Schopftintling
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Der Schopftintling präsentiert sich von April bis November als vielseitig einsetzbarer Pilz mit kulinarischen Vorzügen. In ganz Europa schießt er in dieser Zeit auf Wiesen und an Wegrändern aus dem Boden. Der Name Tintling weist auf die Eigenschaft des Fruchtkörpers hin, sich im Alter selbst zu verdauen und dabei regelrecht zu schwarzer Tinte zu zerfließen. Den Trivialnamen „Spargelpilz“ verdankt der Schopftintling seinem walzenförmigen, weißen Fruchtkörper und seinem feinen Geschmack.

Steckbrief

Lateinischer Name Coprinus comatus
Andere Namen Spargelpilz, Schopfpilz, Tintenpilz, Tintenschopfling, Porzellantintling, Eiertintling, Sasakure Hitoyotake, JiTui Mo, Mao Tou Gui San
Familie Champignonverwandte (Agaricaceae)
Erntemonate Apr-Nov
Verwendbare Pflanzenteile Fruchtkörper, Hut, Stiel
Fundorte bevorzugt stickstoffreiche, lehmige Böden, Wiesen, Weiden, Waldlichtungen und Gärten
Verwechslungs­gefahr Schneeweißer Tintling, Hasentintling, Spechttintling
Giftigkeit ungiftig
Besondere Inhaltsstoffe Beta-Glucan, Comatin, Essentielle Aminosäuren, Furane, Polysaccharide, Proteine, Vanadium, Vitamin B, Vitamin B2, Vitamin B3, Vitamin C
Eigenschaften antibakteriell, antikarzinogen, blutfettsenkend, blutzuckersenkend, entzündungs­­hemmend, fungizid, immunstärkend, verdauungsfördernd
Hilft bei Blutzucker, Diabetes, Durchblutungsstörungen, Erkrankungen des Darms, Hämorrhoiden, Immunschwäche, Krebs, Leberschäden, Übergewicht, Verstopfung

Anwendungen

Der Schopftintling, manchmal auch Tintenschopfling genannt, ist ein dünnfleischiger Lamellen- und Speisepilz. Weil er nicht sehr lange haltbar ist und – einmal abgeerntet – schnellstmöglich verarbeitet werden muss, wird er im Handel oder auf dem Wochenmarkt praktisch nicht angeboten.

In der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird der Schopftintling vor allem für seinen positiven Einfluss auf den Blutzucker geschätzt.

Jenseits von Küche und Heilkunde wurde aus dem Schopftintling von der Antike bis ins Mittelalter hinein Schreibtinte hergestellt, indem man einige Exemplare in einer Schale zerfließen ließ, die Flüssigkeit abschöpfte und mit Gummi arabicum und Nelkenöl mischte.

In der Ernährung

Vielen stellt sich beim Pilzesammeln die Frage, ob der Schopftintling essbar ist. Das kann prinzipiell bejaht werden. Der Schopftintling ist ein hervorragender Speisepilz, solange er noch weiß und sein Hut noch geschlossen ist. Er besticht durch ein einzigartiges Aroma, das entfernt an Spargelspitzen erinnert – damit macht er seinem Trivialnamen Spargelpilz alle Ehre.

Damit er eine Delikatesse bleibt, ist es notwendig, den Schopftintling unbedingt binnen weniger Stunden zu verarbeiten.

Geröstete Brotzeit mit Schopftintlingen

Für zwei geröstete Brote mit Schopftintlingen brauchst du:

Und so bereitest du ohne großen Aufwand eine leckere Brotzeit mit Schopftintlingen zu:

  1. Schopftintlinge putzen und längs in Streifen schneiden. Zwiebel oder Schalotte fein würfeln.
  2. Butter oder Margarine in einer Pfanne erhitzen und die Schopftintlinge und die Zwiebel- bzw. Schalottenwürfel unter Wenden bei mittlerer Hitze anschmoren, bis sie die gewünschte Bräune haben.
  3. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, aus der Pfanne nehmen und im Ofen warmhalten.
  4. Butter in der Pfanne zerlassen und zwei Brotscheiben darin von beiden Seiten anrösten.
  5. Die gerösteten Brotscheiben mit den geschmorten Pilzen belegen und mit gehackter Petersilie garnieren.

Heilende Anwendungen

Im fernen Osten wird der Schopftintling heute im großen Stil als gesundheitsförderndes Nahrungsmittel angebaut und ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) unter dem Namen „Ji Tui Mo“ altbewährt.

Der Schopftintling steckt voller Vitalstoffe, darunter Vitamine, Mineralien und Enzyme.
Ernährungsphysiologisch erwähnenswert ist, dass der Tintenschopfling einer der wenigen Vitalpilze ist, die Vitamin C enthalten. Außerdem wurden im Eiweiß des Schopftintlings 20 freie Aminosäuren nachgewiesen – einschließlich aller acht essentiellen, die der Körper nicht eigenständig herstellen kann.

Traditionell wird der Schopftintling zur Vorbeugung gegen Hämorrhoidalleiden und zur Erhöhung der Verdauungstätigkeit eingesetzt. Für Letzteres ist die positive Wirkung des Schopftintlings auf den Kohlenhydratstoffwechsel verantwortlich. Seine antibakteriellen und fungiziden Eigenschaften wirken sich ebenfalls zugunsten eines gesunden Darmmikrobioms aus.

Medizinische Studien zeigen, dass Extrakte aus Coprinus comatus die Verwertung von Glukose verbessern und den Blutzuckerspiegel herabsenkt, weshalb der Pilz im Fokus der komplementären Diabetologie zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 steht. In den Studien wird geschlussfolgert, dass die in ihm enthaltenen Polysaccharide und das Comatin die für die Insulinproduktion zuständigen Zellen der Bauchspeicheldrüse stärken.

Auch bei diabetischen Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel Durchblutungsstörungen und Übergewicht, kommt der Schopftintling zum Einsatz. Die bereits genannten Polysaccharide haben darüber hinaus blutfettsenkende, immunstärkende und krebshemmende Qualitäten (insbesondere Brust- und Prostatakrebs).

Schopftintlinge in Pulverform

Für eine einfache Darreichungsform wird der geerntete Fruchtkörper des Schopftintlings bei circa 40 bis 50 °C für zwei bis drei Stunden getrocknet und anschließend zu einem Pulver verarbeitet.

Die empfohlene Dosis zur Behandlung der oben genannten Krankheitsbilder beträgt drei Gramm dieses Pulvers pro Tag. Rechnerisch müsste man täglich 200 Gramm frischen Schopftintling verzehren, um eine vergleichbare Wirkung zu erzielen.

Auch ein alkoholischer Auszug kann mit getrocknetem Schopftintling hergestellt und zur Prävention oder Krankheitsbehandlung angewandt werden.

Nebenwirkungen von Schopftintlingen

Nach dem Verzehr bzw. der Einnahme von Schopftintlingen kann es zu einer harmlosen Schwarzfärbung des Stuhls kommen. Anders als bei dem Grauen Faltentintling kommt es beim gleichzeitigen Konsum von Alkohol und Schopftintlingen nach aktuellen Erkenntnissen nicht zu negativen Wechselwirkungen.

Erkennung und Sammeltipps

Der Schopftintling wächst gern auf stickstoffreichen, lehmigen Böden und lässt sich vom Spätsommer bis in den Herbst hinein auf Weiden, Wiesen und Waldlichtungen blicken. Wer den Schopftintling kultivieren möchte, kann ihn ohne Probleme mit entsprechenden Kulturen aus dem Gartencenter oder Internetshop auf dem Kompost- oder Misthaufen ansiedeln.

So erkennst du einen Schopftintling in freier Wildbahn:

  • Der Hut ist säulen- oder eiförmig, cremeweiß mit fransigen Schuppen auf der Oberseite. Meist weist der Hutscheitel eine dezente Braun- bis Ockerfärbung auf.
  • Mit der Zeit beginnen sich die Hutränder nach oben zu rollen, nehmen dabei eine glockenförmige Gestalt an und zerlaufen zu einer schwarzen Flüssigkeit.
  • Die Fruchtkörper des Schopftintlings wachsen meist in Büscheln bzw. Gruppen und erreichen eine Höhe von bis zu 20 Zentimetern.
  • Der Stiel des Schopftintlings ist anfangs vollständig vom geschlossenen Hut verhüllt, kommt im Laufe der Reifung zum Vorschein und wächst dann noch einmal in die Länge. Er ist hohl mit flüchtigem Ring und verdickter Stielbasis.
  • Die Lamellen sind erst weiß bis zartrosa. Mit dem Alter färben sie sich schwarz und verflüssigen sich zusammen mit dem Hutfleisch.
  • Die Sporen sind schwarz.
  • Der Geschmack des Schopftintlings erinnert entfernt an Spargel.

Lange wurde angenommen, der Schopftintling würde sich ausschließlich durch das Zerfließen vermehren. Tatsächlich werden Sporen bereits vor der Selbstzersetzung an die Luft abgegeben.

Obwohl der Schopftintling zerbrechlich wirkt, wird in der Fachliteratur angegeben, dass er sogar asphaltierte Straßen durchstoßen kann.

Eine Schopftintling-Verwechslung mit anderen Pilzen kann aufgrund des typischen Aussehens nahezu ausgeschlossen werden. Manchmal wird er mit Artverwandten, wie zum Beispiel dem Spechttintling, dem Schneeweißen Tintling oder dem Hasentintling, durcheinandergebracht.

Schopftintling unterscheiden vom ungenießbaren Spechttintling

Der Spechttintling (auch Elstertintling genannt) ist im Vergleich zum Schopftintling kleiner. Verwechslungspotential besteht nur im jungen Stadium, da der Spechttintling mit dem Alter eine völlig andere Färbung aufweist: Sein Hut wird schwarz mit weißen Schleierfetzen, was an das Gefieder der namensgebenden Vögel erinnert. Der Spechttintling schmeckt fad, riecht unangenehm und ist, anders als der Schopftintling, kulinarisch und mykotherapeutisch (pilzheilkundlich) bedeutungslos.

Schopftintling unterscheiden vom ungenießbaren Schneeweißen Tintling

Auch der Schneeweiße Tintling bleibt in seinem Wuchs kleiner als der Schopftintling. Der Hut des Schneeweißen Tintlings ist nicht geschuppt, sondern dicht bedeckt mit mehligen, abwischbaren Flocken. Das Fleisch des Schneeweißen Tintlings ist gräulich, ohne markanten Geruch.

Schopftintling unterscheiden vom ungenießbaren Hasentintling

Anders als der Schopftintling bringt es der Hasentintling nur auf bis zu zwölf Zentimeter Wuchshöhe und er hat eine weiße, puschelige Hutoberfläche. Auch der ringlose Stiel ist flockig-weiß und verjüngt sich nach oben hin.

Achtung:

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