Arznei-Engelwurz (Angelika)
4.9 5 81
80
1

Die zweijährige Arznei-Engelwurz, auch Angelika genannt, ist in den gemäßigten Breiten auf der Nordhalbkugel heimisch. Besonders das in der Pflanze in Wurzeln und Samen enthaltene Öl verarbeitet man wegen ihrer stark verdauungsfördernden Eigenschaften zu Kräuterlikören und Bitterschnäpsen. Diese Besonderheit macht sie hilfreich bei allerlei Beschwerden wie Blähungen, Magen- und Darmkrämpfe und Völlegefühl. Als Tee oder Tinktur eingenommen, kannst du ihre Heilkräfte für dich nutzen. Der Name Engelwurz leitet sich aus einer Legende von einem Engel ab. Dieser schickte die Engelwurz als Heilpflanze auf die Erde, wo sie dringend gebraucht wurde. Ein Mann fand sie und nutze sie als Heilmittel gegen die Pest.

Steckbrief

Lateinischer Name Angelica archangelica
Andere Namen Arznei-Engelwurz, Argelkleinwurzel, Brustwurz, Brustwurzel, Dreieinigkeitswurzel, Engelwurtz, Geilwurzel, Engelbrustwurz, Theriakwurz
Familie Doldenblütler (Apiaceae)
Erntemonate ganzjährig
Verwendbare Pflanzenteile Blätter, Blüten, Samen, Triebe, Wurzeln
Blattform eiförmig
Blütenfarbe grün, weiß
Fundorte feuchte Wiesen, an Ufern, auf nassen, nährstoffreichen Tonböden
Verwechslungs­gefahr mit dem Wald-Engelwurz, dem giftigen Gefleckten Schierling und dem giftigen Riesen-Bärenklau
Giftigkeit ungiftig
Warnungen nicht während der Schwangerschaft verwenden
Besondere Inhaltsstoffe ätherische Öle, Bitterstoffe, Chlorogensäure, Cumarine, Fumarsäure, Gerbstoffe, Harz, Pektin
Eigenschaften antimikrobiell, appetitanregend, entkrampfend, karminativ, magensaftanregend
Hilft bei Appetitlosigkeit, Blähungen, Darmkrämpfe, Erkältungen, Magenkrämpfe, Völlegefühl

Anwendungen

Die Engelwurz findet sowohl in der Ernährung als auch als Heilpflanze Anwendung. Besonders ihre verdauungsfördernden Eigenschaften lassen sich auf verschiedene Weise nutzen.

In der Ernährung

Das Öl aus den Samen und Wurzeln der Engelwurz wird wegen seiner verdauungsfördernden Eigenschaften zu Kräuterlikören und Bitterschnäpsen wie Boonekamp, Bénédictine und Chartreuse hinzugefügt. Außerdem wird daraus eine Süßigkeit in Form kandierter Stängel hergestellt.

Alle Teile der Pflanze sind essbar. Sie schmeckt aromatisch, derb bis süßlich, ähnlich der Möhre. Du kannst junge Blätter, Stiele und Triebe ab März ernten und in Suppen, Salaten und zu Gemüsegerichten verwenden. Iss die ungeöffneten Blütenknospen der Engelwurz ab Juni entweder roh, oder verwende sie gedünstet oder gebraten. Wie Gemüse kannst du ihre von September bis zum Frühjahr erntereifen Wurzeln zubereiten. Selbst die im späten Herbst reifen Samen eignen sich für heilsamen Tee, oder als Brot- oder Fleischgewürz.

Kandierte Engelwurz

Angelika gibt es in kandierter Form in Handel, sie wird als Backzutat wie Orangeat oder Zitronat verwendet. Kandierte Engelwurz kannst du aber auch ganz leicht selbst mit folgendem Rezept herstellen. Sammle dafür am besten die noch elastischen Stängel der Jungpflanzen im Frühsommer oder Frühherbst.

Benötigte Zutaten:

  • 750 g Engelwurz-Stängel
  • 1 kg Zucker
  • 750 ml Wasser

So gehst du vor:

  1. Die Stängel waschen und in 10 cm lange Stücke oder kleiner (als Orangeat- Ersatz) schneiden.
  2. Zwei Minuten in Wasser kochen.
  3. Das Wasser abgießen und die Stängel mit kaltem Wasser abschrecken.
  4. Die Engelwurz-Stücke in einem Topf mit 1 kg Zucker und 750 ml Wasser drei Minuten köcheln lassen.
  5. Im geschlossenen Topf auskühlen und 12 Stunden ziehen lassen.
  6. Abseihen und das restliche Wasser weitere 10 Minuten ohne Deckel kochen lassen.Das Zuckerwasser kann als Sirup genutzt werden.
  7. Die Stängel auf Backpapier ausbreiten und entweder bei Zimmertemperatur oder im Ofen bei 40 °C etwa 36 Stunden trocknen lassen, bis sie nicht mehr klebrig sind.
  8. In Schraubgläsern kühl und dunkel aufbewahren.

Heilende Anwendungen

Die Heilwirkung der Echten Engelwurz konzentriert sich auf den Verdauungstrakt. Sie stärkt das Immunsystem und kann deswegen ebenfalls bei Erkältungen eingesetzt werden. Für Heilanwendungen werden die Wurzeln als Tee oder in Form einer Tinktur eingenommen, die du leicht selbst herstellen kannst.

Tinktur

Eine Tinktur aus der Wurzel wirkt bei Appetitlosigkeit, Magen- und Darmkrämpfen, Völlegefühl sowie Blähungen.

Du benötigst:

  • 20 g getrocknete und 10 g frische Engelwurz-Wurzel (alternativ 30 g getrocknete Wurzel)
  • 100 ml 70- bis 90-prozentigen Alkohol, zum Beispiel Weingeist
  • eine Braunglasflasche

Die Zubereitung:

  1. Frische und getrocknete Wurzel in die Flasche füllen.
  2. Alkohol dazugeben und fest verschließen.
  3. Etwa zwei Wochen ziehen lassen.
  4. Mehrmals täglich schütteln.
  5. Abseihen und die Tinktur in eine dunkle Flasche füllen.

Bei Bedarf zwei Teelöffel in einem Glas Wasser oder Tee auflösen und trinken.

Tee

Eine Alternative zur Tinktur ist der Engelwurz-Tee, denn auch er kann bei den aufgeführten Beschwerden Linderung verschaffen.

Für einen Tee überbrühe einen Teelöffel der Wurzel mit 150 ml kochendem Wasser. Das Ganze wird 10 Minuten ziehen gelassen, abgeseiht und eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten getrunken. Mehr als fünf Gramm der Wurzel pro Tag solltest du jedoch nicht verwenden.

Erkennung und Sammeltipps

Früher war die Angelika (Arznei-Engelwurz) eine beliebte Heilpflanze. Heute ist sie meist verwildert zu finden und kann u.a. bei Verdauungsproblemen helfen.

Die Engelwurz sollte mit Handschuhen gesammelt werden. Durch den Hautkontakt mit dem Pflanzensaft kann es in Verbindung mit UV-Strahlung zu Hautreizungen kommen. Beim Sammeln besteht Verwechslungsgefahr mit bestimmten Arten, die weiter unten aufgeführt werden.

Die zweijährige Staude kann zwei bis drei Meter hoch werden. Sie besitzt hohle, gerillte Stängel, an denen sich die bis zu dreifach gefiederten Blätter befinden. Da man der Pflanze früher schon große Heilkräfte zuschrieb, baute man sie in jedem Garten an. Heute ist sie nur noch vereinzelt verwildert zu finden. Sie kommt auf nährstoffreichen und feuchten Standorten, wie zum Beispiel feuchten Wiesen und Ufern vor.

  1. Die Engelwurz hat zwei- bis dreifach gefiederte, bis zu 90 cm lange Blätter.
  2. Die Blätter sind eiförmig und leicht spitz.
  3. Die hohlen Stängel sind rund, mit leichten Rillen und kann armdick werden.
  4. Die Blüten wachsen in weiß-grünlichen, runden Dolden und riechen stark würzig-aromatisch.
  5. Die Blütezeit ist von Juli bis August im zweiten Jahr.
  6. Die Samen sind deutlich gerippt.
  7. Die Wurzeln sind länglich schmal, können aber auch dick und fleischig werden.

Die Engelwurz (Angelica archangelica) ist der Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) sehr ähnlich. Sie kommen auch an den gleichen Standorten vor. Die Wald-Engelwurz wird aufgrund ihrer geringen Heilkraft jedoch selten als Heilpflanze genutzt. Im Unterschied zur Arznei-Engelwurz wird die Wald-Engelwurz nur 50 bis 150 cm groß und die Blätter sind auf der Unterseite behaart.

Es besteht für Laien eine erhöhte Verwechslungsgefahr mit dem giftigen Gefleckten Schierling (Cicuta virosa) sowie dem Verbrennungen verursachenden Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum). Man sollte die Engelwurz also sehr gut kennen, bevor man sie sammelt.

Zum Riesen-Bärenklau unterscheidet sich die Echte Engelwurz durch ihre weiß-grünlichen Blüten. Der Blütendolden des Riesen-Bärenklau sind dagegen tellerförmig und weiß, die Blätter kleinteiliger gezackt. Der Riesen-Bärenklau darf nicht berührt werden, denn beim Kontakt mit der Haut bilden sich schwere Hautreaktionen wie Quaddeln.

Am ehesten unterscheidet sich die Engelwurz vom Gefleckten Schierling durch seinen würzigen Geruch nach Sellerie. Der Schierling riecht dagegen unangenehm nach Fäule. Wenn du dir beim Erkennen der Pflanze nicht sicher bist, kannst du dir die Engelwurz auch in der Apotheke besorgen.

Einnehmen solltest du Angelika nur gelegentlich. Weil die Pflanze die Lichtempfindlichkeit der Haut steigert, können bei längerer Einnahme Hautentzündungen durch den Aufenthalt in der Sonne auftreten.

Anbautipps

Eine Vermehrung der Pflanze ist durch ihre Samen möglich. Sie sind Kaltkeimer und nicht lange keimfähig, deswegen sollten sie noch im gleichen Jahr der Ernte auf einem feuchten, nährstoffreichen Boden ausgesät werden. Die Staude benötigt mit einem Quadratmeter viel Platz. Im ersten Jahr werden zunächst die Wurzeln gebildet, daraufhin erscheinen die Blütendolden.

Achtung:

Der Besuch dieser Seite kann nicht den Besuch beim Arzt ersetzen. Ziehe bei ernsthaften oder unklaren Beschwerden unbedingt deinen Arzt oder Apotheker zu Rate!