Tinkturen aus Heilpflanzen selber machen
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Bereits seit dem Altertum werden Tinkturen als eine Möglichkeit verwendet, die wertvollen Inhaltsstoffe verschiedenster Heilpflanzen zu konservieren und nutzbar zu machen. Diese konzentrierten Pflanzenauszüge, Elixiere und Essenzen dienten seit jeher als natürliche Arznei. Einige von ihnen sind sagenumwoben, so glaubte Paracelsus im 16. Jahrhundert, in der als “Laudanum” bekannten Opiumtinktur ein Allheilmittel gefunden zu haben.

Auch heutzutage spielen Tinkturen in der Medizin eine wichtige Rolle. Die alkoholischen Pflanzenauszüge sind reich an natürlichen ätherischen Ölen, Antioxidantien, entzündungshemmenden, antibakteriellen und antiviralen Stoffen und teils sogar krebshemmenden Stoffen, sie erlauben die effiziente und zugleich einfache Extraktion der Wirkstoffe. Das Herauslösen der heilsamen Substanzen mit einem Lösungsmittel, in diesem Fall Alkohol, nennt man Mazeration, die entstehenden Tinkturen werden auch als Mazerate bezeichnet.

Tinkturen sind vielseitig nutzbar

Die konzentrierten Pflanzenauszüge können auf vielfältige Weise für Gesundheit und Körperpflege, als Ersatz für zahlreiche konventionelle Medikamente und auch in der Ernährung genutzt werden. Den meisten bestens bekannt dürften Hustentropfen oder Magentropfen sein, bei denen Tinkturen bestimmter Pflanzen unverdünnt zum Einsatz kommen. Aber auch als Zutat für zahlreiche natürliche Kosmetik- und Pflegeprodukte wie selbst gemachte Cremes, Lotionen, Zahncremes oder auch Shampoo und Haarwässer können Tinkturen dienen.

Zudem stellen sie eine sanfte und besonders umweltfreundliche Alternative zu ätherischen Ölen dar, deren vermehrter Einsatz insbesondere für Gewässer problematisch ist und die in größeren Mengen als umweltgefährdend und giftig für Wasserorganismen gelten.

Das sind doch genug Gründe, die wertvollen Essenzen einmal selbst herzustellen und zu nutzen!

Was benötigt wird

Als Ausgangsmaterial für selbst gemachte Tinkturen werden frische oder getrocknete Kräuter oder andere Pflanzenteile benötigt. Sie sollten jedoch nicht mehr zu feucht oder sogar nass sein.

Als Lösungsmittel eigen sich fast alle neutralen Alkoholarten, z.B. hochkonzentrierter Weingeist (in der Apotheke oder online erhältlich), Primasprit Ansatzalkohol als auch einfacher Korn oder Wodka mit mindestens 40 % Vol. Alkoholanteil. Bei Verwendung frischer Pflanzenteile ist ein höherer Alkoholanteil empfehlenswert, weil durch den Wassergehalt der Pflanzen der Gesamtalkoholgehalt etwas herabgesetzt wird.

Falls du aus verschiedenen Gründen auf Alkohol als Lösungsmittel verzichten möchtest, kannst du dennoch selbst gemachte Tinkturen nutzen. Auf ganz ähnliche Weise lassen sich nämlich alkoholfreie Tinkturen mittels Essig-Auszug herstellen!

Das wird zur Herstellung der eigenen alkoholischen Tinkturen benötigt:

  • 50 g getrocknete oder 100 g frische Kräuter, gesäubert und zerkleinert
  • 200 ml Alkohol
  • Schraubglas zum Reifen, z.B. ein leeres Marmeladenglas
  • Kaffeefilter zum Filtrieren der fertigen Tinktur
  • Tropfflaschen aus Braunglas zur Aufbewahrung

Tinkturen selber machen

Der Ablauf ist im Grunde simpel, erfordert allerdings etwas Geduld. Fülle 50 g getrocknete oder 100 g frische Pflanzenteile in ein Schraubglas und gieße mit 200 ml Alkohol auf. Alle Pflanzenteile sollten dabei vollständig bedeckt sein. Verschließe das Glas fest, es muss nun für mindestens vier Wochen reifen. Natürlich kannst du die Mengen im gleichen Mischungsverhältnis variieren.

Selbstgemachte Tinkturen sind hervorragend geeignet, die Wirkstoffe gesammelter Kräuter lange zu nutzen. Wie du Tinkturen ansetzt und was zu beachten ist.
von thedabblist (CC-BY-2.0)

Während dieser Zeit löst der Alkohol nach und nach die löslichen Inhaltsstoffe aus den Pflanzen, was an der entstehenden Färbung gut zu erkennen ist. Du kannst den Prozess unterstützen, indem du das Glas einmal am Tag vorsichtig schüttelst. Das Aufstellen an einem warmen und sonnigen Platz beschleunigt die Extraktion ebenfalls, allerdings können dadurch lichtempfindliche Bestandteile Schaden nehmen.

Nach Ablauf der Reifezeit werden die fertigen Tinkturen durch einen feinen Kaffeefilter gegossen und in Tropfflaschen aus Braunglas oder andere, dunkle Behältnisse abgefüllt. Sie sind nun einsatzbereit – vergiss nicht, die Fläschchen gleich zu beschriften!

Verschiedene Tinkturen und Einsatzmöglichkeiten

Prinzipiell enthalten fertige Tinkturen einen Großteil der Wirkstoffe ihrer Ursprungspflanzen in konzentrierter Form. Nachfolgend findest du einige Ideen für mögliche Zutaten sowie die jeweiligen Einsatzmöglichkeiten der Tinkturen.

Gänseblümchen-Tinktur aus den Blütenköpfen hilft gegen unreine Haut, Mitesser und Akne, sie wird mit einem Kosmetikpad oder Wattebausch aufgetupft und wirkt hautklärend und entzündungshemmend.

Eine Tinktur aus Beinwell ist bei allen Arten von Verletzungen und Schmerzen innerlich und äußerlich anwendbar, sie wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend, wundheilend und kühlend.

Typische Erkältungskräuter wie Minze, Thymian, Salbei, Kamille oder auch Holunderblüten eignen sich wunderbar für Hustentropfen. Hier findest du ein Rezept für Holunderblütentinktur.

Die Holunderblüten sind reich an ätherischen Ölen und wertvollen sekundären Pflanzenstoffen. Mit einer Tinktur kannst du ihre Heilkräfte das ganze Jahr über nutzen.

Kastanien-Tinktur hilft bei Hautproblemen wie Akne, Ekzemen und Wunden, dient als Grundlage für selbst gemachtes Venengel, sie wirkt gefäßstärkend, fördert die Durchblutung und lindert Krampfadern. Außerdem wirkt sie unterstützend bei Rheuma, Gelenkschmerzen und Hämorrhoiden.

Aus Baldrianwurzeln lässt sich mittels einer Tinktur ein natürliches Beruhigungsmittel und Schlafmittel herstellen.

Eine Nelkentinktur ist ideal gegen Zahnschmerzen sowie als Zugabe für selbst gemachte Zahnpflegeprodukte. Sie hilft außerdem gegen Blähungen und dient zur Behandlung von Insektenstichen.

Ebenso wie Nelken lässt sich auch Nelkenwurz für Tinkturen zur Kräftigung des Zahnfleischs verwenden.

Tinkturen aus Schöllkraut, Thuja (Lebensbaum, nur äußerlich anzuwenden aufgrund seiner Giftigkeit), Löwenzahn oder Knoblauch dienen zur schonenden Behandlung von Warzen.

Labkraut ist in Form einer Tinktur nutzbar zur Stärkung des Immunsystems, besonders als vorbeugende Kur in Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit.

Eine Tinktur der Schlüsselblume eignet sich als Einreibemittel bei Nervenschmerzen sowie Pilzinfektionen, innerlich wirkt sie unterstützend bei Husten, Migräne, Kopfschmerzen, Rheuma und Gicht.

Dies sind nur einige Beispiele, wie selbst gemachte Tinkturen auf natürliche Weise helfen können und dabei zahlreiche Medikamente ersetzen oder deren Notwendigkeit reduzieren. Noch viel mehr Rezeptideen findest du in unserem Buchtipp:

Heilpflanzen-Tinkturen: Wirksame Kräuterauszüge mit und ohne Alkohol

Hast du eine Lieblingstinktur, wie bereitest du sie zu und wie wird sie angewendet? Wir freuen uns auf deine Anregungen in den Kommentaren!

Weitere Rezepte für Wild- und Heilkräutertinkturen:

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