Birkenporling
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Der Birkenporling ist ein einjähriger Pilz, der – wie sein Name es vermuten lässt – ausschließlich an Birken vorkommt. Die belegte Verwendung des Birkenporlings reicht mehr als 5000 Jahre in der Menschheitsgeschichte zurück. Dabei stehen vor allem die heilkräftigen Eigenschaften des Birkenporlings im Vordergrund.

Steckbrief

Lateinischer Name Fomitopsis betulina (seit 2015), Piptoporus betulinus
Andere Namen Birkenzungenporling, Birkenschwamm, Birken-Hautporling, Ötzipilz, Hua Bo Guan Jun, Kanbatake
Familie Baumschwammverwandte (Fomitopsidaceae)
Erntemonate ganzjährig
Verwendbare Pflanzenteile Hut, Stiel
Fundorte In Laub und Mischwäldern der nördlichen Hemisphäre. Ausschließlich an Birken.
Verwechslungs­gefahr Feuerschwamm, Zunderschwamm, Wulstiger Lackporling, Dunkler Lackporling, Saftporlinge
Giftigkeit ungiftig
Besondere Inhaltsstoffe Beta Carotin, Betulin, Betulinsäure, Eisen, Heteroglykan, Kalium, Kupfer, Phosphor, Selen, Triterpene, Vitamin B, Vitamin C, Vitamin E (Tocopherol)
Eigenschaften antibakteriell, antikarzinogen, antiviral, blutstillend, entzündungs­­hemmend
Hilft bei Darmparasiten, Haarausfall, Krebs, Magen­schleimhaut­entzündungen, Sodbrennen, Verdauungsbeschwerden

Anwendungen

Der Birkenporling ist aus naturheilkundlicher Sicht ein Pilz mit weit zurückreichender Tradition. Bereits die in den Ötztaler Alpen gefundene steinzeitliche Gletschermumie „Ötzi“ trug zwei Birkenporlinge mit sich, weshalb der Pilz heute auch als Ötzi-Pilz bekannt ist. Forscher sehen in dem Fund den Beweis dafür, dass die antibakterielle und antibiotische Heilkraft des Pilzes schon vor 5300 Jahren bekannt gewesen sein dürfte.

In Russland, Tschechien, Sibirien, Rumänien und den baltischen Ländern hat der Birkenporling, der auch Birkenschwamm oder Birken-Hautporling genannt wird, seinen festen Platz in der Volksheilkunde. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) kennt man ihn unter der Bezeichnung Hua Bo Guan Jun.

Der Birkenporling wird in der Fachliteratur als ungenießbarer Vitalpilz gelistet, weil er zwar essbar, aber wenig aromatisch ist. Junge, runde Exemplare machen sich zum Beispiel gut in einer vietnamesischen Phở-Brühe. Mit zunehmendem Alter wird der Birkenschwamm jedoch holziger und bitterer.

Heilende Anwendungen

Der Birkenporling ist reich an den Vitaminen B, C und E, Provitamin Betacarotin sowie Mineralstoffen wie Eisen, Phosphor, Kupfer, Selen, Kalium. Außerdem enthält er das Antibiotikum Piptamin. Das reichlich in ihm enthaltene Triterpen Betulin stellt der Pilz nicht selbst her, sondern zapft es als Birken-Schmarotzer aus der Borke seines Wirts.

Der Birkenporling wirkt generell entzündungshemmend, antibiotisch, antiviral und blutstillend und ist im Speziellen ein treuer Magen-Darm-Freund. Der ausgewiesene Heilpilz-Experte Hans-Heinrich Kunde empfiehlt den Birkenporling zur Behandlung von Magenschwäche, Magenverstimmungen, Magenreizungen, Magenschleimhautentzündung, Magengeschwüren und als Prophylaktikum für eine gesunde Verdauung.

Auch mit Würmern und anderen Darmparasiten wird der Birkenporling fertig. Seine nachgewiesene antikanzerogene Wirkung verspricht Potential in der Krebstherapie.

Darüber hinaus kommt Piptoporus betulinus, wie der Birkenporling seit 2015 in der wissenschaft bezeichnet wird, traditionell bei Schlafstörungen, brüchigen Nägeln, nachlassendem Haarwuchs und Haarausfall, Ermattung und Erschöpfung zum Einsatz.

Abkochung aus Birkenporling

Ein Tee bzw. eine Abkochung aus Birkenporling enthält die meisten wasserlöslichen Wirkstoffe, wenn der auf Vorrat getrocknete Pilz vor der Zubereitung frisch vermahlen wird. Auf eine Tasse Wasser kommen zwei Teelöffel Pilzpulver, das mindestens 20 Minuten gekocht wird. Der so hergestellte wässrige Auszug schmeckt pilzig und bitter und kann mehrmals am Tag getrunken werden.

Wird die Abkochung zur Behandlung von Magenproblemen eingesetzt, hat sich eine Rollkur bewährt: Dabei legt man sich nach Einnahme der Abkochung auf nüchternem Magen auf den Rücken und wechselt jede Minute in Bauch- und Seitenlage. Auf diese Art wird die Abkochung gleichmäßig auf der Magenschleimhaut verteilt und kann ihre heilende Wirkung tun.

Birkenporling als Tinktur

Da das für seine antientzündliche Wirkung bekannte Betulin nicht in Wasser löslich ist, empfiehlt sich ein alkoholischer Auszug, um das ganze Spektrum an Inhaltsstoffen des Birkenporling auszuschöpfen.

Für eine selbst gemachte Tinktur aus Birkenporling, eine Handvoll frischer Pilze in ein verschließbares Glas geben, mit 300 Milliliter Ansatzalkohol (mindestens 40 Volumenprozent Alkohol, z.B. Wodka oder Kornbrand) übergießen und fest verschlossen vier Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen (mazerieren). Danach die Tinktur durch ein Seihtuch filtern, dabei die Pilze gut ausdrücken und die Tinktur in dunkle Flaschen abfüllen.

Tipp: Für eine optimale Ausschöpfung der Inhaltsstoffe können wässrige und alkoholische Darreichungsformen kombiniert werden. Auch ein heilsamer Ölauszug lässt sich mit dem Birkenporling herstellen.

Erkennung und Sammeltipps

Seit der Steinzeit wird der Birkenporling als Vitalpilz verwendet. Neuerdings erregen seine antioxidativen Eigenschaften das Interesse der Wissenschaft.
Den Birkenporling findest du ausschließlich an Birken, überwiegend auf Totholz. An lebenden Bäumen gilt der Birkenporling als Anzeiger für deren abnehmende Vitalität.
Der Pilz ist einjährig und lässt sich das ganze Jahr über ernten, wobei die besten Monate für das Sammeln zwischen September und Januar liegen, in denen die jungen Birkenschwämme heranreifen.

So erkennst du einen Birkenporling:

  • Im jungen Stadium drücken sich die Fruchtkörper des Birkenporlings als weiße, rundliche Knoten aus der Birkenrinde. Mit dem Alter nimmt der Pilz deutlich an Größe zu und nimmt eine nierenförmige Gestalt mit weiß-bräunlicher Färbung an.
  • Die Oberfläche ist glatt und samtig, teilweise auch leicht oder stärker gebuckelt.
  • Die Unterseite des Birkenporlings ist weiß und mit vielen kleinen Poren übersät. Im jungen Zustand sind diese kaum bis gar nicht sichtbar.
  • Der Rand des Pilzes ragt meist wulstig über die Röhren hinaus und säumt den Fruchtkörper ein.
  • Der bei älteren Pilzen sehr kurze und wenig deutliche Stiel fixiert den Pilz am Untergrund.
  • Fomitopsis betulina ist gut an seinem feinen Pilzgeruch zu erkennen.
  • Das Fleisch ist zunächst elastisch, wird mit der Zeit aber korkähnlich.

Der Birkenporling lässt sich sehr leicht mit der Hand vom Wirtsbaum drehen oder mit einem sauberen Messer an seiner Basis abschneiden.

Wer sich bei der Ernte selbst verletzt, kann den Schnitt bis zur Pflaster-Versorgung mit einem Wundverband aus Birkenporling verarzten. Dafür ein dünnes Stück aus dem Fruchtfleisch schneiden und auf die Verletzung auflegen. Blutungen werden rasch gestillt und einer Wundinfektion wird vorgebeugt.

Birkenporling unterscheiden vom ungenießbaren Zunderschwamm

Der Zunderschwamm gehört ebenfalls zu den Porlingen, Vitalpilzen und Parasiten. Die beiden lassen sich aber an folgenden Merkmalen gut unterscheiden: Der Zunderschwamm ist eher grau und wird von konzentrischen Wulsten gebildet, die – wie Jahresringe eines Baumes – die Wachstumsperioden eines Zunderschwamms anzeigen. Die mehrjährigen Fruchtkörper sind weitaus holziger bzw. korkiger als die des einjährigen Birkenporlings.

Birkenporling unterscheiden vom ungenießbaren Feuerschwamm

Anders als der ebenfalls heilkräftige Feuerschwamm, ist der Birkenporling nicht hart und fest mit dem Wirtsbaum verwachsen, sondern hat eine leicht schaumstoffartige Konsistenz, die sich einfach vom Stamm brechen oder schneiden lässt. Der Gemeine Feuerschwamm hat oft keinen Stiel und seine Oberfläche gleicht im Alter meist einer rissigen, harten Borke von beinahe schwarzer Färbung.

Birkenporling unterscheiden vom ungenießbaren Wulstigen Lackporling

Anders als der Birkenporling ist der stiellose Wulstige Lackporling breit bzw. flächig am Substrat angewachsen. Seine wellig-höckerige rotbraun bis schwarz gefärbte Kruste lässt sich nicht eindrücken. Bei Druck auf die weiße Unterseite des Wulstigen Lackporlings verfärbt sich diese am frischen Pilz bräunlich.

Birkenporling unterscheiden vom ungenießbaren Dunklen Lackporling

In der Fachliteratur sind so gut wie keine Fälle beschrieben, in denen der Dunkle Lackporling auf Laubbäumen nistet, was ihn deutlich vom Birkenporling unterscheidet. Der rot- bis dunkelbraune Fruchtkörper des Dunklen Lackporlings wird nur etwa drei Zentimeter dick und ist von einer glänzenden Harzschicht bedeckt.

Birkenporling unterscheiden von ungenießbaren Saftporlingen

Die Saftporlinge bilden wie der Birkenporling einjährige, weiche Fruchtkörper an Wirtsbäumen aus, allerdings wächst die Mehrzahl der Art an Nadelhölzern und nur einige an Laubholz. Saftporlinge wachsen eher flach bzw. fächerförmig und weniger fleischig als der Birkenporling. Einige Arten sind – wie der Name vermuten lässt – von tauartigen Guttationstropfen bedeckt.

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