Zunderschwamm
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Der Zunderschwamm ist ein Baumpilz, der in Laubwäldern der gesamten nördlichen Halbkugel verbreitet ist. Besonders wohl fühlt er sich an Birken und Buchen. Als Saprobiont oder Schwächeparasit kommt dem Zunderschwamm die ökologische Aufgabe zu, Totholz zu zersetzen. Wenn der Pilz an lebenden Bäumen wächst, sind diese meist schon altersschwach oder krank. Durch den vom Zunderschwamm eingeleiteten Zersetzungsprozess (Weißfäule) werden die im Holz gespeicherten Nährstoffe aufgeschlossen und dem natürlichen Kreislauf wieder zugänglich gemacht, wodurch neuer, fruchtbarer Mutterboden entsteht. Bis ins 19. Jahrhundert hinein kam der Zunderschwamm als „Feuerzeug“ zum Einsatz, woher sich auch sein Name ableiten lässt. In der Naturheilkunde wird der Pilz bereits seit vielen tausend Jahren verwendet. Sein Wirkspektrum und entsprechende Anwendungsgebiete sind weit gefächert und reichen von Menstruationsbeschwerden bis zur Tumorbehandlung.

Steckbrief

Lateinischer Name Fomes fomentarius
Andere Namen Echter Zunderschwamm, Zunderpilz, Lärchenschwamm, Tsuriganetake, Hadersau
Familie Polyporaceae (Stielporlingsverwandte)
Erntemonate ganzjährig
Verwendbare Pflanzenteile Fruchtkörper, Hut
Fundorte Laubwälder, bevorzugt an Buche und Birken
Verwechslungs­gefahr Gemeiner Feuerschwamm, Lärchenschwamm, Wulstiger Lackporling, Fichtenporling
Giftigkeit ungiftig
Besondere Inhaltsstoffe Betulin, Betulinsäure, Cumarin, Ergosterolperoxid, Fomentariol, Fomentarsäure, Polysaccharide, Sterole, Triterpene
Eigenschaften antibakteriell, antikarzinogen, antimykotisch, antiviral, immunstärkend
Hilft bei Asthma, Blasenentzündung, Diabetes, Hämorrhoiden, Infektionskrankheiten, Krebs, Lungenentzündungen, Menstruationsbeschwerden, Rheuma

Anwendungen

Archäologische Funde zeugen davon, dass bereits die Menschen der Jungsteinzeit den Zunderschwamm zum Feuerschlagen nutzten. Für unsere Vorfahren war der Zunderschwamm damit von überlebenswichtiger Bedeutung.

Wenn das Hutfleisch des Pilzes, die sogenannte Trama, von einem Funken getroffen wird, fängt es an zu glimmen, ohne zu brennen. Deshalb ließ sich Glut mit diesem Zunder problemlos über längere Zeit und weite Strecken ohne Mühen transportieren.

Mit dem Zunderschwamm kann man nicht nur Feuer machen: Er ist als alter Vitalpilz bekannt, der Blutungen und Schmerzen stillt und Rheuma lindern kann.

Um die Zundereigenschaften zu verbessern, wurde die Herstellung sogenannter Feuerschwämme im Laufe der Zeit immer ausgeklügelter: So wurde der Zunder aufwendig fermentiert, in Ätzlauge eingeweicht oder mit Salpeterlösung getränkt.

Aus der filzigen Trama wurde auch ein Textil hergestellt, das an feines Wildleder erinnert und zu Lappen (Hadern), Bekleidung und Kappen weiterverarbeitet werden konnte. Wegen ihrer vorteilhaften Textur und ihres hohen Tanningehalts verwendete man sie auch als desinfizierende Wundauflage.

Als Speisepilz ist der Zunderschwamm aufgrund seiner holzigen Konsistenz und der enthaltenen Bitterstoffe heute nicht mehr von Bedeutung. Trotzdem wurde der Pilz in der Vergangenheit zu Schnäpsen verarbeitet.

Heilende Anwendungen

Fast so alt wie seine Nutzung als Zunder ist auch die medizinische Verwendung des Zunderschwamms. Bereits durch Hippokrates, den Urvater der modernen Medizin, ist der Einsatz des Pilzes zur Wundversorgung dokumentiert. Als blutstillender Chirurgenschwamm oder Tamponade war er früher erfolgreich im Einsatz – vorrangig in der Gynäkologie und der Dentalmedizin. Wundstreupulver und -auflagen aus Zunderschwamm waren bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Apotheken erhältlich.

In der eurasischen Volksmedizin kommt der Pilz auch innerlich zur Anwendung, zum Beispiel bei Blasenleiden, Menstruationsschmerzen und verschiedenen Krebserkrankungen (Speiseröhren-, Magen- und Gebärmutterkrebs). Sowohl die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) als auch die Traditionelle Japanische Medizin (TJM) behandeln mit Extrakten des Zunderschwamms Lungenerkrankungen wie Asthma oder Bronchitis sowie Magenverstimmungen und Erkältungskrankheiten.

Aufgrund seiner wundheilungsfördernden, entzündungshemmenden, antibakteriellen, antiviralen und immunmodulierenden Zuschreibungen ist der Zunderschwamm Objekt der modernen Forschung geworden. Alle ihm traditionell zugeschriebenen Wirkungen konnten seitdem bestätigt werden.

Neben einem Beta-D-Glucan-Melanin-Chitin-Komplex finden sich in einigen Zunderschwämmen die multifunktionalen Aktivsubstanzen Betulin und Betulinsäure. Diese produziert der Pilz jedoch nicht selbst, sondern zapft sie – wie auch der Birkenporling – aus befallenen Birken ab. Betulin und Betulinsäure haben unter anderem antitumorale und antioxidative Eigenschaften.

Zunderschwamm zu Pulver verarbeiten

Aus dem gesamten Zunderschwamm können verschiedene Pilzextrakte hergestellt werden. Dazu wird der Pilz zunächst getrocknet. Am besten funktioniert dies, wenn du ihn in mit einer Brotschneidemaschine in dünne Scheiben sägst und diese für einige Tage an einem warmen Ort trocknest.

Der getrocknete Zunderschwamm lässt sich in einer Küchenmaschine oder im Mörser weiter zerkleinern oder zu Pulver vermahlen. Du kannst das Pulver für die Einnahme in Wasser, Smoothies oder Gerichte mischen. Die gängige Tagesdosis zur Krankheitsprävention beträgt 1,5–3 Gramm.

Es ist auch möglich, einen alkoholischen Auszug aus Pilzpulver oder -granulat nach Anleitung einer Tinktur herzustellen.

Mit dem Zunderschwamm kann man nicht nur Feuer machen: Er ist als alter Vitalpilz bekannt, der Blutungen und Schmerzen stillt und Rheuma lindern kann.

Zunderschwamm als Tee

Die Heißwasserextraktion des Zunderschwamms (landläufig als Zunderschwamm-Tee bezeichnet) ist die traditionelle Einnahmeform in asiatischen Ländern. Für einen solchen gesundheitsfördernden wässrigen Auszug gib einen Esslöffel Pilzmaterial und 250 Milliliter Wasser in einen Topf und lass das Ganze bei geschlossenem Deckel für eine Stunde sanft köcheln. Verdampftes Wasser gelegentlich ersetzen. Trinke den gefilterten Absud dreimal täglich vor dem Essen.

Zunderschwamm als Wundauflage

Für blutstillende Wundauflagen wird nur die Trama des Zunderschwamms verarbeitet, wozu Kruste und Röhren entfernt werden. Das Pilzfleisch wird im Anschluss für circa 15 Minuten in Wasser eingeweicht und anschließend mit einem Hammer oder einem Fleischklopfer geplättet, bis sich ein flacher Filz ergibt.

Der Filz kann nun getrocknet, zurechtgeschnitten und zum Beispiel in Butterbrottüten verstaut werden. Im Falle einer Verletzung werden die desinfizierenden Wundauflagen wie eine Kompresse verwendet, um die Stelle zu versorgen.

Erkennung und Sammeltipps

Mit dem Zunderschwamm kann man nicht nur Feuer machen: Er ist als alter Vitalpilz bekannt, der Blutungen und Schmerzen stillt und Rheuma lindern kann.

Zunderschwämme kommen das ganze Jahr über vor. Willst du den Zunderschwamm sammeln, dann wirst du in Laubwäldern an Birken, Buchen oder Lärchen fündig.

An folgenden Merkmalen kannst du einen Zunderschwamm erkennen:

  • Typisch für den Zunderschwamm ist der durch Jahresringe gebildete Fruchtkörper, der hufartig und umgekehrt konsolenförmig Wirtsbäumen anhaftet. Er kann über 30 Jahre alt werden; entsprechend lassen sich Exemplare von mehr als 30 Zentimetern Durchmesser finden.
  • Der Fruchtkörper besitzt eine holzige, harte, oberseitige Kruste in Tönen von hellgrau bis braun und wird von seinen Wuchsringen zoniert.
  • Das Pilzfleisch (Trama), das zu Zunder verarbeitet werden kann, ist zäh, korkig und riecht in frischem Zustand intensiv nach Gurke oder Wassermelone.
  • Den größten Teil des Pilzkörpers bilden die unter der Trama liegenden, zimtfarbenen Röhren, in denen der Zunderschwamm seine weißen Sporen produziert.
  • Fährt man mit dem Finger über die cremefarbene Unterseite des jungen Pilzes, bleibt eine dunkle Spur zurück. Ältere Exemplare hingegen sind nicht mehr „beschreibbar“.
  • Ein Stiel ist entweder sehr kurz oder fehlt gänzlich. Mit der Stielbasis ist der Zunderschwamm direkt am Substrat angewachsen.

Das Sammeln des Pilzes ist nicht immer leicht, denn der Zunderschwamm ist über seine Basis mit dem Wirtsbaum verbunden. Weil beim Trennen des Pilzes die Rinde beschädigt wird, ist es wichtig, dass der Zunderschwamm nur von Totholz geerntet wird.

Der Zunderschwamm steht unter Natur-, nicht aber unter Artenschutz. Wenn du eine Totholzstelle findest, an der viele Zunderschwämme wachsen, spricht nichts dagegen, ein oder zwei Fruchtkörper mitzunehmen. Das Myzel des Pilzes im Inneren des Baumes bleibt dabei unbeschadet und kann seine ökologische Aufgabe fortsetzen.

Der Zunderpilz kann unter Umständen mit verschiedenen anderen Baumschwämmen verwechselt werden.

Zunderschwamm unterscheiden vom ungenießbaren Gemeinen Feuerschwamm

Der Gemeine Feuerschwamm wird wegen seiner Ähnlichkeit zum Zunderpilz auch als „Falscher Zunderschwamm“ bezeichnet. Anders als der Echte Zunderschwamm hat er jedoch keine sich bei Berührung verfärbenden Poren. Außerdem befällt der Gemeine Feuerschwamm vor allem Weiden und Pappeln und hat eine Kruste, die sich nicht eindrücken lässt.

Zunderschwamm unterscheiden vom ungenießbaren Lärchenschwamm

Der Lärchenschwamm mit seiner harten, rissigen Kruste und den unregelmäßigen gelben und braunen Hutzonen kann ebenfalls mit dem Zunderschwamm verwechselt werden. Er kommt jedoch ausschließlich an Lärchen vor und wächst eher zylinderförmig. Der Lärchenschwamm gilt ebenfalls als Vitalpilz.

Zunderschwamm unterscheiden vom ungenießbaren Wulstigen Lackporling

Der Wulstige Lackporling unterscheidet sich vom Zunderschwamm durch seine rotbraune, höckerige, harzige Lackkruste, die nicht eindrückbar ist. Die Porenseite ist weiß und bräunt sich bei Druck stärker, als die des Echten Zunderschwamms.

Zunderschwamm unterscheiden vom ungenießbaren Fichtenporling

Auch der Fichtenporling sieht dem Zunderschwamm ähnlich. Anders als dieser, findet er sich jedoch an Nadelbäumen und weist eine dunkler gefärbte Kruste mit einem charakteristischen rotbraunen Rand auf.

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