Löwenzahnwurzel-Tinktur selbst herstellen und nutzen
Wenn der Sommer sich verabschiedet, beginnt für viele Wildkräutersammler die Wurzelzeit. Gerade beim Gewöhnlichen Löwenzahn wird traditionell besonders die Wurzel geschätzt. Denn sie enthält Bitterstoffe, Inulin und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. In einer Löwenzahnwurzel-Tinktur kannst du diese Stoffe lösen und haltbar machen.
Ist Löwenzahnwurzel gesund?
Löwenzahnwurzel wird seit Langem in der Pflanzenheilkunde zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt und ist auch als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt, insbesondere bei leichten Beschwerden wie Völlegefühl oder nachlassendem Appetit.1 Die enthaltenen Bitterstoffe können die Bildung von Magensaft und Galle anregen und so die Verdauung, vor allem von fettreichen Speisen, auf natürliche Weise begleiten.
In Labor und Tierstudien wurden antioxidative und mögliche leberschützende Effekte beobachtet.2 Ob und in welchem Ausmaß sich diese Effekte auf den Menschen übertragen lassen, ist bislang jedoch noch nicht ausreichend durch hochwertige klinische Studien untersucht. Manche Anwender berichten von mehr Energie oder weniger Heißhunger.
Ein weiterer interessanter Bestandteil der Wurzel ist Inulin, ein präbiotischer Ballaststoff. Er dient bestimmten Darmbakterien als Nahrung und kann so zu einem ausgewogenen Mikrobiom beitragen, was sich positiv auf die Verdauung und das allgemeine Wohlbefinden auswirken kann.

Löwenzahnwurzeln ernten
Generell wird bei der Ernte von heilkräftigen Wurzeln als beste Sammelzeit der frühe Morgen oder der späte Abend empfohlen. Denn die ausgegrabenen Wurzeln sollen möglichst wenig dem Sonnenlicht ausgesetzt sein, damit sie ihre Wirkstoffe nicht verlieren.
Ich selbst halte mich nicht so streng an die Tageszeiten, achte aber darauf, die Wurzeln dunkel zu trocknen und zu lagern und zügig zu verarbeiten.
Gehe bei der Ernte der Wurzeln wie folgt vor:
- Mit einer kleinen Pflanzschaufel seitlich die Pflanze abstechen, die Erde ggf. etwas auflockern und Pflanze samt Wurzel am Schopf behutsam herausziehen.
- Die Erde von der Wurzel schütteln und den Boden wieder festklopfen. Das Kraut kannst du gleich abzupfen und als Dünger in das entstandene Loch geben.
- Sammelbehälter mit einem Tuch abdecken, um die Wurzeln möglichst wenig dem Licht auszusetzen.
- Über Nacht stehen lassen, dann trocknet die noch anhaftende Erde und kann gut abgebürstet werden. Ein trockener Waschlappen leistet dabei ebenfalls gute Dienste. Sollten die Wurzeln sich so nicht reinigen lassen, kannst du sie auch kurz unter fließendem, kaltem Wasser abwaschen.
- Für die weitere Verarbeitung in dünne Scheiben schneiden.

Löwenzahnwurzeln können vielfältig verwendet werden. Frisch kann man sie klein geschnitten direkt essen, z.B. in Wildkräuter-Salaten, oder als Wildgemüse kochen.
Getrocknet lassen sie sich pulverisieren oder klein geschnitten als Zutat für wärmende Magen-Darm-Teemischungen verwenden.
Für die Herstellung einer Tinktur werden die frischen Wurzeln verwendet.
Herstellung einer Löwenzahnwurzel-Tinktur
Für eine selbstgemachte Tinktur mit Löwenzahnwurzeln benötigst du:
- Frische, geschnittene Löwenzahnwurzeln
- 70 % Vol. Alkohol (Um alle Wirkstoffe aus den Wurzeln gut lösen zu können, reicht ein 40-prozentiger Alkohol wie Wodka oder Doppelkorn in der Regel nicht aus. Geeigneten Alkohol gibt es unter der Bezeichnung “Prima Sprit” Ansatzalkohol in der Spirituosenabteilung oder im Online-Handel.)
- Schraubglas, zum Beispiel ein sauberes Marmeladenglas
- Kaffeefilter oder Tuch zum Filtrieren
- Braunglas-Fläschchen zum Abfüllen
Und so gehst bei der Herstellung vor:
-
Ein Schraubglas bis zu zwei Dritteln mit den gereinigten, klein geschnittenen Wurzeln befüllen.
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Mit 70-prozentigem Alkohol übergießen, bis alle Pflanzenteile gut bedeckt sind.
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Glas verschließen und mit Namen und Datum etikettieren.
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An einem dunklen Ort mindestens 14 Tage bis zu sechs Wochen lang ziehen lassen. Tägliches Durchschütteln fördert das Herauslösen der Wirkstoffe.
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Die fertige Tinktur durch einen Kaffeefilter oder ein Tuch filtern und in bereitgestellte Braunglas-Fläschchen abfüllen.
Gut verschlossen und dunkel gelagert hält sich die Tinktur mindestens ein Jahr.
Dosierung der Löwenzahnwurzel-Tinktur
Die übliche Dosierung einer Löwenzahnwurzeltinktur liegt je nach Konzentration bei etwa fünf bis zwanzig Tropfen ein- bis dreimal täglich, idealerweise etwa fünfzehn Minuten vor dem Essen, damit die Bitterstoffe ihre verdauungsanregende Wirkung im Mund und Magen entfalten können. Die genaue Menge kann individuell variieren, weshalb es sinnvoll ist, mit einer niedrigeren Dosis zu beginnen und die Verträglichkeit zu beobachten.
Wann soll man Löwenzahnwurzel-Tinktur nicht anwenden?
Nicht geeignet ist die Anwendung bei einem bestehenden Gallenwegsverschluss oder akuten Entzündungen der Gallenwege, da die anregende Wirkung auf den Gallenfluss hier problematisch sein kann. Auch bei schweren Lebererkrankungen sollte eine Einnahme nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. Menschen mit einer bekannten Allergie gegen Korbblütler, zu denen auch der Löwenzahn gehört, sollten auf eine Anwendung verzichten, da allergische Reaktionen möglich sind.
Wer an Diabetes leidet, regelmäßig Medikamente einnimmt oder an chronischen Erkrankungen betroffen ist, sollte vor der Anwendung mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer qualifizierten Fachperson sprechen. Gleiches gilt für Schwangere, Stillende und Kinder, da für diese Personengruppen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen und hochprozentige alkoholische Zubereitungen grundsätzlich zurückhaltend verwendet werden sollten.
Grundsätzlich ersetzt eine Löwenzahnwurzel Tinktur keine ärztliche Behandlung. Bei anhaltenden, unklaren oder sich verschlechternden Beschwerden ist eine medizinische Abklärung wichtig, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen und eine geeignete Therapie zu erhalten.
Weitere Tipps
Wenn du die Wurzeln mit einem 40-prozentigen Schnaps ansetzt, erhältst du einen aromatischen Verdauungsschnaps, der immer noch über ein wenig Heilwirkung verfügt.
Sollten Wurzelreste übrig bleiben oder zu klein für die Verarbeitung sein, dann trockne sie gut durch und nutze sie zum Räuchern. Sie haben einen süßlich-angenehmen Duft, der Erheiterung bringen und trübe Gedanken vertreiben soll.
Alternativ kannst du Löwenzahnwurzeln auch als heimischen Kaffee-Ersatz nutzen.
Hast du Tipps oder Fragen zur Herstellung von Tinkturen oder zur Ernte und Verarbeitung von Wurzeln in der Heilkunde? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!
Viele weitere Tipps und Rezepte zum Löwenzahn und anderen Kräutern findest du auch in unseren Büchern:
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- Taraxaci officinalis radix – herbal medicinal product. 2020. Taraxacum officinale F.H. Wigg. EMA. Zuletzt aufgerufen am 11.02.2026 ↩︎
- Martinez, M., Poirrier, P., Chamy, R., Prüfer, D., Schulze-Gronover, C., Jorquera, L. & Ruiz, G. (2015). Taraxacum officinale and related species—An ethnopharmacological review and its potential as a commercial medicinal plant. Journal Of Ethnopharmacology, 169, 244–262. ↩︎


Bis vor kurzem hieß die Überschrift hier „reinigt die Gelenke“, was jetzt offensichtlich geändert wurde. Gibt es einen Grund dafür, dass es jetzt nur noch um die Wirkung auf Leber, Galle und Verdauung geht?
Oder anders gefragt: könnt Ihr die bisherige Angabe bestätigen, dass Löwenzahnwurzel gut ist für die Gelenke?
Liebe Tina,
danke für deine Frage, sie ist goldrichtig! Wir haben aufgeräumt und uns hier auf die Hauptwirkungen konzentriert. Ja, darüber hinaus ist Löwenzahnwurzel auch gut für die Gelenke, und zwar über den Umweg der Nieren aufgrund der aquaretischen (harntreibenden) Wirkung! Die Formulierung “reinigt die Gelenke” ist sehr bildlich, sachlicher müsste es heißen: reduziert Harnsäuren (eine Ursache für Gicht durch Ablagerungen von Harnsäurekristallen in den Gelenken) und wirkt entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Rheuma und Arthrose entgegen.
Den gleichen Effekt haben auch andere harntreibende (teils stärkere) harntreibende Pflanzen wie Brennnessel und Birke, weshalb bei den genannten Beschwerden eine Teekur mit diesen Pflanzen eine ideale Begleitung ist. Mehr dazu:
Sowie im neuen Buch – Die Tee-Apotheke:
Liebe Grüße
Interessanter Beitrag! Ich hab tatsächlich letztes Jahr mal die Wurzeln ausgegraben und eine schwächere Variante mit Wodka angesetzt.
Gerade in der dunklen Jahreszeit war das eine tolle Unterstützung für die Verdauung. Nächstes Mal probiere ich auch die stärkere Tinktur für meine Gelenke. 💪
Viele Grüße,
Ben T.
Mich würde auch interessieren, warum man dieses Leberkraut bei Leberbeschwerden nicht nehnen soll? Wegen des Alkohols?
Wäre es besser mit DMSO?
Wäre schön, wenn das jemand aufklären könnte! Danke
Wegen der Frage mit DMSO hätte ICH! es so gemacht, dass ich mal mit 2 Tropfen Dmso auf ein bisschen Wasser (1/8-1/4l), 1- 2 mal am Tag eingenommen hätte und dann, nach und nach, nach eigenem Gefühl die Tropfen etwas gesteigert hätte.
Ich versteh ehrlich gesagt nicht weshalb Löwenzahn NICHT bei Leber und Gallen Themen angewendet werden soll – ich dachte dass ausgerechnet das die Anwendungsgebiete sind. Kannst du mich aufklären?
Danke für die Tipps. Besonders in den Herbst und bald auch in den Wintermonaten habe ich immer Probleme mit der Konzentration. Fühle mich schlapp und am kränkeln. Besonders kommt die Appetitlosigkeit hinzu und sorgt für sehr viele Kopfschmerzen. Bislang nutze ich ein Vitamin D Präparat, welches ich mal hier etwas https://www.apotheken-gesundheit.de/post/vitalrin-sonnenkomplex-test gelesen habe. Sie helfen mir aber nur bei meinen Heißhungerattacken und dem Schlapp sein Gefühl. Die Löwenzahn Tinktur mache ich auf alle Fälle nach und werde berichten.
Habe letztens gelesen das man Tinkturen auch mit DMSO ansetzten kann, es ist ja ein Lösungsmittel, allerdings stand nichts über die Konzentration, etc. dabei. Kann mir da jemand weiterhelfen?
Löwenzahnwurzel hat eine gute Anti Krebs Wirkung. Ich nehme getrocknete Bio Ware, die ich mit 40%igem Alkohol ansetze, dafür halt etwas länger, zwischen 6-8 Wochen, zweimal durch Kaffefilter filtern u in Braunglasflaschen abfüllen.
Das hört sich sehr nach bitterem Geschmack an! Löwenzahn habe ich bisher mitsamt der Wurzel stets ausgestochen und vernichtet! Das das ein Arzneimittel sein kann, wusste ich nicht! Gruss Eva.
Die Wurzel ist wirklich sehr hilfreich, früher hat man sie sogar als Kaffee-Ersatz genutzt!
Löwenzahn ist wirklich ein Quell von Vitalstoffen! Ich mische die Blätter einfach in den morgendlichen Smoothie mit Obst. Wenn süßes Obst wie Birne oder Banane dabei ist, wird er cremig und man schmeckt das Bittere nicht mehr, eher erfrischend. Auch gemischt mit Brennesseln und Giersch toll, einfach was man so auf dem Spaziergang findet. Da braucht man kein teures “Supperfood” zur Vitalisierung oder Entgiftung mehr kaufen – alles frei Haus aus unserer heimischen Natur!