Wunder-Lauch (Berliner Bärlauch)
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Der mehrjährige Wunderlauch (Allium paradoxum) wird auch Berliner Bärlauch genannt, weil er vermehrt in Berlin und dessen Umland zu finden ist. Er ist dem Echten Bärlauch (Allium ursinum) sehr ähnlich und kann sich in Gruppen oder flächendeckend stark ausbreiten. Seine Blätter sind eine der ersten essbaren Grünpflanzen, die du im zeitigen Frühjahr sammeln kannst. Ursprünglich aus dem Kaukasus, Zentral-Asien sowie Nord-Iran kommend, weiß er mit Kälte umzugehen und bildet eine unterirdische Zwiebel als Überdauerungsorgan aus. Er wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts im Botanischen Garten angesiedelt, von wo er seitdem verwildert.

Steckbrief

Lateinischer Name Allium paradoxum
Andere Namen Berliner Bärlauch, Seltsamer Lauch
Familie Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Erntemonate Mrz-Mai
Verwendbare Pflanzenteile Blätter
Blattform lanzettlich
Blütenfarbe weiß
Fundorte schattig bis halbschattig, unter Gehölzen
Verwechslungs­gefahr mit dem ungiftigen Bärlauch und den giftigen Mai- und Schneeglöckchen, Aronstab, Herbstzeitlose
Giftigkeit ungiftig
Besondere Inhaltsstoffe Allicin, ätherische Öle, Flavonoide, Vitamin C
Eigenschaften appetitanregend, blutdrucksenkend, cholesterinsenkend, immunstärkend
Hilft bei Verdauungsprobleme

Anwendungen

Die gesamte Pflanze mit ihren Blättern, Blütenknospen sowie der Zwiebel ist essbar. Du kannst sie roh genießen, frisch zubereiten oder auf Vorrat einfrieren.

In der Ernährung

Wunderlauch kann wie Bärlauch verwendet werden. Er riecht und schmeckt nach Schnitt- oder Knoblauch und ist wie der Bärlauch auch essbar, schmeckt allerdings viel milder. Deshalb sollte man ihn nicht zu stark würzen, um seinen Geschmack nicht zu überdecken. Erhitzen solltest du den Lauch eher nicht, weil die Aromastoffe sonst verloren gehen.

Du kannst die Pflanzenteile in Salaten zugeben oder zu Kräuterbutter oder Kräuterquark verarbeiten.

Stillenden Müttern wird vom Verzehr dieser Pflanze abgeraten, da das Aroma in die Milch übergeht und den Säuglingen Blähungen verursachen soll.

Wunderlauch-Pesto

Aus Wunderlauch lässt sich genauso gut wie aus dem Bärlauch ein leckeres Pesto zubereiten.

Du benötigst:

  • 1 Handvoll Wunderlauch (ca. 200 g)
  • 250 ml Rapsöl oder Olivenöl
  • 4 EL Nüsse oder Kerne deiner Wahl (Haselnüsse, Pinienkerne, Sonnenblumenkerne)
  • Salz

So gehst du vor:

  1. Wunderlauch waschen und in grobe Stücke schneiden.
  2. Nüsse und Kerne in einer Pfanne ohne Öl anrösten.
  3. Öl, Blätter und Nüsse mit einem Mixer fein pürieren.
  4. Mit Salz abschmecken.

Du kannst das Pesto entweder direkt frisch verwenden oder es in desinfizierten Gläsern verschlossen im Kühlschrank etwa zwei Wochen aufbewahren.

Wunderlauch- Frischkäse

Eine besonders schnelle und schmackhafte Delikatesse mit Wunderlauch ist Wunderlauch-Frischkäse. Du brauchst folgende Zutaten:

  • 25 g Wunderlauch-Blätter
  • eine Packung Frischkäse

Zubereitung:

  1. Blätter waschen und in kleine Stücke schneiden.
  2. Mit Frischkäse vermengen und bei Bedarf mit einem Pürierstab zu einer gleichmäßigen Masse verarbeiten.

Der Wunderlauch-Frischkäse schmeckt pur auf Brot oder auch zu Ofenkartoffeln.

Hier findest du noch weitere Ideen und Rezepte für frische Wildkräuter-Aufstriche oder probiere dieses Rezept für Bäurlauch-Sahne-Aufstrich mit dem Wunderlauch!

Heilende Anwendungen

Der Wunderlauch wirkt roh oder verarbeitet gegessen heilsam auf den Magen-Darmtrakt, denn die Schwefelverbindung Allicin tötet krankhafte Darmpilze ab. Wissenschaftliche Untersuchungen über die genaue Heilwirkung sowie weitere heilende Anwendungen gibt es bisher noch nicht.

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Geh raus! Deine Stadt ist essbar

Erkennung und Sammeltipps

Im Frühjahr kannst du den Wunder-Lauch ähnlich nutzen wie den beliebten Bärlauch.

Der mehrjährige, krautige Wunderlauch hat eine Wuchshöhe von 20-30 cm und kann sich stark ausbreiten.

  • Die ungestielten Blätter wachsen direkt aus der Zwiebel.
  • Sie sind bis zu 20 cm lang und 1-2 cm breit.
  • Blütezeit ist von April bis Mai und dauert etwa drei Wochen.
  • Der Blütenstängel ist dreikantig.
  • Die Pflanze bildet entweder bis zu zwanzig grüne Brutzwiebeln oder eine Dolde mit zwei bis fünf lang gestielten Blüten aus.
  • Die sechs Blütenhüllblätter sind weiß.
  • Die Blüte verströmt einen typischen Lauchgeruch.
  • Die Wurzel ist eine bis zu 1 cm große Zwiebel.

Du kannst den Wunderlauch leicht durch seinen Blütezeitpunkt von zu verwechselnden Arten unterschieden. Er blüht früher als der Echte Bärlauch und das Maiglöckchen (Convallaria majalis). Vom Bärlauch lässt sich der Wunderlauch durch seine schmaleren Blätter unterscheiden.

Vom giftigen Maiglöckchen unterscheidest du den Wunderlauch durch seine schmalen Blätter und ganz besonders durch seinen knoblauchartigen Geruch. Zudem wachsen die dunkelgrünen Blätter des Maiglöckchens nicht aus der Zwiebel, sondern paarweise am Stängel und sind fester als beim Wunderlauch.

Vor der Blüte kann die Pflanze auch mit dem sehr selten vorkommenden, giftigen Zweiblättrigen Blaustern verwechselt werden. Dieser ist in Deutschland geschützt und sollte nicht beschädigt werden. Er bildet zwei Blätter aus seinem runden Stiel und erreicht eine Wuchshöhe von 15 bis 20 Zentimeter.

Die Blätter der sehr giftigen, violett blühenden Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) sind zwar ebenfalls schmal und ohne Stiel, riechen aber nicht nach Knoblauch.

Der knoblauchartige Geruch fehlt ebenso dem Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), dessen Blätter eine blau-grüne Färbung aufweisen.

Verwechslungsgefahr besteht außerdem mit dem stark giftigen Gefleckten Aronstab (Arum maculatum), dessen Pflanzensaft bereits starke Hautreaktionen hervorruft. Dieser treibt gleichermaßen wie der Wunderlauch früh aus. Allerdings sind die Blätter pfeilförmig oder speerförmig sowie netznervig und meist gefleckt.

Anbautipps

Weil sich der Wunderlauch flächendeckend massenhaft ausbreiten kann, sollte er nicht unbedingt im Garten angepflanzt werden. Auf dem Balkon oder Terrasse allerdings kann man versuchen, ihn in einem Gefäß zu kultivieren. Diese Variante würde im Garten durch seine herabfallenden Brutzwiebeln trotzdem nicht vor der Ausbreitung schützen.

Achtung:

Der Besuch dieser Seite kann nicht den Besuch beim Arzt ersetzen. Ziehe bei ernsthaften oder unklaren Beschwerden unbedingt deinen Arzt oder Apotheker zu Rate!