär die getrocknete Rinde der Zimtbaum‑Zweige. Sie enthält ätherische Öle und Aromastoffe wie Zimtaldehyd, die für den intensiven Geschmack verantwortlich sind und zugleich antioxidative Eigenschaften besitzen. Zimt ist zudem reich an Mineralstoffen wie Kalzium, Eisen und Ballaststoffen, wenn auch in kleinen Mengen – als Gewürz nimmt man ja nur eine Prise bis einen Teelöffel täglich.
Ceylon-Zimt und Cassia-Zimt sicher unterscheiden
Ceylon-Zimt ist aromatischer, hochwertiger und enthält weniger Cumarin als Cassia-Zimt. Der Inhaltsstoff kann die Leber schädigen. Daher ist eine Unterscheidung schon beim Kauf sinnvoll.
Wenn du Zimtstangen kaufst, achte auf die Schichtung: Ceylon-Zimt ähnelt einer aufgerollten Zigarre; er besteht aus vielen hauchdünnen Rindenschichten, die im Querschnitt ein feines Muster ergeben. Cassia-Zimt hingegen besteht meist aus einer einzigen, dicken und sehr harten Rindenschicht, die sich nach innen einrollt.
Bei Zimt-Pulver ist die Unterscheidung schwieriger, weshalb hier ein Blick auf die Verpackung entscheidend ist: Hochwertiger Ceylon-Zimt ist explizit als solcher deklariert und meist deutlich teurer sowie heller und feiner im Aroma. Steht lediglich „Zimt“ auf der Packung, handelt es sich fast immer um den preisgünstigeren Cassia-Zimt mit höherem Cumarin-Gehalt.
Zimtflöckchen
Zur Weihnachtszeit gibt es natürlich immer Zimtsterne, aber was essen Zimtfreunde den Rest des Jahres? Probiere diese Zimtflöckchen aus, sie passen auch im Sommer zu einer Tasse Kaffee oder Tee. Für eine kleine Schachtel Zimtgenuss brauchst du:
- 125 g Butter
- 50 g Puderzucker
- 1 Pack Vanillezucker
- 2 Teelöffel Zimt
- 75 g Mehl
- 125 g Speisestärke
- Zum Bestäuben: etwa 50 g Puderzucker und 1 TL Zimt
Es ist ganz einfach, die mürben Flöckchen herzustellen:
- Alle Zutaten zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten.
- Kleine Kugeln mit etwa drei cm Durchmesser zwischen den Handflächen rollen.
- Bei 200 °C ungefähr 13–15 Minuten backen und auf einem Gitter abkühlen lassen.
- In der Zwischenzeit etwa 50 g Puderzucker mit einem Teelöffel Zimt mischen.
- Sind die Zimtflöckchen komplett erkaltet, fein mit dem Zimtzucker bestäuben. Das funktioniert prima, wenn man dafür ein Teesieb nimmt.
Zimtliebhaber servieren dazu Kaffee oder Tee, der mit einer Prise Zimt gewürzt ist.
Heilende Anwendungen von Zimt
Zimt hat eine lange Tradition in der Pflanzenheilkunde. Wissenschaftlich gut belegt sind die antioxidativen Eigenschaften der enthaltenen ätherischen Öle, vor allem des Zimtaldehyds, die helfen können, Zellschutz‑Mechanismen zu unterstützen.1 Einige Studien zeigen, dass Zimt positive Effekte auf die Blutzuckerreaktion nach Mahlzeiten haben kann, was im Kontext einer ausgewogenen Ernährung relevant ist.2 Außerdem besitzt Zimt antimikrobielle Eigenschaften, die teilweise die Haltbarkeit von Lebensmitteln unterstützen können und erklären, warum Gewürze in warmen Klimazonen historisch bedeutend waren.
Volksheilkundlich wird Zimt häufig bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen oder leichten Magenkrämpfen eingesetzt; ein lauwarmer Zimt‑Tee kann hier beruhigend wirken. Auch bei Erkältungs‑ und Grippezeiten wird Zimttee mit Honig als wärmendes Hausmittel geschätzt. Die enthaltenen Flavonoide und ätherischen Öle gelten als hauptsächliche Wirkstoffträger.
Tee
Zimttee wird empfohlen, um den Appetit anzuregen, insbesondere bei Magenproblemen und milder Verstopfung. Serviere dazu vor den Mahlzeiten eine Tasse.
Dazu zwei Stangen Zimt in einem halben Liter Wasser aufkochen. Wenn du die Zimtstangen in Stücke brichst, wird das Aroma intensiver.
Hinweis: Trotz seiner positiven Seiten gibt es Risiken: Zu hohe Mengen – vor allem von Cassia‑Zimt – können aufgrund des hohen Cumarin‑Gehalts die Leber belasten.3 Daher sollte man bei regelmäßiger Anwendung auf Ceylon‑Zimt achten und nicht große Dosen über längere Zeit konsumieren. Für einen Erwachsenen gilt etwa ein Limit von 0,1 mg Cumarin pro kg Körpergewicht. Bei Schwangerschaft oder bestehenden Erkrankungen ist es ratsam, mit einer Ärztin oder einem Arzt Rücksprache zu halten.
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Anwendung in Haushalt und Kosmetik
Zimt kann auch über die Küche hinaus genutzt werden: In der Hautpflege findet Zimtöl gelegentlich Verwendung in selbstgemachten Peelings oder Bädern, wo es durch seine Durchblutungsanregung für ein wärmendes, belebendes Gefühl sorgen kann. Allerdings ist es stark hautreizend und sollte nur stark verdünnt und mit Vorsicht angewendet werden. In der Aromatherapie wird Zimtduft gern zur Steigerung des Wohlbefindens und der Gemütlichkeit eingesetzt.
Im Haushalt kann eine Zimtstange im Gewürzschrank oder der Vorratskammer unangenehme Gerüche überdecken und – unterstützt von der antimikrobiellen Wirkung – für ein frisches Raumklima sorgen. Im Garten kann Zimt bei der Aussaat helfen: Eine leicht bestäubte Zimtschicht um Sämlinge soll bei manchen Hobbygärtnern Pilzprobleme reduzieren (Hinweis: wissenschaftliche Studien dazu sind begrenzt).
Für einfache DIY‑Rezepte: Ein Zimt‑Zucker‑Körperpeeling mit Kokosöl bringt Hautpflege und Duft zusammen. Zimtöl‑Diffusion in der kalten Jahreszeit verleiht dem Zuhause eine wärmende Atmosphäre und kann das Immunsystem unterstützen.
Aussehen und Erkennungsmerkmale des Zimtbaums

Zimtbäume sind immergrüne Bäume, die in ihren Herkunftsregionen bis zu 10–15 Meter hoch werden können. Auffällig ist ihre glatte, zimtfarbene Rinde, die aromatische Öle enthält.
- Die Rinde ist dünn, grau‑braun und lässt sich in dünnen, aromatischen Schichten ablösen.
- Die Blätter sind glänzend grün, länglich‑elliptisch und haben eine deutliche Mittelrippe.
- Zimtblüten sind klein, grünlich‑gelb und wachsen in dichten Rispen; sie sind weniger auffällig als die Rinde.
- Die charakteristische Zimtrinde, die wir als Gewürz kennen, ist eingerollt zu Stäbchen (die sogenannten „Quills“).
Zimt wächst natürlich in tropisch‑feuchten Regionen; in Kultur findet man ihn vor allem auf Plantagen in Sri Lanka, Indonesien oder Madagaskar. Die Rindenernte erfolgt durch Abschälen jüngerer Äste und Stämme während der Regenzeit, wenn die Rinde sich leichter löst. Die Erntezeit ist abhängig vom Klima, in tropischen Regionen ganzjährig möglich.
Bedingungen für kultivierten Anbau
Zimt gedeiht am besten in tropischen bis subtropischen Klimazonen mit hoher Luftfeuchtigkeit und gleichmäßiger Wärme. Als Tiefwurzler bevorzugt er nährstoffreiche, feuchte Böden mit guter Drainage und reichlich organischer Substanz. Für den Garten‑ oder Topfanbau in nicht‑tropischen Regionen eignen sich eher Zwergformen oder junge Pflanzen als Zimmerpflanzen; sie brauchen helles Licht, gleichmäßige Feuchtigkeit und Temperaturen über etwa 18 °C.
Regelmäßig organisch düngen und Mulchen hilft, die Bodenfeuchte zu halten und Nährstoffe bereitzustellen. Schnittmaßnahmen dienen vor allem dazu, ein buschigeres Wachstum und eine ertragreichere Rindengewinnung zu fördern. Samen oder Stecklinge lassen sich zur Vermehrung nutzen, wobei Stecklinge eine höhere Erfolgsquote haben. Die Ernte erfolgt, wenn die Rinde dick genug ist, um aromatische Inhaltsstoffe zu enthalten, meist nach einigen Jahren Wachstum.
- Pagliari S., (2023) Antioxidant and Anti-Inflammatory Effect of Cinnamon (Cinnamomum verum J. Presl) Bark Extract after In Vitro Digestion Simulation. Plant Extracts as Functional Food Ingredients ↩︎
- Khan, A., Safdar, M., Khan, M. M. A., Khattak, K. N. & Anderson, R. A. (2003). Cinnamon Improves Glucose and Lipids of People With Type 2 Diabetes. Diabetes Care, 26(12), 3215–3218. https://doi.org/10.2337/diacare.26.12.3215 ↩︎
- Cassia cinnamon with high coumarin contents to be consumed in moderation. (o. D.). Bundesinstitut für Risikobewertung. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Immergrüner Baum mit aromatischer Rinde, die als Gewürz genutzt wird
- Lateinischer Name
- Cinnamomum verum und Cinnamomum cassia
- Andere Namen
- Zimmet, Kaneel
- Familie
- Lorbeergewächse (Lauraceae)
- Verwendbare Pflanzenteile
- Rinde
- Giftigkeit
- ungiftig
- Inhaltsstoffe
- Cumarine, Zimtöl
- Eigenschaften
- antimikrobiell, appetitanregend, verdauungsfördernd, wehentreibend
- Hilft bei
- Appetitlosigkeit, Völlegefühl













0,1 mg Curamin pro kg Körpergewicht eines Erwachsenen. Woher weiß ich, wie viel
Curamin in einem Gramm Zimt enthalten sind.?
Lieber Hartmut,
Cassia-Zimt enthält durchschnittlich etwa 3 mg Cumarin pro g. Davon dürfte ein gesunder Erwachsener also nur circa 2-3 g pro Tag zu sich nehmen, um die kritische Dosis nicht zu überschreiten.
Ceylon-Zimt enthält dagegen weniger als 0,008 mg/g Cumarin, also weniger als 0,3 Prozent verglichen mit Cassia-Zimt. Man könnte also theoretisch mehrere 100 Gramm Ceylon-Zimt essen ohne Überdosis an Cumarin. Daher auch die Empfehlung im Beitrag, diese sichere Sorte zu verwenden.
Mehr Infos: https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/inhaltsstoffe/pflanzeninhaltsstoffe/cumarin_zimt.htm
Liebe Grüße
Ich verstehe das Theater um den “bösen” Cassia-Zimt nicht. Es ist der Zimt, den es bis vor ca 20 Jahren ausschließlich gab, mit dem schon unsere Großeltern ihre Zimtsterne buken. Nur der Cassia-Zimt hat diesen typischen Zimt-Geschmack, der eben vom Cumarin kommt. Cumarin sorgt für eine wohlige Wärme im Körper, facht das Verdauungsfeuer an, wirkt entspannend, soll den Blutzucker senken und hat ganz gewiss noch mehr gesundheitliche Vorteile, die der Ceylon-Zimt so nicht zu bieten hat. Ja, zuviel Cumarin kann schädlich für die Leber sein; aber dazu müsste man über Monate hinweg mehr als 1 Esslöffel Cassia-Zimt essen. Und wer macht das schon?
Danke für deine Ergänzung! Ganz so einfach ist es aber leider nicht, denn es ist relativ leicht möglich, z.b. mit Zimtgebäck eine gesundheitsschädliche Dosis Cumarin zu sich zu nehmen. Siehe zum Beispiel hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Cumarin#Physiologie_und_Toxikologie
Liebe Grüße
Sind Cumarine wasserdampfflüchtig? Ich frage deshalb, weil ich Zimtrinde gerne in meine Destille schicken möchte, um etwas ätherisches Öl zu gewinnen…
DANKE für Deine immer hochinteressanten Beiträge, liebe Grüsse
Petra
und wie sieht es mit Zimtpulver aus,
Meistens handelt es sich beim Pulver um Cassia-Zimt. Wenn nichts gegenteiliges drauf steht kann man davon ausgehen, dass es sich um Cassia handelt.