Große Klette
Die Große Klette (Arctium lappa) ist weit mehr als nur ein „klettenartiges“ Unkraut am Wegesrand. Seit Jahrhunderten schätzt man ihre Wurzeln, Blätter und Samen wegen ihrer vielfältigen Wirkungen auf Haut, Leber und Verdauung. Als Heilpflanze kommt sie besonders bei Hautproblemen, Stoffwechselstörungen und zur innerlichen Entgiftung zum Einsatz. Ihre Wurzel ist zudem ein wertvoller Bestandteil in der Küche und liefert Vitamine, Mineralstoffe und Bitterstoffe, die unseren Organismus anregen.
Herkunft, Geschichte, kulturelle Bedeutung
Ursprünglich stammt die Große Klette aus Europa und Asien, sie ist jedoch heute fast weltweit verbreitet. In der traditionellen europäischen Volksmedizin war sie eine der wichtigsten Heilpflanzen. Schon Hildegard von Bingen empfahl ihre Wurzel gegen „schlechte Säfte im Leib“. In Japan kennt man die Pflanze als „Gobo“, wo ihre Wurzel als geschätztes Gemüse in der traditionellen Küche dient. Auch Sebastian Kneipp erkannte ihre Wirkung und nutzte sie zur inneren Reinigung.
In der Mythologie galt die Klette mancherorts als Schutzpflanze gegen „böse Geister“, was wohl auch mit ihrer starken Haftkraft zusammenhängt – ein Symbol für Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen.
In der Ernährung
Die Wurzel der Große Klette ist nicht nur gesund, sondern auch lecker. Sie kann roh, gedünstet oder gekocht verzehrt werden. Besonders in der japanischen Küche ist Gobo sehr beliebt: fein in Streifen geschnitten und in Sesamöl gebraten entfaltet sie einen nussig-würzigen Geschmack. In Europa hingegen ist sie eher eine Rarität auf Wildkräutertellern. Junge Wurzeln (im ersten Jahr geerntet) sind zart und reich an Ballaststoffen, Kalium, Kalzium, Magnesium sowie Eisen. Auch die jungen Blätter sind essbar, sollten aber wegen ihrer Bitterkeit blanchiert oder klein geschnitten werden. Oder als Rohkost: Die geschälte Wurzel fein raspeln, mit Apfel, Karotte und Zitronensaft vermengen. Auch als fermentiertes Wintergemüse ist sie haltbar und nährstoffreich.
Gekochte Klettenwurzel
Das ist ein einfaches Rezept mit Klettenwurzel, Kartoffeln und Möhren als Wildgemüse.

Heilende Anwendungen
Die Große Klette besitzt eine lange Tradition als Heilpflanze. Wissenschaftlich belegt ist ihre antientzündliche, antioxidative1 und antimikrobielle2 Wirkung. Besonders der hohe Gehalt an Inulin (einem Ballaststoff) wirkt präbiotisch und fördert die Darmgesundheit.3
Bitterstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe wie Lignane, Polyacetylene und Gerbstoffe werden traditionell verwendet zur Unterstützung von Leber- und Stoffwechselfunktionen. In der Naturheilkunde wird sie äußerlich bei Ekzemen, Akne, Schuppenflechte oder juckender Haut verwendet. Innerlich soll sie bei rheumatischen Beschwerden, Gicht, Blasenproblemen und Leberleiden helfen.
Klettenwurzeltinktur oder -tee ist ein klassisches Mittel zur Frühjahrskur. Auch in modernen Hautpflegeprodukten findet sich Klettenextrakt gegen fettige Haut und Entzündungen.
Klettenwurzel-Tee
Ein Teelöffel getrocknete, zerkleinerte Klettenwurzel mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10–15 Minuten ziehen lassen und anschließend abseihen. Zwei Tassen täglich über zwei bis drei Wochen hinweg unterstützen eine sanfte Reinigung von innen.
Vorsicht: Menschen mit empfindlichem Magen sollten die Einnahme langsam steigern, da die Bitterstoffe zu Beginn den Magen reizen können. Auch während der Schwangerschaft ist eine Anwendung mit dem Arzt abzuklären.

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Kosmetische Anwendungen, im Haushalt und Garten
Die ätherischen Öle und Gerbstoffe der Große Klette haben eine reinigende und beruhigende Wirkung auf die Haut. Aus Wurzel und Samen lassen sich heilende Ölauszüge herstellen, die bei trockener Kopfhaut, Schuppen oder Haarausfall helfen sollen. Bekannt ist das „Klettenwurzel-Haaröl“, das einmassiert die Durchblutung fördert und das Haarwachstum unterstützen kann.

Aussehen und Erkennungsmerkmale

Die Große Klette ist eine imposante Pflanze, die schnell über einen Meter hoch werden kann. Sie ist zweijährig und bildet im ersten Jahr eine Blattrosette, im zweiten Jahr den Blütentrieb.
- Blätter: groß, herzförmig, unterseits filzig-weiß, oberseits grün, rau
- Blüten: purpurfarben, kugelige Köpfchen mit Hakenborsten, die sich an Kleidung und Fell heften
- Wuchsform: krautig, aufrecht, verzweigt
- Charakteristisches Merkmal: die klettenden Fruchtstände
Verwechslung ist möglich mit der Filz-Klette oder der Kleinen Klette, die jedoch kleiner bleiben. Ihr Standort sind Wegränder, Bahndämme, Ödland oder Waldränder. Sie bevorzugt stickstoffreiche, lockere Böden. Beide Arten sind nicht giftig und grundsätzlich essbar bzw. nutzbar. Allerdings sind Wirkstoffgehalt und Größe unterschiedlich: Die Große Klette (Arctium lappa) wird bevorzugt verwendet, weil ihre Wurzel größer ist und traditionell am besten untersucht wurde. Kleinere Arten lassen sich ähnlich nutzen, sind aber oft faseriger und milder in der Wirkung.
Gesammelt werden die Wurzeln im Herbst des ersten Jahres oder zeitigen Frühjahr des zweiten Jahres. Blätter und Samen im Sommer. Die Pflanze hat einen erdig-aromatischen Geruch. Die Wurzel ist lang, fleischig und weißlich.
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- Chan, Y., Cheng, L., Wu, J., Chan, E., Kwan, Y., Lee, S. M., Leung, G. P., Yu, P. H. & Chan, S. (2010). A review of the pharmacological effects of Arctium lappa (burdock). Inflammopharmacology, 19(5), 245–254. ↩︎
- Zhao Nan, Wang Lejia, Cock Ian Edwin. (2021). Arctium Lappa L. Root Extracts Inhibit The Growth Of Bacterial Triggers Of Selected Autoimmune Inflammatory Diseases And Potentiate The Activity Of Conventional Antibiotics. Pharmacognosy Communications 11(4):195-204 ↩︎
- Ruan, Y., Ding, Y., Li, X., Zhang, C., Wang, M., Liu, M., Wang, L., Xing, J., Hu, L., Zhao, X., Ding, Z., Dong, J. & Liu, Y. (2022). Saccharides from Arctium lappa L. root reduce platelet activation and thrombus formation in a laser injury thrombosis mouse model. Experimental And Therapeutic Medicine, 23(5), 344. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Zweijährige, krautige Pflanze mit großen Blättern und klettenden Fruchtköpfen
- Lateinischer Name
- Arctium lappa
- Andere Namen
- Großklette, Lappenklette, Gobo (japanisch)
- Familie
- Korbblütler (Asteraceae)
- Erntemonate
- Jul - Nov
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Samen, Wurzeln
- Blattform
- herzförmig
- Blütenfarbe
- purpur, violett
- Fundorte
- Wegränder, Ödland, Waldränder, Gärten
- Verwechslungsgefahr
- mit Kleiner Klette, Filzklette
- Giftigkeit
- ungiftig
- Inhaltsstoffe
- Bitterstoffe, Gerbstoffe, Inulin, Lignane, Polyacetylene
- Eigenschaften
- entgiftend, entzündungshemmend, stoffwechselanregend
- Hilft bei
- Gicht, Hautprobleme, Rheuma, Verdauungsbeschwerden
- Erkennung / Sammeltipps
- Wurzel im 1. Jahr ernten, Fruchtstände typisch klettend














Hallo Frau Brauckmann,
Vielen Dank für all die schönen Dinge die sie mit uns teilen. Wenn sie über Verwechselungen und Verwechselungsgefahr sprechen wäre es für mich sehr hilfreich zu wissen, ob die Verwechselung wie zB. die kleine Klette giftig ist, oder ungiftig …oder evtl auch genutzt werden kann.
Mit lieben Grüßen
K.Brüchner
Liebe Frau Brüchner, vielen Dank für Ihre aufmerksame Frage. Die ist absolut berechtigt. Und vielen Dank für das schöne Lob, das erfreut mich sehr bei der Arbeit. Nun zum Thema: Die genannten Verwechslungspartner wie Kleine Klette oder Filz-Klette sind nicht giftig. Alle heimischen Klettenarten (Gattung Arctium) gelten als ungiftig und sind grundsätzlich essbar bzw. nutzbar. Allerdings sind Wirkstoffgehalt und Größe unterschiedlich: Die Große Klette (Arctium lappa) wird bevorzugt verwendet, weil ihre Wurzel größer ist und traditionell am besten untersucht wurde. Kleinere Arten lassen sich ähnlich nutzen, sind aber oft faseriger und milder in der Wirkung. Ich werde das auch noch ergänzen im Artikel. Herzliche Grüße Eva Brauckmann