Kleine Brennnessel
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Die Brennnessel ist eine der bekanntesten Pflanzen, es gibt kaum jemanden, der noch nicht Bekanntschaft mit ihrer brennenden Wirkung gemacht hat. Ebenso wie die Große Brennnessel (Urtica diocia) gehört die weniger bekannte Kleine Brennnessel (Urtica urens) zu den Brennnesselgewächsen (Urticaceae). Die einjährige Kleine Brennnessel hat eine Wuchshöhe von etwa 50 cm, besitzt abgerundete und eiförmige Blätter. Sie ist sehr reich an Proteinen, Vitaminen und Mineralien und war schon immer eines der vielseitigsten Kräuter. Sie findet bei uns als Nahrungsmittel, als Heilmittel gegen zahlreiche Beschwerden, als Düngemittel, in der Kosmetik und sogar als Faserpflanze Verwendung. Wird die Pflanze gekocht oder geknetet, knicken ihre Brennhaare, sodass sie ihre brennende Wirkung verlieren.

Steckbrief

Lateinischer NameUrtica urens
Andere NamenEiternessel
FamilieBrennnesselgewächse (Urticaceae)
ErntemonateMrz-Aug
Verwendbare PflanzenteileBlätter, Samen, Triebe, Wurzeln
Blattformeiförmig
Blütenfarbegrün
Fundortenährstoffreiche Standorte, Gärten, Wegränder, Waldränder, Böschungen, Schuttplätzen, vor allem in Dörfern, insbesondere an Rändern von Misthaufen oder Jauchegruben
Verwechslungs­gefahrMit der Taubnessel und der Nesselblättrigen Glockenblume, die beide nicht giftig sind, auffällige Blüten haben und keine Brennhaare besitzen
Giftigkeitungiftig
WarnungenBei direkten Kontakt mit der Frischpflanze Juckreiz und stechende Schmerzen, brennt stärker als die große Brennnessel. Die Brennnessel sollte bei Herzinsuffizienz und Ödemen nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.
Besondere InhaltsstoffeChlorophyll, Eisen, Eiweiß, Flavonoide, Folsäure, Kalium, Kieselsäure, Linolsäure, Magnesium, Phosphor, Schleimstoffe, Vitamin A, Vitamin C
Eigenschaftenblutreinigend, entgiftend, entschlackend, harntreibend, hautreizend
Hilft beiAllergien, Darmgeschwüre, Diabetes, Durchblutungsstörungen, Ekzeme, Erkrankungen der Galle, Erkrankungen der Leber, Erkrankungen der Milz, Gicht, Haarausfall, Harnwegs­­entzündungen, Kopfschuppen, Magengeschwüre, Nierensteine, Pickel, Raucherbein, Rheuma, Verstopfung

Anwendungen

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Kleine Brennnessel zu verwenden, von der Zubereitung als Suppe, im Salat, gekochtes Gemüse, über die Verwendung als Dünger für den Garten und Anwendung als Pflegeprodukt. Früher wurde sie zudem häufig als Faserpflanze für Stoffe, Netze und Seile eingesetzt. Heute finden sich wieder kleine Unternehmen, die die Brennnessel zur Stoffproduktion gewählt haben. Selbst die Samen lassen sich als Aphrodisiakum, Brotgewürz und vieles mehr nutzen.

In der Ernährung

Die Brennnessel eignet sich hervorragend für die basische Ernährung. Sie enthält viele essentielle sowie semi-essentielle Aminosäuren, die wichtig für unseren Muskelaufbau sind. Die Vitamine A, B und C wirken sich positiv auf unsere Haut, Nerven sowie unser Immunsystem aus. Zudem besitzt die Brennnessel den höchsten Chlorophyllgehalt aller Wildpflanzen. Chlorophyll ist wichtig für die Bildung der roten Blutkörperchen und damit für die Sauerstoffversorgung in unserem Körper.

Darüber hinaus enthält sie sechsmal so viel Calcium wie Mangold, doppelt so viel Eisen wie Spinat, doppelt so viel Magnesium wie Grünkohl und doppelt so viel Kalium wie Chinakohl oder Kopfsalat. Es gibt also zahlreiche Gründe, diese Pflanze häufiger auf den Speiseplan zu setzen.

Dafür bieten sich reichliche Anwendungen. Junge Blätter lassen sich bereits ab März ernten und können zum berühmten Brennnesselspinat sowie zu weiteren Köstlichkeiten verarbeitet werden. Zarte Triebspitzen verfeinern Salate, nachdem sie kurz mechanisch mit dem Nudelholz bearbeitet wurden. Auch zu einer Suppe lassen sich die Blätter verkochen, z.B. in einer Spitzwegerich-Brennnesselsuppe oder als Gründonnerstagssuppe. Auch in hausgemachten Wilkräuter-Brotaufstrichen kannst du sie nutzen.

Klassische Brennnesselsuppe

Für 6 Personen brauchst du:

  • 3 handvoll Brennnesselblätter
  • 250 g Kartoffeln
  • 250 g Karotten
  • 1 Zwiebel
  • Etwas Gemüsebrühe
  • Öl
  • Salz, Pfeffer und andere Gewürze zum Abschmecken
  • nach Geschmack 100 g Sahne

So bereitest du die Suppe zu:

  1. Brennnesselblätter von den Stielen trennen und 10 Minuten in gesalzenem Wasser kochen.
  2. Kochwasser abgießen und Blätter leicht ausdrücken.
  3. Blätter mit 100 ml Gemüsebrühe zu einem Mus mixen.
  4. Zwiebel kleinschneiden und in etwas Öl dünsten.
  5. Geriebene Kartoffeln und Karotten kochen, bis sie gar sind.
  6. Brennnesselmus dazu geben und alles kurz aufkochen.
  7. Mit Pfeffer, Salz und anderen Gewürzen abschmecken und nach Belieben mit Sahne ergänzen.

Heilende Anwendungen

Rheuma und Gicht können durch das Auspeitschen mit Brennnesselruten gelindert werden. Diese altbewährte Methode verursacht zwar heftige brennende Schmerzen, kann aber zu einer deutlichen Linderung führen.
Eine Tinktur aus dem frischen Kraut wird als als Einreibemittel bei Rheuma, Gicht, Kopfschuppen und als Haarwuchsmittel verwendet.

Saft

Frischer Brennnesselsaft reinigt das Blut, er wird aus den Blättern und Triebspitzen in einer Saftpresse für Kräuter gewonnen. Der Saft sollte nicht konzentriert eingenommen, sondern mit Wasser oder Fruchtsaft verdünnt werden.

Badezusatz

Als Badezusatz in Form von abgekochtem Kraut hilft die Brennnessel bei Allergien der Haut und regt die Durchblutung an. Für ein Vollbad reichen drei volle Hände des Krauts. Mit zwei Litern kochendem Wasser übergießt man die Blätter und lässt sie 15 Minuten ziehen.

Tee

Für die innere Anwendung lässt sich ein Brennnesseltee aus frischen oder getrockneten Blättern kochen. Eine Handvoll Brennnesselblätter wird mit einem Liter kochendem Wasser aufgegossen. Die Ziehzeit beträgt bei frischen Blättern eine Minute und bei getrockneten Blättern 10 Minuten.

Tinktur aus der Wurzel

Bei Prostataerkrankungen ist die Herstellung einer Tinktur aus der Brennnesselwurzel ein geeignetes Mittel.

So gehst du vor:

  1. Die frischen, gesäuberten und klein geschnittenen Wurzelstücke in ein Schraubglas geben und mit 45-prozentigem Alkohol auffüllen.
  2. Drei Wochen ziehen lassen, ab und zu schütteln.
  3. Abseihen und in eine dunkle Flasche füllen.

Die Einnahme erfolgt dreimal täglich mit zwanzig Tropfen.

Brennnessel im Haushalt

Frühere Generationen kannten Brennnesseln als altes Hausmittel gegen verschmutzte Fenster. Dafür füllst du einen Eimer mit einem Liter Wasser und einem Schuss Essig und lässt ein Bund frische Brennnessel darin ziehen. Anschließend knüllst du die Blätter leicht zusammen (Handschuhe anziehen) und reibst damit die Fenster ab.

Anwendungen im Garten

Wenn du Obstbäume hast, kannst du ihren Ertrag steigern, indem du Brennnesselpflanzen um den Stamm legst. Sie dienen als Dünger und geben nach und nach wertvolle Nährstoffe an den Boden ab.

Als natürliches Fungizid gegen Mehltau aber auch gegen Läuse hat sich das Bespritzen von befallenen Pflanzen mit Brennnesseltee bewährt. Heilkräuter bilden mehr ätherische Öle, wenn Brennnesseln in unmittelbarer Nähe wachsen.

Grüne Tomaten lassen sie binnen 4-6 Wochen gut nachreifen, wenn sie in eine dunkle Kiste oder Papiertüte zusammen mit frischen Brennnesseln gelegt werden.

Das Kraut wird (angewelkt oder als Heu) auch als Tierfutter verwendet, insbesondere für Geflügel. Traditionell wird die Brennnessel in kleingehackter Form zur Kükenaufzucht verfüttert.

Andere Anwendungen

In ihrer Verwendung und Heilwirkung ist die Kleine Brennnessel der Großen Brennnessel (Urtica dioica) nahezu gleich. Aus den Samen kann zusätzlich ein wertvolles Öl gewonnen werden.

Erkennung und Sammeltipps

Über Brennnesseln muss man sich nicht ärgern. Sie sind reich an wichtigen Vitalstoffen, können deinen Speiseplan bereichern und der Gesundheit Gutes tun!

Die stärker brennende Kleine Brennnessel ist durch ihre deutlich kleinere Wuchsform bis 50 cm leicht zu erkennen. Die Kleine Brennnessel tritt oft gesellig in Gruppen auf, ist jedoch wesentlich seltener anzutreffen als die Große, da sie wärmeliebender ist. Durch ihren sehr hohen Stickstoffsalzbedarf, ist sie überwiegend in der Nähe tierischer Fäkalien oder überdüngter Äcker bzw. Gärten zu finden.

  • Der Stengel ist vierkantig.
  • Die Blätter sind gesägt, dunkelgrün und abgerundet.
  • Die Blätter sind paarweise angeordnet und wachsen kreuzweise versetzt.
  • Die grünen Blütenstände sind kürzer als der Blattstiel.
  • Die weiblichen und männlichen Blüten befinden sich auf einer Pflanze (einhäusig).
  • Die Samen sind grüne Nussfrüchte.
  • Die Pflanzen sind nicht über das Rhizom miteinander verbunden, sondern wachsen einzeln.

Anbautipps

Die Aussaat erfolgt im Frühjahr bis Mai an Ort und Stelle, bevorzugt auf humusreichen Böden.

Achtung:
Der Besuch dieser Seite kann nicht den Besuch beim Arzt ersetzen. Ziehe bei ernsthaften oder unklaren Beschwerden unbedingt deinen Arzt oder Apotheker zu Rate!
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