Gemeiner Beinwell
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Der gemeine Beinwell wird als König unter den Heilpflanzen bezeichnet und ist auch unter der englischen Bezeichnung Comfrey bekannt. Dank seiner wertvollen Inhaltsstoffe ist er eine vielfältige und wirkungsvolle Heilpflanze und kann bei Durchfall, Diabetes, Heuschnupfen und vielen anderen gesundheitlichen Problemen helfen. Aber auch in der Küche kann Beinwell mit seinem Aroma und seiner Farbgebung viele Speisen bereichern.

Steckbrief

Lateinischer NameSymphytum officinale
Andere NamenBeinwurz, Hasenbrot, Heilwurzel, HImmelsbrot, Hundszunge, Wallwurz, Glotwurzel
FamilieRauhblattgewächse (Boraginaceae)
Erntemonateganzjährig
Verwendbare PflanzenteileBlätter, Blüten, Triebe, Wurzeln
Blattformeilanzettlich
Blütenfarbegelb, rosa, violett, weiß
Fundortefeuchte Wiesen, Wegränder, Gärten, Gräben, Ufer
Verwechslungs­gefahrVor der Blüte besteht Verwechslungsgefahr mit dem sehr giftigen Fingerhut. Dieser hat jedoch hell gefärbte Blattunterseiten, die nicht rauh sind und der Blattrand ist gezähnt. Der Stängel ist weder kantig noch geflügelt.
Giftigkeitteilweise giftig
Hinweise zur GiftigkeitEnthält in Spuren giftige Pyrrolizidinalkalloide.
WarnungenWegen der Pyrrolizidinalkalloide sollte Beinwell von Kindern und Schwangeren Frauen nur äußerlich verwendet werden.
Besondere InhaltsstoffeAllantoin, ätherische Öle, Cholin, Eiweiß, Gerbstoffe, Kalium, Kalzium, Kieselsäure, Schleimstoffe, Zucker
Eigenschaftenblutstillend, gewebebildend, stopfend, wundheilend
Hilft beiAkne, Allergien, Amputationsschmerzen, Athrose, Bandscheibenbeschwerden, Blutergüsse, Brustentzündung, Diabetes, Durchfall, Ekzeme, Fieber, Geschwüre, Gicht, Hämorrhoiden, Hautentzündungen, Husten, Insektenstiche, Knochenbrüche, Lungenentzündungen, Muskelverletzungen, Nagelerkrankungen, Narben, Nervosität, Parodontitis, Pilzerkrankungen, Prellungen, Psoriasis, Rheuma, Rippenfellentzündung, Sehnenscheidenentzündungen, Verbrennungen, Verstauchung, Wunden, Zerrungen

Anwendungen

Beinwell ist ein starkes Heilkraut, welches früher vor allem bei Knochenbrüchen wertvolle Dienste leistete. Heute wird er bei Durchfall, Diabetes, Heuschnupfen und einer Menge anderer Leiden eingesetzt. Für einen abwechslungsreichen und gesunden Speiseplan ist Beinwell ebenfalls bestens geeignet. Sein milder, gurkenartiger Geschmack passt zu vielen Gerichten.

In Beinwell sind Spuren der giftigen Pyrrolizidinalkaloide enthalten, weswegen er in Verruf geraten ist. Pyrrolizidinalalkaloide stehen im Verdacht, leberschädigend zu wirken, wenn sie in großen Mengen eingenommen werden. Es wird deshalb oft empfohlen, auf eine innere Anwendung zu verzichten.

Wichtige Inhaltsstoffe im Beinwell

Unter den heimischen Pflanzen ist Beinwell die mit dem höchsten Allantoingehalt, ein wichtiger Wirkstoff für die Bildung neuer Zellen und die Regeneration des Gewebes. Außerdem hilft es, Wunden und Geschwüre schneller zum Abheilen zu bringen. So wird Beinwell in vielen Kosmetikprodukten wie Hautcremes, Duschgels, Sonnenschutzmittel, und Mittel gegen Hautirritationen eingesetzt.

Das im Beinwell enthaltene Cholin ist für die Reduzierung eines Austrittes von Gewebeflüssigkeit verantwortlich. Außerdem erweitert es die Arterien, was zu einer besseren Durchblutung führt.

Lysinreiche Schleimstoffe helfen dem Körper beim Kampf gegen fremde Zellen und Krankheitserreger.

Im Beinwell ist viel Eiweiß enthalten. Auf gutem Boden können dies bis zu sieben Prozent mehr als im Soja sein.

Vielfach wird auch berichtet, Beinwell sei die einzige Landpflanze, welche Vitamin B12 aus dem Boden ziehen und speichern kann. Dies ist jedoch nicht wissenschaftlich belegt.

Darüber hinaus enthält Beinwell viel Vitamin C, Kieselsäure, Kalium und Kalzium.

In der Ernährung

Beinwell ist eine ganz vorzügliche Speisepflanze. Durch ihr sanftes Gurkenaroma kann sie den Geschmack von eher bitteren Kräutern abmildern. Junge Blätter eignen sich als Beigabe zu grünen Smoothies, zum Entsaften (die grüne Flüssigkeit kann als vitalstoffreicher Farbgeber für Getränke verwendet werden), in Kräutermischungen, fein geschnitten in Salaten und zum Ausbacken in Pfannkuchenteig.

Die Beinwell-Knospen werden wie Gemüse gegart, besonders gut schmecken sie gemeinsam mit Löwenzahnknospen. Die Blüten können als essbare Dekoration für Salate und Rohkostplatten genutzt werden.

Beinwell-Wurzeln werden roh geraspelt in Salate gemischt oder als Gemüse gedünstet. Da die Wurzel sehr leicht schimmelt, sollte sie immer frisch verwendet werden.

Heilende Anwendungen

Beinwell besitzt ein breites Anwendungsspektrum. Es werden sowohl die Blätter als auch die Wurzel für die Heilkunde verwendet.

Die Blätter kommen frisch und als Tee äußerlich sowie innerlich zur Anwendung. Aus der Wurzel wird für den äußeren Gebrauch eine Tinktur, eine Salbe oder Creme sowie Wurzelpulver zubereitet. Innerlich wird sie als Tee genutzt.

Beinwell-Tee

Als unterstützende Maßnahme bei Darmentzündungen, Diabetes, Durchfall, Rippenfellentzündungen und Sodbrennen wird ein Tee mit der Beinwellwurzel getrunken.

Bei der Behandlung von Fieber, Heuschnupfen, Husten, Lungenentzündung, Neurodermitis, Nierenerkrankungen und Psoriasis kann ein Tee aus Beinwellblättern oder der Wurzel helfen. Die genaue Zubereitung des Tees und weiterer Getränke mit Beinwell findest du in diesem Beitrag.

Beinwell-Tinktur

Bei Bindegewebsschäden, Blutergüssen, Knochenbrüchen, Narbenschmerzen und Venenerkrankungen kann eine Tinktur aus der Beinwellwurzel wertvolle Hilfe leisten. Darüber hinaus kann sie bei allen Leiden, die im Abschnitt zum Badezusatz genannt sind, angewendet werden. Die Beinwelltinktur wird nur äußerlich verwendet.

Mit Wasser verdünnt dient sie als heilsame Mundspülung bei Paradontitis.

Frische Beinwell-Blätter

Für die Behandlung von Brustentzündungen, Pilzerkrankungen, Insektenstichen, Nagelerkrankungen und Verbrennungen sind frische Beinwellblätter eine wertvolle Hilfe. Sie werden gequetscht oder zerschnitten, so dass der Saft austreten kann, und auf die betroffene Hautpartie gelegt.

Salbe aus Beinwellwurzel

Zur Linderung von Hämorrhoiden und Sehnenscheiden-Entzündungen dient eine Salbe aus Beinwellwurzel. Sie kann darüber hinaus genauso wie die frischen Blätter verwendet werden.

Wurzelpulver

Beinwell-Wurzelpulver wird mit Wasser zu einem Brei verrührt und bei Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen, Sehnenscheiden-Entzündungen sowie Muskel- und Knochenverletzungen auf die betreffenden Hautstellen aufgetragen.

Zur Herstellung des Wurzelpulvers wird die frisch geerntete Wurzel in Scheiben geschnitten, auf der Heizung oder besser in einem Dörrapparat bei maximal 35 °C rasch getrocknet und anschließend zu Pulver vermahlen. Ich benutze dazu diesen Dörrer und bin damit sehr zufrieden.

Beinwell als Badezusatz

Als Badezusatz werden die Beinwell-Blätter  bei Abgeschlagenheit und Nervosität sowie Akne, allergischen Ausschlägen, Amputationsschmerzen, Athrose, Bandscheibenbeschwerden, Durchblutungsstörungen, Ekzemen, Rheuma, Psoriasis, Neurodermitis, Knochenbrüchen und Knochenschmerzen verwendet.

Beinwell für die Haare

Ein Haarwaschmittel mit Beinwell kann Haarausfall entgegenwirken und bei Schuppenflechte helfen.

Anwendungen im Garten

Beinwell ist auch eine wertvolle Pflanze für deinen Gemüsegarten. Wie du natürliche Dünger mit Beinwell herstellst, erfährst du hier.

Erkennung und Sammeltipps

Beinwell wurde früher zur Heilung von Knochenbrüchen, Durchfall, Diabetes und Heuschnupfen genutzt. Auch heute kann er viel Gutes für deine Gesundheit tun!

Beinwell wächst am besten auf weichen, feuchten Böden und so findest du ihn häufig an Bachufern, feuchten Wiesen und in Gräben. Gelegentlich ist er aber auch an Wegrändern und an Schotterplätzen zu sehen. Die Pflanze wird 30-90 Zentimeter hoch.

  • Die Blätter sind eilanzettlich und wie die gesamte Pflanze stark behaart und sehr rau.
  • Sie werden bis zu 25 cm lang.
  • Die unteren Blätter sind lang gestielt, die oberen dagegen setzen direkt am Stängel an.
  • Der Stängel ist kantig, fleischig und am Rand geflügelt.
  • Weiter oben verzweigt er sich.
  • Die Blütenstände setzen sich aus vielen Röhrenblüten zusammen und sind gestielt.
  • Aus den ein bis zwei Zentimeter großen Blüten ragt ein Griffel heraus.
  • Sie sind rot-violett oder gelblich-weiß gefärbt und erscheinen von Mai bis September.

Blätter und Blüten können drei- bis fünfmal während der Vegetationsperiode geerntet werden, jedoch nur bis Ende August, damit die Pflanze noch genügend Kraft für den Winter sammeln kann. Die beste Erntezeit für die Wurzel ist Oktober bis November oder das zeitige Frühjahr, März bis April vor der Blüte.

Anbautipps

Beinwell kannst du leicht mit Hilfe eines Stecklings in deinem Garten anbauen. Einen sonnigen Ort in der Nähe des Komposts mag er besonders gern. Bedenke beim Anpflanzen, dass Beinwell recht ausladend wird und etwa einen Quadratmeter Platz beanspruchen kann.

Zum Vermehren grabe Anfang bis Mitte Oktober ein Stück Wurzel mit Blattansatz aus und pflanze es senkrecht in die Erde, so dass es mit einer etwa fünf Zentimeter dicken Schicht Erde bedeckt ist.

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